FU MANCHU, DAILY THOMPSON, 12.08.2026, Im Wizemann, Stuttgart

Desert-Legende Fu Manchu als Demiurgen eines Riff-Infernos lassen einen schweißtreibenden Stonersturm im Wizemann losbrechen.

Gleißende Sonnenstrahlen, über 30 °C, Schotterpisten-Baustelle, eine leichte Brise wirbelt Staub auf und war das eben vorbeiwehendes Stroh? Männer – stark, cool, braungebrannt, tätowiert, oft bärtig und in der Regel mit Bäuchlein und sagen wir „graumeliert“, in kurzen Hosen und Band-Shirts. Der Weg ins Wizemann ist doch ganz schön authentisch für das Konzert der Desert-Helden von Fu Manchu.

Noch herrscht entspannte Sommernachtsstimmung: Relaxt in Badelatschen noch eine Kaltschale genießen, T-Shirts kaufen. Die Band ist bekannt für ihre sehr treue Hardcore-Fanbase und so kann man beobachten, wie sich ganze Familien mit neuen Band-Shirts eindecken. Ich entdecke exakt einen Metaller mit Kutte und Aufnähern neben einem äußerst legeren B52’s-Shirt-Träger. Das Ankommen hat durchaus etwas Kurioses, aber auch sehr Wohliges und die Vorfreude steigt.

Der Club im Wizemann füllt sich langsam, aber sicher und Daily Thompson aus Dortmund, die sich nach einem britischen Zehnkämpfer benannten, haben das Vergnügen und empfinden es offensichtlich als Ehre für Fu Manchu zu eröffnen. Die dreiköpfige Band, bestehend aus Schlagzeuger Thorsten Stratmann, Gitarrist und Sänger Danny Zaremba sowie Bassistin und Co-Sängerin Mercedes „Mephi“ Lalakakis, ist guter Dinge und freut sich über so viele Leute im Saal. Sechs Alben haben sie bereits veröffentlicht und der Stil lässt sich schwer einordnen und ist mit der Aussage der Band wohl am besten zu umschreiben: „Fuzz Rock bzw. gitarrenbasierter Noise-Rock, der vom Stoner Rock, Blues, Psychedelic- und Indie-Rock inspiriert wurde.“ Oder um es mit Danny Zaremba zu sagen: „Wir wollen einfach coole Musik mit Gesang machen.“

Und ja, kann man alles bestätigen. Die drei sind ziemlich cool, haben Bock und legen richtig los mit einem eingängigen Indie-Pop-Perlchen. Der Sound klingt fett, trocken, staubig und einfach cool. Mephi, die ein Pixies-Shirt trägt (einer der offensichtlichen Einflüsse der Band) fühlt es und geht richtig ab. Das Set aus sechs Songs folgt einem Spannungsbogen, gespickt mit Blues, Grunge, Indie, Stoner und eben auch Pixies-Einflüssen. Das empfängliche Publikum äußert erste Hochstimmungsreaktionen und wird gepusht mit dem ultra-lowen Schlusspunkt „I’m free tonight“: Mission acomplished.

21:15 Uhr, leichtes Transpirationsgefühl, Bühne verdunkelt, Black Sabbath läuft und das Publikum beginnt lautstark zu johlen als Brad Davis (Bass), Bob Balch (Gitarre), Scott Reeder (Schlagzeug) und der charsimatische Scott Hill (Gesang, Gitarre) die Bühne äußerst unprätentiös betreten. Die Begeisterung ist nicht zu stoppen. Hill, ein Hüne, stellt sich im gestreiften Polo und mit umgehängter Gitarre einfach nur an den Bühnenrand mit einer kleinen ironischen Erwartungsgeste und -Mimik und der Club rastet bereits aus.

Gitarren werden übersteuert, Chaos-Sound, Gequietsche aus den Verstärkern und ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Hünen, der mich irgendwie an einen Schweden denken lässt (und außerdem an irgendwen erinnert mit seiner Mimik…). Denn es geht gleich los und er weiß bereits womit: „Eatin Dust“ kommt mit voller Wucht direkt auf die 12! Die Bewegung vor der Bühne setzt unmittelbar ein. Tanzen, schubsen, headbangen, wippen, hüpfen, ausrasten und – Spoiler – genau so geht das in den kommenden anderthalb Stunden durch, immer im roten Bereich.

Auch wenn die Songtexte sich im Bereich von ironisch-irrelevant bewegen und sich in der Regel und nach eigener Aussage um „klassische Muscle Cars, Chopper, Vans, Skateboarding und Science Fiction“ drehen, wird dies von Hill mit der notwendigen Überzeugung, Ernsthaftigkeit und Inbrunst vorgetragen. Er geht dabei voll in der Musik auf, was Bewegung, Haltung, Mimik quasi bei jedem Akkord-Wechsel widerspiegeln. Das ist überzeugend und vor allem ansteckend. Fu Manchu scheinen eine ähnliche Haltung wie ihre Vorband zu vertreten und coole Musik mit Gesang machen zu wollen. Und genau das tun sie ja auch schon seit Anfang der 1990er Jahre und zwar sowas von cool.

Und die Geschichte der Band mit einigen Besetzungswechseln in den Anfangsjahren hat auch etwas von einem Superband-Mitglieder-Karussel. Die erste LP „On one rides for free“ aus dem Jahr 1994 wurde vom Kyuss-Schlagzeuger Brant Bjork produziert. Aus Kyuss gingen später die Queens of the Stone Age hevor. Bjork wurde später auch für einige sehr erfolgreiche Jahre Drummer bei Fu Manchu. Der ehemalige Schlagzeuger Ruben Romano verließ gemeinsam mit Eddie Glass die Band und die beiden gründeten die ebenfalls genre-beeinflussende Stoner- und Psychedelic-Rock-Band Nebula. Seit 1997 ist die Besetzung konstant, eben bis auf den Wechsel am Schlagzeug 2001 als Brant Bjork die Band verließ, um sich seinen Solo-Projekten zu widmen. Auf jeden Fall sind Fu Manchu eingespielt und Scott Reeder am Schlagzeug ist ein Zauberer.

Mir ist wie aus dem Nichts auch eingefallen an wen mich Scott Hills Gesicht bzw. Mimik erinnert. Die langen blonden Haare haben irritiert, aber er sieht ein bisschen nach Andreas Rebers aus, finde ich. Ist auch schon wieder vergessen, denn bei „Hell on Wheels“ hilft kein Festhalten mehr, man geht einfach in dem schweißtreibenden, schreiend-hüpfend und headbangenden Stoner-Strom auf und gibt sich dem ekstatischen Treiben hin. Das ganze fühlt sich da vor der Bühne tatsächlich nach einem Sommersturm an und alle genießen das – Publikum wie Band.

Natürlich sind auch noch „Godzilla“, „California Crossing“, „Hands of the Zodiac“, „King of the Road“ oder sogar „Loch Ness wrecking Machine“ dran, die natürlich allesamt echte Killer sind. Doch Fu Manchu hätten auch nur die jüngste Platte oder einen anderen Mix spielen können, es hätte aller Wahrscheinlichkeit nach den gleichen Effekt gehabt. Denn die Songs sind wirklich gut gealtert und auf diese Weise dargeboten, zeitlos guter Stoff. Selten so eine in sich ruhende, happy, überzeugte, coole Band gesehen, die noch immer richtig Bock hat auf Rock’n’Roll.

Kleines PS: Fu Manchu verkaufen als augenzwinkerndes Merchandising-Gimmick limitierte Kunstdrucke für das Konzert. Für Stuttgart im Stile des 1996er-Albums „In Search of“. Und statt der beiden US-Muscle-Cars sind da je ein Wagen der beiden großen Stuttgarter Autoverkäufer zu sehen. Humor braucht der Mensch schließlich auch!

Fu Manchu

Daily Thompson

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