BAD COP BAD COP, WHOREMONES, 02.08.2026, Juha West, Stuttgart

BAD COP BAD COP, WHOREMONES, 02.08.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Schon lange nicht mehr so authentische Musiker*innen auf der Bühne erlebt: Bad Cop Bad Cop packen ihre überzeugende Attitude in rasant-explosive Punkrock-Songs und machen ihr Konzert mit klaren Ansagen und mitreißender Spielfreude zu einem kathartischen Erlebnis.

Wieder so eine Band, von der ich über Jahre nur Gutes gehört und gelesen hatte, die aufgrund blöder Zufälle und eigener Trägheit aber nie mein Ohr erreicht hat. Das ändert sich jetzt endlich, denn schließlich spielen Bad Cop Bad Cop aus Kalifornien jetzt bereits zum dritten Mal im Juha West. Dass es aber so gut werden würde, hätte ich wirklich nicht gedacht – die Band schafft es sogar für kurze Momente, meinen Glauben an das aktuell so kaputte Amerika zurückzugewinnen. Aber dazu später mehr.

Female-Fronted Is Not A Genre, weiß man längst – dass an einem Konzertabend aber ausschließlich Frauen auf der Bühne stehen, ist (nicht nur) beim männerdominierten Punkrock eine seltene Ausnahme. Ich find’s super, erhoffe mir vielleicht eine irgendwie andere Haltung und substanziellere Inhalte als sonst. Weiter wollte ich auf dieses Thema und alle Komplikationen im Bereich der „Gender Stereotypes“ eigentlich nicht eingehen, werde es im Verlauf des Berichts aber doch tun, so viel vorweg.

BAD COP BAD COP, WHOREMONES, 02.08.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Gleich mal beeindruckend: Das Konzert ist an einem schwülheißen Sonntag in den Ferien ausverkauft. Ich komme zu spät und passe kaum mehr in den vollgepackten Konzertraum rein, dabei spielt hier erst der Support! Der besteht ebenfalls aus vier Frauen und die feiern ihr Heimspiel richtig ab. Die Whoremones kommen nämlich aus Stuttgart und spielen krachigen, schnörkellosen und herrlich unbefangenen Punkrock voll auf die Zwölf. Ich durfte sie neulich schon mal im Merlin sehen und bin auch heute wieder begeistert – wie scheinbar auch alle anderen Anwesenden. Ist sicher nicht üblich, dass von Supportbands Zugaben gefordert werden, aber der Hit „I Hate My Mom“ darf natürlich nicht fehlen. Die noch junge Band hat einen fetten Sound und eine unerschrockene Frontfrau, auch die Gitarrenarbeit finde ich super. Den Whoremones gehört die Zukunft!

Im Juha herrschen natürlich wieder die zuletzt gewohnten Saunatemperaturen, was der bombigen Stimmung keinen Abbruch tut. Während der Pause sehe ich mich ein bisschen um, das Altersspektrum ist genretypisch nicht mehr allzu jugendlich, obwohl auch mehrere Kids mit ihren Eltern dabei zu sein scheinen – recht so! Der Frauenanteil kommt mir nicht höher als sonst vor, die Stimmung ist wie immer im Juha tiefenentspannt und immer ausgesprochen freundlich und familiär.

BAD COP BAD COP, WHOREMONES, 02.08.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Bei Bad Cop Bad Cop fand ich den Namen ja etwas umständlich, aber lustig, hatte aber keine Ahnung, wie sie wirklich klingen. Kalifornischer Melodic Punk lese ich vorab, ein Genre, das ich eigentlich eher bei betrunkenen College-Studenten (braucht man nicht zu gendern) als bei mir sehe. Ihre Platten erscheinen beim legendären Punklabel Fat Wreck Chords von Fat Mike (NOFX). Als es dann aber losgeht, sind meine kleinkarierten Bedenken schnell vom Tisch gefegt, denn ich höre zeitlosen Punkrock mit zwei Gitarren und tatsächlich vier Gesangsstimmen. Fast alles uptempo bis Highspeed und heftig rumpelnd, trotz schlichter Eingängigkeit und gerne auch fast poppiger Hooks geht Bad Cop Bad Cop jede trunkene Hymnenhaftigkeit ab. Dass der Sound so zeitlos (wenn nicht im besten Sinn altmodisch) klingt, hat auch mit dem Reifegrad der meisten Protagonistinnen auf der Bühne zu tun. Chefin im Ring ist Stacey Dee, die aus ihren fünfzig Jahren Lebenserfahrung kein Geheimnis macht und gleich am Anfang ihre Hitzewallungen auf die Menopause statt auf die fehlende Klimaanlage zurückführt. An Energie fehlt es der Band aber keinesfalls: Man verausgabt sich mit Verve, die Power kommt vom Skatepunk, die Haltung von den RiotGrrrls, der Beat hat mächtig Wumms, die Speedbreaks hauen immer wieder richtig rein.

BAD COP BAD COP, WHOREMONES, 02.08.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Finstere Themen wie Depression, Sucht, Abtreibung, begleiteter Suizid und mehrfach Krebs werden in auch mal längeren Ansagen offen und direkt angesprochen – das zieht aber niemanden im Publikum runter, sondern wird von den einfach nur authentischen Musikerinnen immer kämpferisch gewendet und mit sehr glaubhafter Widerstandshaltung gegen (nicht nur amerikanische) Dummheit und Unmenschlichkeit kontrastiert. Besonders lässig sind die von der jungen Gitarristin gerne eingestreuten „Fuck Trump“-Chorusse. Mehr glaubwürdige Attitude habe ich schon lange bei keiner Band mehr erlebt – vielleicht ist das ja das spezifisch Weibliche im Punkrock? Ehrlicher, glaubwürdiger und persönlicher – ohne in Betroffenheitsgefühligkeit abzudriften: Diesen Ladies nehme ich jedes Wort ab und gewinne tatsächlich wieder etwas Hoffnung, dass es in den USA die so wichtigen Kämpfer*innen gegen das Trump-Regime, soziale Kälte, eskalierenden Rassismus und Kriegstreiberei noch oder wieder gibt. Und hierzulande sieht es ja kaum besser aus.

BAD COP BAD COP, WHOREMONES, 02.08.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Die entfesselte Musik setzt diese Haltung kongenial um. Unprätentiös, rau & räudig, enorm kraftvoll, oft auch lustig und extrem spielfreudig: Bad Cop Bad Cop wollen es wahrscheinlich bei jedem Konzert wissen und geben alles. Das lustige Gitarren-Gepose kommt mir wie echter Ausdruck von Leidenschaft vor und nicht wie sonst so oft als inszenierte Bühnenroutine (okay, ein bisschen vielleicht). Das Publikum schwitzt begeistert mit, im Moshpit wird ausgesprochen freundlich gepogt und ich mache mich gut durchweicht, aber glücklich auf den Heimweg. Für ein Punkkonzert war das ein angenehm kathartisches Erlebnis.

Bad Cop Bad Cop

Whoremones

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