JAMIROQUAI, FRANC MOODY, MONOTAPE, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart

JAMIROQUAI, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart | Foto: Reiner Pfisterer
Jamiroquai | Foto: Reiner Pfisterer

Die gerümpfte Nase und hochgezogenen Augenbrauen können beruhigt runtergefahren werden. Jamiroquai sind und bleiben eine der hochwertigsten Pop-Bands dieses Planeten.

Wie die (kurze) Liste der bisherigen Jamiroquai Konzertberichte auf diesem Blog zeigt, gebührt das Erstzuschlagsrecht, wenn es um die Briten geht, mir. Auch schon wieder erschreckend lange 15 Jahre her ist es, als ich Jay Kay das letzte Mal sah. Fukushima, Abwahl Mappus, ein halbwegs funktionierender Bahnhof, keine AfD, solche Zeiten damals. Doch der Reihe nach, schließlich gibt es ein sattes Vorprogramm vor dem Auftritt der Jamirokesen.

MONOTAPE, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart | Foto: Oliver Wendel
Monotape | Foto: Oliver Wendel

Schon um 18 Uhr dürfen auf der sonnenüberfluteten Bühne Monotape aus Konstanz ran. Keine einfache Aufgabe. Große Bühne, noch wenig Publikum, gleißende Sonne in den Augen. Anfängliche Skepsis meinerseits über so regionale Vorbands nach der letztjährigen Erfahrung ist binnen Sekunden verflogen. Gekonnter Retrosoul, bei dem vor allem die Vocals im Mittelpunkt stehen. Leadsängerin Sarah Hoyer hat eine absolut überzeugende Soulstimme, und was mir besonders gefällt, neigt nicht zu anstrengenden, barocken Vocalphrasierungen. Extrem gut arrangiert ist das Zusammenspiel mit dem dreistimmigen Chor. Die Instrumentalisierung darunter ist nicht weniger gut austariert. Da der Sound extrem klar ist, werden auch Fehler gnadenlos hörbar. Die Band macht aber keine. Wirklich toller Auftritt. Die Band spielt am 2. Oktober in Stuttgart in der Kiste. Kann man bedenkenlos empfehlen.

In der Umbaupause spinnen Fotograf Oli und ich an folgender Geschäftsidee: Da die Brezeln im Pressebereich bei den Temperaturen und der trockenen Luft gnadenlos am Austrocknen sind, wäre ein ~ Brezel-Humidor© ~ eine bestimmt lukrative Business-Opportunity. Die Idee ist in der Welt, schwäbische Tüftler*innen schnappt sie euch.

FRANC MOODY, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart | Foto: Oliver Wendel
Franc Moody | Foto: Oliver Wendel

Franc Moody aus UK sind eigentlich ein Duo, betreten aber bei weiterhin bestem Sound um 19 Uhr als Quartett die Bühne. Im Gegensatz zum wohlig-warmen Analogsound Monotapes wird hier 70ies Disco-Soul-Funk-Yacht-Rock mit recht geradlinigen, clubtauglicheren Beats unterlegt. Dabei durchläuft meine Rezeption während des Gigs drei Phasen. Der auf Dancyness getrimmte Sound spricht mich anfangs schnell an, was ja in der Musik auch direkt so angelegt ist. Nach einer Weile empfinde ich den Rhythmus als etwas steril stampfig. Hilfreich ist dabei bestimmt auch nicht, dass die Musik bestimmt in einem kleineren Club besser rüberkommt als auf der immer noch in der prallen Sonne liegenden Riesenbühne.

FRANC MOODY, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart | Foto: Oliver Wendel
Franc Moody | Foto: Oliver Wendel

Phase drei ist die der intellektuellen Selbstüberzeugung. Zeitgleich mit dem Abgleiten der Bühne in den Schatten kommt mir der Gedanke, dass Franc Moodys Rezept sich eigentlich gar nicht groß von Daft Punks Ansatz unterscheidet. Erinnert ein wenig an Dance-Remixes von 70ies Funksongs. Hat bisschen was von Badesalz Trockengebäck-Sketch diese Art Gedankengang, aber den Rest des Auftritts kann ich so sehr gut genießen. Vor allem die Bassistin sticht mit ihren funky Lines heraus, und darf gegen Ende auch eine riesige Kuhglocke discomäßig klongen lassen. Das mittlerweile zahlreiche Publikum feiert die Band zum Finale hin richtig ab.

JAMIROQUAI, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart | Foto: Reiner Pfisterer
Jamiroquai | Foto: Reiner Pfisterer

Nicht nur mein letztes Jamiroquai Konzert liegt Ewigkeiten zurück, auch seit der letzten Platte Automaton sind schon wieder 9 Jahre vergangen. Jünger werden wir alle nicht, man darf gespannt sein, ob sich Jay Kay immer noch so smooth wie im Virtual Insanity Video bewegen wird. Viel wichtiger aber, wie ist er bei Stimme? Aber auch diese Frage wird von einer noch bedeutenderen getoppt: Was für eine Kopfbedeckung wird er tragen?

Ca. 20:50 Uhr, zu den bombastischen Intro von „Don’t Give Hate A Chance“ betritt die vielköpfige Band die Bühne. Keine Bläser sind diesmal dabei, dafür aber zwei Keyboards und drei Backgrundsängerinnen. Jay Kay hat einen violetten Hut auf und scheint bestens bei Stimme zu sein. Kapitel lookism: Er scheint auch wieder an Gewicht verloren zu haben im Vergleich zu vor paar Jahren. Für was immer diese Info gut ist. Schadet bestimmt nicht, wenn er sich in seine Lamborghinis rein- und rausschälen muss.

Beeindruckend ist der hervorragende Sound von Anfang an. Hochwertige Sounds allenthalben mit einem schön prominent im Mix sitzenden Bass-Sound. Essentiell bei Jamiroquai. Ein eventuelles Fehlen einer Bläser-Sektion wird durch die wunderbaren Arrangements mit den drei Backgroundsängerinnen und den Keyboards aufgefangen. Gesonderte Erwähnung Keyboards: Langzeit-Kollaborator Matthew Johnson dürfte der Keyboarder mit den geschmackvollsten Keyboard-Sounds im Pop-Business sein. Zumindest wenn man auf analoge, warme Klänge steht. Unglaublich wie gut und hochwertig das alles klingt.

JAMIROQUAI, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart | Foto: Reiner Pfisterer
Jamiroquai | Foto: Reiner Pfisterer

Die mit 7.300 Personen ausverkaufte Arena ist von Anfang an auf Begeisterung programmiert. Und beweist rhythmische Kompetenz bei den genau gesetzten doppelten Handclaps bei „Little L“. Ein Höhepunkt für mich ist das früh im Set kommende „Space Cowboy“ aus der von mir favorisierten Frühphase der Band. Noch nicht ganz so auf Tanzbarkeit ausgelegt wie die späteren Platten, verbindet der Song trotzdem Groove mit einer sanften harmonischen Eleganz wie man es selten zu hören bekommt. Kein Wunder, dass ebenfalls im wohlklingenden Retrosound badende Bands wie Fitness Forever sich zu Fans von Jay Kays Band zählen.

In einer kurzen Dankesrede an das Publikum für die langjährige Treue erfahren wir, dass ein neues Album aufgenommen wurde und auf seine Veröffentlichung wartet. Darauf wird bestimmt auch „Shadow In The Night“ zu hören sein, das sich nahtlos in die Setlist aus hochwertigen Hits einfügt. Wobei diese Band mit ihrem Können wirklich auch den lausigsten Song zum Klingen und Grooven bringen könnte. Im Chataustausch mit einem italienischen Freund fällt der perfekte Begriff für wie man das MusikerInnen-Ensemble bezeichnen muss: „Gruppo Stratosferico“.

JAMIROQUAI, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart | Foto: Reiner Pfisterer
Jamiroquai | Foto: Reiner Pfisterer

Im Vergleich zum Konzert vor 15 Jahren scheinen Jamiroquai etwas weniger auf die Disco-Tube zu drücken und präsentieren sich wieder variabler in ihrer Musik. Weniger Augenmerk auf die stampfende Bassdrum, größeres Augenmerk auf die feinen Ziselierungen in ihrer Musik. Kann aber auch einfach nur am perfekten Sound heute Abend liegen.

Die „Gruppo Stratosferico“ ist auch auf die spontanen Eingebungen ihres Masterminds gut vorbereitet. „Love Fool“ wird in Kraftwerk-Manier gestartet, und findet dann trotzdem elegant die Abzweigung zum Disco-Beat. Und da wir uns schon im finalen Bereich des Konzerts befinden, wird der Song zum Ende ausgereizt und gedehnt, wie es so Profis halt können. Ein absoluter Triumph, dem selbst das letzte Stück „Virtual Insanity“ nichts mehr draufsetzen kann. Ein epischer Abend. Punkt.

JAMIROQUAI, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart | Foto: Reiner Pfisterer
Jamiroquai | Foto: Reiner Pfisterer

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Ein Gedanke zu „JAMIROQUAI, FRANC MOODY, MONOTAPE, 09.07.2026, JazzOpen, Schlossplatz, Stuttgart

  • 16. Juli 2026 um 16:21 Uhr
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    Super Bericht und tolle Bilder!

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