HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart

HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Kalter Black Metal, warmes JuHa West. Ein ausverkauftes Haus trotzt begeistert den Temperaturen und bekommt im Gegenzug dafür zwei prima Auftritte.

Die Gebäude glühen noch von der historischen Hitzewelle. Man wünscht natürlich den Konzertveranstaltern, gerade wir als Internet-Schundblatt für Livemusik-Reviews, immer vollst mögliche Häuser und ein gutes Auskommen. Und doch muss mein wärmegeschundener Körper kurz schlucken, als Quizmaster Fabian an der Kasse auf das „Sold Out“-Hinweis-Blatt tippt. Viele schwitzende Leiber also, ich bleib mal vorsichtig an der Tür des Konzertsaals stehen, wo schon Blood Torrent aus Stuttgart wüten.

HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Richtig immersiv ist es tatsächlich nicht, bleibt man so einen Meter vor der Schwelle des Konzertsaals stehen, aber es reicht, um festzustellen, dass mir die Musik sehr zusagt. Dunkler Thrash mit punkiger Rohheit, Riffs, die extrem Laune machen. Dass der Vierer das Vermummtsein-Ding bei den Temperaturen durchzieht, zeigt einerseits, dass man es ernst meint, und zweitens von jugendlicher Resistenz. Übrigens schon die zweite Band dieses Jahr, die ich live mit diesen Vermummungen sehen darf. Deutsche Innenminister sind not amused. Sehr guter Auftritt, auch wenn es in diesem Sommer eigentlich keine „Einheizer“ braucht. Hoffe auf ein baldiges Wiedersehen.

HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Die Umbaupause gerät dann lang. Verdächtig lang, denn der Bühnenumbau scheint relativ schnell abgeschlossen zu sein. Zeit, um zu versuchen, ob man durch Gedankenkontrolle das Transpirieren steuern kann. Spoiler: Klappt nicht. Gegen halb Zehn betreten Hulder, die eigentlich die Vision von Frontfrau und gebürtiger Belgierin Marz Osborne sind, die Bühne. Vielleicht ist sie der Grund, dass etwas untypisch für so reinen Black Metal erfreulich viele Frauen da sind. Die anwesenden Konzertcrowd jederlei Geschlechts hat auf jeden Fall großen Grund zur Freude.

HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Denn das ist ein ganz famoser Auftritt. Der Sound ist für diese Art von Extreme Metal sehr gut ausgesteuert. Die wütenden Blast-Beat-Passagen gehen so nicht in einem Brei unter und man kann fein Drums, zwei Gitarren, Bass, Lead- und Backing-Vocals hören. Die präzise Spielweise der Akteure trägt natürlich auch ihren Teil dazu bei. Wie immer bei so Metal ist es ein großes Fest für die Ohren (und wahrscheinlich auch für die Augen, wenn man ihn denn sieht), dem actionreichen Geklöppel des Schlagzeugers beizuwohnen.

HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Hulder gehen aber erfreulich oft runter von dem hohen Tempo, und diese schleppenderen, oft an Bathory erinnernden Parts, verströmen eine große Epik. Überhaupt ist so frostiger Black Metal eigentlich als Antidot gar nicht so verkehrt bei den mittlerweile saunaähnlichen Zuständen. Die sehr langen Haaren von Frau Osborne und des Bassisten fächeln den Zuschauern beim Bangen und Propellern zusätzlich bestimmt schön viel Luft zu. Keine Ansagen unterstreichen die unnahbare, kalte Atmosphäre, welche die Musik erschaffen soll.

HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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So unnahbar ist es aber nicht, denn die Musik packt einen ganz schön. Auch die mir unvertrauten, neueren Songs zum Einstieg wie „A Beacon From Darkness“ und „View From Nemeton“ brauchen keine Anlaufzeit, um gemocht zu werden. Hulder erfinden dabei nix Neues, und auch bleiben sie von moderneren Strömungen, deren Genrenamen die Bezeichnungen „Gaze“, „Core“ oder „Post“ führen, fern. Der Mix aus oldschooligen Black Metal, mit etwas Bathroy aus ihrer „Blood, Fire, Death“-Phase wird so frisch interpretiert und mit überzeugendem Songwriting kombiniert, dass es nur so eine Art hat.

HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Bei Black Metal sollte man ja auch immer einen Blick darauf haben, ob die Protagonisten vor lauter Nihilismus nicht aus Versehen oder bewusst Fascho-Blödsinn erzählen, aber da muss man sich hier, auch uninformiert, keine Sorgen machen. Wer im JuHa West und davor schon im P8 in Karlsruhe aufgetreten ist, hat eine saubere Weste diesbezüglich. Diesen Bookern können Sie vertrauen.

HULDER, BLOOD TORRENT, 08.07.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Nach knapp einer Stunde ist das herausragende Konzert ans Ende gelangt. Man könnte Hulder tatsächlich noch länger zuhören, so gut ist ihr Material, so gut die ist die Performance. Aber bei den Temperaturen heute, wollen wir es mal gut sein lassen.

Hulder

Blood Torrent

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