UNCLE ACID & THE DEADBEATS, DIRTY SOUND MAGNET, 26.06.2026, Im Wizemann, Stuttgart

Die neuen, klimatischen Umstände wollen es, dass wenn man die Anreise im Glutofen namens „Deutscher Sommer“ überlebt, man im Zustand „schön kross“ im Im Wizemann ankommt. Mittlerweile ist die Hitze so stark, dass man denkt „immerhin kein Open Air“. Und tatsächlich ist es drinnen, wenn auch in der kleineren und der niedrigeren der zwei Hallen, temperaturmäßig ok. Die Vorzeichen den Abend zu überleben, stehen also gar nicht schlecht.
Die Aufgabe, den Saal mit Transpirations-Feuchtigkeit anzureichern, haben als erstes die Schweizer Dirty Sound Magnet. Der Bandname lief mir schon öfters über den Weg, und die vielen T-Shirts im Publikum zeigen, dass sich die Band in Stuttgart schon einige Fans erspielt hat.
Rock mit einem ordentlichen Retro-Gusto und bluesiger Verwurzelung höre ich für mich heraus. Der Sound ist sehr gut abgemischt, und so hört man wie das Trio einerseits lebendig-dynamisch seine Musik präsentiert, als auch bombenfest aufeinander eingespielt ist. Das eher straighte Grundkorsett des Bandsounds wird manchmal durchaus erweitert. Bei einem Stück wird’s sogar angenehm spacerockig. So ganz meine Tasse Tee ist es auf Dauer nicht – mag auch tatsächlich an der tagelangen Wärmebelastung liegen, welche die Lust auf Musik merklich gedrückt hat – aber bei einem ihrer nächsten Auftritte, würde ich durchaus gerne nochmal vorbeischauen.

Ein lustiger Aspekt am Älterwerden sind die ständigen Nachkalibrierungen von Begriffen wie „neu“ oder „alt“. Uncle Acid & The Dead Beats firmieren in meinem Kopf unter „neue Band“ und „gerade erst kennengelernt“. Heißt in Zahlen: 2013 auf dem Black Sabbath Konzert in Frankfurt als Vorband. 13 Jahre her, als Stuttgart sich noch in den klimatisch gemäßigten Mittelbreiten befand.
Ganz up to Date bin ich nicht was das Schaffen der Band angeht. „Mind Control“ steht im Plattenschrank, aber wie klingt die Band mittlerweile? Ganz ausgezeichnet darf man nach dem Opener feststellen. „Mt. Abraxas“ stampft wie ein sehr schwerer Saurier mit seinen doomigen Riffs erst mal alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Kevin Starrs Stimme klingt zwar nicht wie die von Ozzy, hat aber die Gemeinsamkeit, dass sie mit ihrer hohen Tonlage gut durch den Riff-Morast schneidet.

Für mich ganz neu ist die Keyboarderin Rachel Burnett. Etwas unauffällig am Bühnenrand platziert, ist es ihre zweite Stimme, die der Musik von UA&TDB eine ganz eigene Note verleiht. Eine immer leicht sinistre, mystische Note. Der Doom Rock der Engländer ist aber durchaus auch etwas für Leute, die Melodien mögen, wie sie psychedelischer Pop in den 60ern aufwies.
Auch sonst hat die Musik weitere Merkmale, welche die Band aus dem Sumpf des Stoner- und Doom-Rock herausstechen lassen. Ab und an werden zweistimmige Gitarrenläufe gespielt, Rachel bedient auch das Saxophon (bei „Withered Hand Of Evil“?). Ein Song treibt den 60er-Sound sogar so weit, dass er leichte Surf-Anleihen hat.

Bei einem Temperatur-Feuchtigkeits-Gemisch, in dem problemlos erfolgreich Algen gezüchtet werden können, ist das Publikum weder ermattend noch erschlagen, sondern extrem begeistert. Die Mischung aus exzellenten Riffs und Melodien, die hängenbleiben, ist ziemlich unwiderstehlich. Eine Setlist, die mich am Ende dazu bringen wird, mein Uncle Acid Platten-Portfolio erweitern zu müssen. Und ein Abend, der zeigt, dass in bestimmten Hallen unter bestimmten Bedingungen, auch bei 40 Grad Konzerte noch möglich sind.

Der Song mit dem Saxophon hieß „Bedouin“ :)