ALKALINE TRIO, ANTHONY GREEN, 28.06.2026, Im Wizemann, Stuttgart

Die Hitze wie auch ein äußerst schlechter Mix trüben den Auftritt des Alkaline Trio im Wizemann. Die Fans machen das Beste draus und feiern 30 Jahre Bandgeschichte.
Es ist wirklich merkwürdig: Beim Support Anthony Green ist der Mix noch gut. Der Sänger und Gitarrist singt die poppigen Songs in hoher Stimmlage und die Band gibt sich Mühe, die rund fünf- bis sechshundert Gäste trotz der warmen Temperaturen drinnen und draußen zu begeistern. Ein Teil der hinteren Halle ist wegen der für die Location etwas geringen Zuschauerzahl abgehängt.

Nach einer Umbaupause kommen ca. eine halbe Stunde später die Headliner von Alkaline Trio auf die Bühne und eröffnen ihren Auftritt mit dem Klassiker „Private Eye“. Bandgründer Matt Skiba an der Gitarre und Dan Andriono am Bass haben die Band erfolgreich durch die Jahrzehnte geführt. Neu am Schlagzeug ist seit diesem Jahr Tosh Peterson, der u.a. auch bei Lady Gaga und Fallout Boy live am Start ist. Er prügelt regelrecht den ganzen Abend auf sein Instrument ein und liefert mit nacktem Oberkörper eine sportliche Show ab. Leider wird sein Spiel das einzig verständliche an dem Abend sein.
Gesang, Gitarre und Bass gehen im Mix völlig unter. Nach drei Liedern beschweren sich die ersten Menschen im Publikum lautstark bei der Band: „The sound is shit“ und „We can’t hear you“ sind zu vernehmen. Ein bisschen besser wird es danach tatsächlich, die Gitarre ist nun zumindest in den Song-Intros zu vernehmen.
Ich stehe zu dem Zeitpunkt gerade an der Ton- und Lichttechnik, habe aber den Eindruck, dass der Mischer nicht wirklich viel unternehmen möchte. Auf anderen Konzerten sah ich entsprechende Kollegen in solchen Situationen aktiv durch die Halle gehen, um zu schauen, wieviel an anderen Stellen zu verstehen ist und gegebenenfalls nachzubessern. Heute ist diesbezüglich Fehlanzeige.

Die Band gibt ihr Bestes, jedoch sind selbst die Ansagen (insbesondere von Bassist Dan) nur schwer zu verstehen. Insgesamt wirkt an diesem Abend vieles so, als würde jemand auf der Bremse stehen: Klar, die Fans singen trotz der Hitze bei Klassikern wie „Cringe“ oder „Bleeding Out“ lautstark mit, bewegen wollen sich aber nur wenige. Die meisten wippen eher mit dem Kopf mit, in den ersten Reihen springen einige Hartgesottene auf und ab. Im wilden Pogokessel droht heute niemand unterzugehen. Wer möchte, kann auch links und rechts an den Seiten leicht bis zur Bühne vorgehen.
Die Band aus Chicago zieht routiniert ihr Programm durch und beendet ohne das Zugabe-Spiel nach rund 90 Minuten ihre Show traditionell mit „Radio“. Der Mix ist bei vielen Fans auch noch danach Gesprächsthema. Man ist aber froh, die Band überhaupt in Stuttgart gesehen zu haben. Mir persönlich tut es für das Alkaline Trio leid, dass die Show unter solch ungünstigen Umständen stattfinden musste. Ich hoffe, dass es auf der restlichen Europa-Tour besser läuft.


Zur Einordnung, weil dieser Aspekt überhaupt nicht benannt wird: Im Gegensatz zur Vorband hat das Alkaline Trio digital bzw. ohne Gitarren- und Bass-Amps gespielt. Vermutlich der wenige Tage alten Beinverletzung (samt Schwierigkeiten, Pedale zu drücken) von Matt Skibba geschuldet. Hieraus ergeben sich diverse Herausforderungen für den Mix, was für die Personen vor Ort vermutlich ungewohnt/herausfordernd war.