QUEENSRŸCHE, RIVERS OF NIHIL, 17.06.2026, Batschkapp, Frankfurt

QUEENSRŸCHE, RIVERS OF NIHIL, 17.06.2026, Batschkapp, Frankfurt | Foto: Claus Kullak
Queensrÿche | Foto: Claus Kullak

Wenn man mitten in der Arbeitswoche nach Frankfurt zu einem Gig fährt, dann ist klar: Es muss etwas Besonderes sein. Queensrÿche sind etwas Besonderes, und unterstreichen das auch weiterhin in ihrem Karriere-Spätsommer.

Queensrÿches Karriere ist eine hochinteressante. Auf ihren ersten Alben strotzten sie nur so vor innovationskraft, trieben den Heavy Metal mit ihren vielen Ideen Richtung Progressive Metal. Progressive im Sinne von tatsächlichem Fortschritt, und nicht im Sinne von auf höchste Komplexität ausgelegte Musik. Die Stimme Geoff Tates war eine Blaupause für viele Metal-Sänger. Anfang der 90er gab es mit „Silent Lucidity“ sogar einen veritablen Single-Hit. Nach dem so gelungenen wie düster-melancholischen 94er-Album „Promised Land“ aber kam eine lange Phase mit höchst durchwachsenem Output. Orientierungslosigkeit, keine guten Songs mehr, am Ende eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Geoff Tate und dem Rest der Band, wer den Namen Queensrÿche weiterführen darf. Dem Rest der Band gelang in dieser Situation ein absoluter Glücksgriff: Sie fanden Todd La Torre als neuen Sänger. Unser erster Bericht von 2013 rührt aus einem Jahr, in dem zwei Bands namens Queensrÿche ein Album herausbrachten. Erst danach war klar, dass Geoff Tate sich einen neuen Bandnamen suchen musste. Um den Historie-Teil noch abzuschließen: Seitdem Todd La Torre in der Band ist, machen Queensrÿche wieder hochanständige Alben im Stile ihrer besten Phase, ohne dabei irgendwie altmodisch zu klingen. Vorreiter sind sie allerdings nicht mehr, aber welche Band ist das schon ihr Leben lang?

QUEENSRŸCHE, RIVERS OF NIHIL, 17.06.2026, Batschkapp, Frankfurt | Foto: Claus Kullak
Rivers of Nihil | Foto: Claus Kullak

Es ist Tag 1 der Hitzewelle, einige Konzertbesucher*innen wollen bei der Vorband noch draußen verweilen. Sie verpassen dabei durchaus Erfreuliches. Einerseits ganz erträgliche Temperaturen, denn die Batschkapp scheint über eine Klimaanlage zu verfügen. Anderseits, der Support Rivers Of Nihil macht gut hörbaren Prog-Metal, der bei den gegrowlten und gedjenten Parts durchaus auch als Death Metal bezeichnet werden kann. Dass Pink Floyd artige Parts dazu nicht im Widerspruch stehen, wissen wir allerspätestens seit Blood Incantation, die ja mühelos kosmischen Krautrock mit Death Metal vermengen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

QUEENSRŸCHE, RIVERS OF NIHIL, 17.06.2026, Batschkapp, Frankfurt | Foto: Claus Kullak
Rivers of Nihil | Foto: Claus Kullak

Den Gesang teilen sich der Bassist und einer der beiden Gitarristen. Es gibt Parts in denen sie wunderschöne Harmonien zusammen singen, dann wiederum Soloparts. Auffällig ist die hohe Stimme des Gitarristen, der nur klar singt. Für das derbe Gegrowle darf der Bassmann ran. So weit, so einigermaßen noch im Rahmen. Wirklich ungewöhnlich ist der recht häufige Einsatz eines Saxophonisten. Und zwar nicht als spleeniges Gimmick, sondern als integraler Bestandteil klar definierter, melodischer Songparts und Solis. Sehr bemerkenswert. Ich kann mir gut vorstellen, dass Extreme-Metal verachtende Fans des Hauptacts nach diesen musikalisch hochwertigen 40 Minuten auf den Geschmack gekommen sein könnten. Absolut erwähnenswert ist noch die sehr gute Soundabmischung. Bei alldem was musikalisch so passiert kann man so jede Nuance goutieren. Für einen klassischen Support eigentlich viel zu gut die Band.

QUEENSRŸCHE, RIVERS OF NIHIL, 17.06.2026, Batschkapp, Frankfurt | Foto: Claus Kullak
Queensrÿche | Foto: Claus Kullak

Queensrÿche sehe ich nun nach etwas über einem Jahr wieder. Im Februar 2025 machten sie auch in Karlsruhe Halt, um wie auf der gesamten Tournee die Debüt EP „Queen Of The Reich“ und das Debüt Album „The Warning“. Es war ein fantastisches Konzert, das lange nachhallte. Das letzte neue Album „Digital Noise Alliance“ liegt nun auch schon wieder vier Jahre zurück. Aber wie die Band in Interviews auch freimütig zugibt: Auf Konzerten wollen die Leute hauptsächlich die Klassiker hören. Und die Setlist heute Abend wird das widerspiegeln.

Wie letztes Jahr und 2013 eröffnet „Queen Of The Reich“ den Abend. War vor 13 Jahren der sich in schwindelerregende Höhen hochwindende Anfangsschrei für die Fans das deutliche Zeichen „der Neue kann’s!“, so heißt es heute für uns „Todd kann es immer noch!“. Das ganze Konzert über werden wir eine beeindruckende Gesangsleistung von ihm bewundern können. Von jemanden, der von sich sagt, dass er in erster Linie eigentlich ein Drummer ist, nicht so schlecht. Hauptberuf Drummer, im Nebenerwerb einer der weltbesten Metal-Sänger.

QUEENSRŸCHE, RIVERS OF NIHIL, 17.06.2026, Batschkapp, Frankfurt | Foto: Claus Kullak
Queensrÿche | Foto: Claus Kullak

Die Songauswahl ist gespickt mit vielen Hits und Crowd-Pleasern, hält aber auch erfreuliche Deep Cuts bereit. Letztere stammen hauptsächlich aus dem 86er-Meisterwerk „Rage For Order“, das völlig zu Unrecht im Schatten von „Operation Mindcrime“ steht. „Walk In The Shadwos“ haben sie schon vor 13 Jahren gespielt, aber dass ich in die Gelegenheit komme „London“ und „Neue Regel“ live zu hören, überrascht und erfreut mich. Mehr Publikumsresonanz erzielen natürlich trotzdem Hits wie „I Don’t Believe In Love“ oder „Jet City Woman“. Was sich aber auch schon letztes Jahr als die absolute Live-Bombe herausstellt ist „Warning„.

Wie beim Support ist der Sound weiterhin sehr gut. Die musikalischen Gitarrensoli von Mike Stone und Urgestein Michael Wilton sind klar und sauber zu hören. Und erst live fällt mir auf, wie viele zweistimmige Gitarrenläufe die Band in ihren Songs verbaut hat. Queensrÿche gehen auch nicht den leichten Weg, dass sie Songs auswählen, die leicht zu singen wären. Weder für Todd, noch für hauptsächlich dem Bassisten Eddie Jackson, der die zweiten Stimmen singt. Was auffällt ist der starke Einsatz von Keyboardsounds, wie man sie von den Platten kennt. Da nirgendwo ein Keyboard-Mensch zu sehen ist, kommen diese wohl vom „Band“. Kann man so mit leben, da es aber so viele und so wichtige Parts sind, könnte man sich auch eine Tastenfrau oder -mann vorstellen. Im Metal mag’s man doch gerne true, mit Leuten die „in echt“ was spielen.

QUEENSRŸCHE, RIVERS OF NIHIL, 17.06.2026, Batschkapp, Frankfurt | Foto: Claus Kullak
Queensrÿche | Foto: Claus Kullak

Als einziger nach 1990 entstandener Song darf „Behind The Walls“ in die Setlist. Hätte man soviel Historie und alte Erinnerungen mit dem Song wie mit dem Rest, würde man wahrscheinlich feststellen: Das ist keinen Deut schlechter als das klassischen Material. Das folgt danach mit den abgefeierten „Take Hold Of The Flame“ und „Jet City Woman“. Ungewöhnlich ist dann wiederum aber der Abschluss des Hauptsets: „Screaming In Digital“ ist ein so dramatisches wie wunderbares Stück, gleichzeitig aber auch recht sperrig, was auch an dieser Stelle zeigt, dass die Band es sich und den Fans es nicht zu leicht machen möchte. Großartig!

Der Zugabenteil bleibt dann Songs aus ihren beiden bekanntesten Alben vorbehalten. „Anarchy-X“, „Revolution Calling“ und der finale Song „Eyes Of A Stranger“ können nur schwer in einem Queensrÿche-Konzert fehlen. Am stärksten feiere ich trotzdem „Empire„. Es wird zwar jedes Mal gespielt, aber auch völlig zurecht. Auch das dritte Wiedersehen mit den Seattlern nach der Trennung von Geoff Tate war ein Fest.

QUEENSRŸCHE, RIVERS OF NIHIL, 17.06.2026, Batschkapp, Frankfurt | Foto: Claus Kullak
Queensrÿche | Foto: Claus Kullak

Queensrÿche

Rivers of Nihil

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