EYEHATEGOD, 17.06.2026, Juha West, Stuttgart

EYEHATEGOD, 17.06.2026, Juha West, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Ich habe noch eine ziemlich genaue Erinnerung, wann mir die US-Amerikaner aus New Orleans zum ersten Mal begegnet sind, in Form von Band-Merch. Ein älterer Metall-Freund auf der Schule kam in den frühen 90ern mit einem Eyehategod-Shirt an. Der Name muss mich zu der Annahme geführt haben, dass es sich um eine weitere Death-Metal-Band handelt, da Gott und Jesus hassen bei den Bands und deren loyalen Anhängern sehr beliebt war. Ich war zu dieser Zeit noch etwas vorsichtiger. Die Ministranten-Zeit lag noch nicht lange zurück, und ich stand diesem Kreuzeumdrehen und Satanhuldigen skeptisch gegenüber. Mit kleinen Kreuzen von Grabsteinen auf dem Friedhof der Kleinstadt abhebeln, diese von befreundeten Drehern oder Werkzeugmachern durchbohren lassen, und anschließend als Schmuck zu tragen, hatte ich nichts zu tun – möchte ich an dieser Stelle mal klarstellen. EHG waren zwar besonders damals mit Sicherheit nihilistischer und kaputter als die meisten Death-Metal-Bands der Stunde, aber dass sie in dieses Lager musikalisch nicht passten war mir klar, seit ich „Take as needed for pain“ gehört hatte. File under „Doom“ wie die ebenfalls aus New Orleans stammenden Crowbar oder Soilent Green.

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Über EHG und insbesondere den Sänger Mike IX Williams (die 9 hat nach eigener Aussage so viel Bedeutung wie bei Nikki Sixx die 6 – keine) war mir schon ewig bekannt, dass es viele gesundheitliche und strafrechtliche Probleme gab. Jedes Mal, wenn ich ihn aktuell irgendwo im Netz gesehen habe, oder ich Tourdaten von EHG gesehen habe, hat er mir einen Jack-Nicholson-Moment beschert – kurz überlegt „lebt er echt immer noch?“ – kurze Recherche, siehe da, noch unter den Lebenden. Er hat einiges durchgemacht, Drogensucht, Obdachlosigkeit, Gefängnisaufenthalte, Lebertransplantation – ein Junkie-Leben. Die Musik ist der passende Soundtrack dazu, richtig übel, richtig schmerzhaft.

Es gab keine Veröffentlichungen zwischen 2000 und 2014. Das Comeback-Album habe ich mitbekommen, und insbesondere dieses lässt mich bis heute wundern, warum EHG immer noch häufig in kleinen Clubs spielen, häufig als Vorband, warum sie es nicht geschafft haben, die größeren Hallen zu füllen. „EHG s/t“ von 2014 ist ein grandioses Sludge/Doom-Album, bei dem einfach von hinten bis vorne alles richtig gemacht wurde, auch sehr gelungenes Artwork. Vernachlässigbarer ist das bis heute letzte Album von 2021 „A History Of Nomadic Behaviour“.

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Auf der Bühne heute steht nur noch ein Gründungsmitglied der Band, die vor der Umbenennung in EHG „Snuffleupagus on Acid“ hieß – Jimmy Bower, Gitarrist. Ich sehe ihn vor der Show vor dem JH West rauchend und Bierdosen leerend stehen, und sich mit Fans unterhalten. Er kommt ziemlich sympathisch rüber.

Los geht es im ausverkauften JH West, let the Sludgefest begin.

Sänger Mike Williams – zwar kein Gründungsmitglied, aber auch schon seit den 80ern Frontmann der Band – hat einen ikonischen Look. Die Mähne geteilt in zwei Farben, der ausgemergelte Körper und seine eigene Art am Mikro zu performen hat was. Der Sound ist brachial und sehr gut abgemischt, IMHO. Ich stehe direkt vor Jimmy Bower und sehe, dass ich keinen Gehörschutz bei ihm sehe, dafür aber eine Gitarre, die im Hals das EHG-Logo eingearbeitet hat. Beeindruckend. Es ist wirklich sehr laut. Die Band spielt mit nur einer Gitarre und einem Bass, aber Druck for days.

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Setlist gibt es keine, und ich höre Mike wahrscheinlich auf Nachfrage sagen „We don’t do setlists“. Bei gerade mal sechs Alben seit 1990 scheinen sie sich irgendwie zu bedienen. Da die Lieder häufig einen ähnlichen Vibe haben, getragen von einem Iommi-mäßigen Riff , und kaum Ansagen kommen, ist es für mich echt schwer diese zu erkennen. Es kommen mit Sicherheit einige von „Dopesick“ 1996, und vom oben erwähnten sehr zu empfehlenden „s/t“ kommt der Opener „Agitation! Propaganda!“. Das Publikum geht von Anfang an gut mit, und da immer wieder Hardcore-Elemente durchschimmern, ist auch regelmäßig Bewegung in der Bude. Bower holt im Laufe der Show einen Nachwuchs-Doomer auf die Bühne, der sich die Show hautnah anschauen darf. Sehr nett finde ich das.

Ich höre um mich rum, dass es ungewöhnlich sei, dass wir mit einer Zugabe, die aber auch energisch gefordert wird, bedacht werden.

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Hits for the kids, ich erkenne tatsächlich wieder ein Lied, DER Hit von „Dopesick“ namens „Dixie Whiskey“, der zwar nur die Andeutung eines Feedback-Intros hat, anders als viele andere Lieder, aber ansonsten die klassischen Elemente von EHG vereint. Das Sabbath-Riff, die dahingerotzten Lyrics, einfach nur cool.

Rückblickend ist das JH West doch genau die richtige Location gewesen. Auf Tuchfühlung mit der Band, voll auf die Fresse, die Hitze hat das Spektakel noch erdrückender gemacht. War richtig gut, auch wenn mir, wie so häufig Hits gefehlt haben. Wer die Band noch nicht kennt, auf die Vorstellung von Feedback-Intros und Black Flag meets Black Sabbath steht, sollte EHG eine Chance geben.

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Eyehategod

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