DEAD FINKS, 18.06.2026, Manufaktur, Schorndorf

Die großartigen Dead Finks und die widrigen Umstände des Künstler-Seins.
Das neuseeländische Duo Joseph Thomas und Erin Violet veröffentlichte 2020 sein Debütalbum „Dead Fink Era“, lebt zwischenzeitlich in Berlin und hat dieses Jahr seinen bereits vierten Longplayer „New Plastik Abyss“ veröffentlicht. Für mich eine der spannendsten Veröffentlichungen des Jahres. Nicht gerade gering sind daher meine Erwartungen an das heutige Konzert der zwischenzeitlich zum Quartett angewachsenen Band.

Leider ist die Manufaktur nur sehr spärlich besucht, als Dead Finks hochenergetisch mit harten Riffs ihr Set beginnen. Thomas’ kehlig rauer Gesang, den er mit Harmonien zu kombinieren weiß, verströmt eine unbändige punkige Energie, die nicht nur bezüglich Lautstärke an My Bloody Valentine erinnert. Auch die noisigen, akustisch schwer zu durchdringenden Klangschichtungen, lassen an die Großmeister des Shoegaze denken.
Dieser Sound packt mich sofort, dieses ganz eigene Amalgam, dessen Schönheit in der Dissonanz verwurzelt ist. Die Musik transportiert eine flirrende Stimmung aus urbaner Tristesse, existenziellen Krisen und einer nicht unterzukriegenden Resilienz. Stark, dass Dead Finks nicht aktivistisch und parolenhaft klingen, sondern durch Kunstfertigkeit zu überzeugen wissen. Die fesselnde Kraft der Performance liegt in der Kunst. Die Musiker*innen sind mit ihrer Spielart des Postpunk ganz in der Gegenwart und liefern keinen tausendsten Aufguss von bereits Gehörtem. Das ist Kunstmusik, bestehend aus hypermelodischen Elementen, aggressiven Gitarrenpatterns und einer hervorragenden Rhythmusarbeit. Kunstmusik, die fordernd, aber nie „gewollt“ ist, die mich in ihrem Selbstverständnis an Sonic Youth erinnert.

Joseph Thomas muss seine Gitarre zweimal nachstimmen, da ihm zwei Saiten gerissen sind, was bei einem solch energiegeladenen Konzert durchaus vorkommen kann, während er mit launiger Kommunikation die Wartezeit zu überbrücken versucht. Bedauerlicherweise kommt bei einem so kleinen Publikum nicht sehr viel zurück, was eine etwas eigentümlich angespannte Atmosphäre entstehen lässt.
Nach vierzig Minuten ist das Konzert, das mich musikalisch absolut überzeugt hat, leider schon zu Ende. Enttäuschend war für mich nur, dass nicht mehr Besucher*innen da waren. Kommt doch so kaum Stimmung auf, da kann die Band noch so gut sein. Livemusik ist nun mal ein gemeinschaftliches Erlebnis, das nicht nur von den Qualitäten der Musiker*innen lebt, sondern auch von der Kommunikation zwischen Band und Crowd.

Davon abgesehen tun mir auch die Künstler*innen leid, die sich ja zwangsläufig fragen, weshalb so wenig Zuhörer*innen da sind. Das ist frustrierend und kann am Selbstwertgefühl kratzen. Mein Appell daher: Auch auf Konzerte gehen, wenn man die Band nicht so gut kennt, und offen sein für musikalische Entdeckungen. Im Falle Dead Finks, einer Band mit einem so überragenden Album im Gepäck, hätte sich das gelohnt. Beim nächsten Mal unbedingt anschauen!
