GRACE IVES, 13.06.2026, About Pop Club Festival, Park der Villa Berg, Stuttgart

GRACE IVES, 13.06.2026, About Pop Club Festival, Park der Villa Berg, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Grace Ives im Park der Villa Berg, nachdem sie am Tag zuvor noch in der Hauptstadt spielte. Der Fotograf freut sich über etwas Berlin in der Stuttgarter Luft, vermisst einen Autor und greift kurzerhand selbst zur Feder.

Meinen schreibenden Gig-Blog-Kollegen Joe sah ich mit dem Fahrrad davonfahren und dachte mir eigentlich nicht viel dabei. Entsprechend musst Du jetzt damit leben, dass ich nicht nur die Fotos, sondern auch ein paar (hoffentlich spannende) Gedanken dazu liefere.

Fangen wir vorne an: Warum stand ich dort eigentlich in der prallen Sonne am Rande der Villa Berg (von der ich bereits extrem oft gehört, mir aber eigentlich nie eine Vorstellung gemacht hatte), die einmal die Residenz des Königs und der Königin war (wie ich bei Wikipedia herausfand, während ich zwischen den Acts kurz in den Schatten ging) und die heute eigentlich ziemlich verfällt? Beinahe fühlte ich mich auch ein bisschen wie in Berlin, wo ich 9,5 Jahre lebte – und wo ich heute sagen würde, dass, wenn ich das Gefühl in Stuttgart habe, es vermutlich eine Ansammlung von spannenden Menschen ist. Wobei ich dazu direkt einschieben muss, dass ich beim gesamten About Pop das Gefühl hatte, ein bisschen Berlin in der schwäbischen Heimat zu verspüren. Vielleicht lohnt es sich, diesen Gedanken noch einmal in Gesprächen zu vertiefen, irgendwie fehlt mir Berlin in meinem Alltag …

GRACE IVES, 13.06.2026, About Pop Club Festival, Park der Villa Berg, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Witzigerweise hatte Grace Ives (unterstützt durch Mikee Colet an den Drums und John Diebold am Keyboard) am Tag zuvor in Berlin im ausverkauften Frannz Club gespielt, nachdem das Konzert aus der Kantine am (ja dem) Berghain hochverlegt wurde. Das letzte Konzert, an das ich mich bewusst in der Kantine am Berghain erinnere, war übrigens Björk, was jetzt vermutlich mehr darüber aussagt, wie ich mir Dinge merke, als über irgendeine Ähnlichkeit der Musik.

Zwei Dinge, die sich mir schlichtweg aufgedrängt haben: Einerseits hat es mir sehr große Freude gemacht Grace Ives zuzuschauen. Eine „Stage“, die aufs Minimum reduziert war: Teppiche auf dem Gras, Mikros, Lautsprecher, Publikum (weniger als üblicherweise bei ihren Gigs). All das sorgte für keinen Abbruch in ihrer Performance. Und so schaffte sie es von Moment eins an, die anwesenden Menschen für sich zu gewinnen.

GRACE IVES, 13.06.2026, About Pop Club Festival, Park der Villa Berg, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Die Individualität ihrer Musik, ihre Kreativität, übersetzt sich auch wunderbar ins Live-Set. Ihr Produzent Ariel Rechtshaid sagte in einem Interview „a classic super talent“. Dem möchte ich mich vollumfänglich anschließen.

Wer weiß, vielleicht war dies eine der letzten Möglichkeiten, Grace Ives vor dem Sprung in die nächste Liga zu sehen. Entsprechend froh bin ich, dass ich durch großes Glück mit dabei sein durfte.

GRACE IVES, 13.06.2026, About Pop Club Festival, Park der Villa Berg, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Inzwischen erinnere ich mich auch wieder an den Grund, weshalb ich sie unbedingt sehen wollte: Das Lied „Fire 2“ ihres aktuellen Albums zog mich beim ersten Hören derartig in seinen Bann, dass ich unbedingt herausfinden wollte, wer die Musikerin hinter dieser kreativen Leistung und gesanglichen Darbietung ist.

Wer weiß, vielleicht habe ich ja irgendwann noch einmal die Chance, Grace Ives zu fotografieren, wenn sie wieder alle mit ihrer Musik und ihrer Präsenz fasziniert – egal ob Stadion, Halle oder Club. Und falls ich sie sprechen sollte, wer weiß, vielleicht erinnert sie sich dann ja auch an dieses Konzert neben der Königsresidenz in Stuttgart zurück: an ihr Set, barfuß im Gras, ca. 100 Leute, knallige Sonne und ein bisschen Berlin in der Stuttgarter Luft.

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