MONDO SANGUE, 06.06.2026, Schlampazius, Stuttgart

Wenn Mondo Sangue, das ebenso nerdige wie liebenswerte Duo, etwas genauso gut kann, wie Soundtracks zu fiktiven Genre-Filmen machen und prominente Gaststars rekrutieren, dann ist es, mal so richtig Wind zu machen. Und wenn dann das 10-jährige Jubiläum des Liebhaber-Projekts ansteht, dann brummt Social Media noch mehr und die lokale Mund-zu-Mund-Propaganda ist nicht zu überhören. Gleich zwei Events werden zur Feier des Jahrestages angesetzt und beide sind allerbestens besucht. Das sind wir natürlich gleich bei beiden vor Ort.

Am Freitag wird bei Ratzer Records & Beer – das sich immer mehr zu deinem Popkultur-Hotspot entwickelt – der Release des nagelneuen Albums „Remake“ mit einer Listening-Session gefeiert und am Samstag wird mit einer Tombola, einem Konzert und Star-DJs noch eine Schippe draufgelegt. Moment, ein Konzert? Ist Mondo Sangue nicht ein reines Studio-Projekt, von dem man dachte, dass es niemals live zu sehen sein würde? Von wegen! Yvy Pop und Christian Bluthard wagen sich erstmals zu einem kompletten Gig auf die Bühne und schicken sich an, live einen Querschnitt durch ihr Œuvre einer ganzen Dekade zu präsentieren. Halb Stuttgart hat sich eingefunden, um dieser Premiere beizuwohnen. Witzig übrigens, im Publikum den einen oder die andere Laien-Schauspielerin aus den kultigen Mondo-Sangue-DIY-Videos zu entdecken.

Die Schlampazius-Bühne, auf der sich sonst meist Punkbands die Ehre geben, ist mittig geteilt. In der rechten Hälfte warten die Plattenkünstler DJ Friction und Arne auf ihren Einsatz, während links zwei imposante Elektronik- und Keyboard-Ständer aufgebaut sind, über denen auf einer runden Projektionsfläche jeweils passende Loops aus Mondo-Sangue-Videos und Vintage-Filmen präsentiert werden. Die Spannung ist mit Händen zu greifen: Kann das gut gehen oder nimmt der Nimbus von Mondo Sangue heute Schaden?

Und schon der erste Song „Sorella Gemella“ gibt Entwarnung. Bluthard zaubert aus diversen Keyboards den typischen Mondo-Sound. Wieviel dabei aus der Retorte zugespielt wird, ist nicht zu erkennen. Auf jeden Fall funktioniert es bestens. Und auch Yvy Pops Gesang findet – wenn auch am Anfang die Aufregung etwas zu hören ist – schnell zu seinem von den Alben bekannten Wohlklang.

Dass sich die zwei dabei nicht allzu ernst nehmen, ist an den ironischen Ansagen zu erkennen und Bluthard, der seine stimmlichen Fähigkeiten extra runterspielt, übernimmt auch nur einmal den Gesangspart eines der vielen Duett-Partner von Yvy Pop. Und zwar keinen der sonoren Rauner vom Format eines Bela B., Rocko Schamoni, Dirk von Lowtzow oder Eric Pfeil, sondern den von Andreas Dorau in „Zero Gravity Love“. Und siehe da, hier übertrifft er sogar fast das Original!

Zweimal wird Stuttgarts omnipräsenter Querflötist Alex Mink mit auf die Bühne gebeten, der noch etwas mehr Vintage-Sound beisteuert. Die Premiere geht unfallfrei und frenetisch umjubelt über die Bühne, zwei Zugaben gibt es auch noch. Und ein spontanes Happy-Birthday-Ständchen vom Publikum noch obendrauf. Es wäre doch sehr verwunderlich, wenn dieses höchst unterhaltsame Event nicht bald eine Wiederholung erfahren würde.
By the way, sind beim Klinke-Festival eigentlich schon alle Slots vergeben?

Setlist
Sorella Gemella
Isola Dannata
Zero Gravity Love
Serenade
Mellow Marsian Mushrooms
Schöne fremde Frau
L’Amour en bas
Donna senza Memoria / Black Forest Groove
Rosso come la notte
Black Hole Supernova
Diamantik

Superstars!