LBSC Summer Special: SPICY ROOTS, ONE VOICE, LOADED u.a., 06.06.2026, Waldhaus, Asperg

Sechs Bands begeistern in sechs Stunden bei bestem Wetter sowohl mit harten Gitarren wie auch entspannten Tönen beim „LBSC Summer Special“ in den Wäldern vor Ludwigsburg. Das familienfreundliche Fest(ival) feiert eine gelungene Premiere.
Schon seit Jahrzehnten gibt es das Waldhaus Asperg als legendäre Diskothek. Seit Dezember letzten Jahres hat sich eine Gruppe junger Menschen zusammen getan, um unter dem Namen „Ludwigsburg Skinhead Crew“ (LBSC) dort eine regelmäßige, vierteljährliche Konzertreihe zu etablieren.
Nach den ersten (ausverkauften) Konzerten gab es nun die Open Air Premiere: Weit über 200 Gäste kamen in den neu gestalteten Außenbereich. Die Stimmung war entspannt, auch Familien mit Kindern waren gekommen und tummelten sich neben Musikfans aller Couleur. Die Formulierung ist abgelutscht, aber man kann tatsächlich von einem Fest für Jung und Alt reden.

Eine Rundum-Versorgung war ebenfalls garantiert: Neben Merchandise-Ständen gab es ein Pizza-Mobil und wer wollte, konnte das Erlebnis gleich auf der Haut mitnehmen: „Kleine Katze Tattoo“ aus Stuttgart bot verschiedene Motive an, die direkt vor Ort gestochen wurden, während man den Bands lauschen konnte. Die teilweise lange Schlange am Getränkestand wurde später entzerrt, in dem man auch im Club an der Bar ausschenkte. Es wurde also auch aktiv auf Probleme reagiert.

Auf der Bühne eröffneten Steady Riot aus Wiesbaden das Event. Mit zwei Gitarren, Bass, Drums und Orgel wurde passend zum Warmgrooven ein Mix aus Skinhead Reggae, Rocksteady und Soul dargeboten. Die Jungs machten auf jeden Fall richtig Spaß und gegen Ende fiel mir dann noch eine gewisse Stimmähnlichkeit des Sängers zu Laurel Aitken auf. Sehr nice. Was für ein toller Start für das Festival!

Nach 20 Minuten Umbaupause standen die Badterms aus den USA auf der Bühne. Die vier Bostoner zogen dann doch deutlich das Tempo an. Ihren Mix bezeichnen sie selber als „Skinhead- bzw. Pub-Rock“. Ich würde von schnellem Punk mit Hardcore- und Rock’n’Roll-Einschlägen sprechen. In dem wilden Takt gab es ein paar schöne Gitarrensoli zu hören. Akustisch habe ich nicht alles von den Texten verstanden, aber es ging auch um politische Themen und eine gewisse Wut darüber. In den Ansagen gab es jedoch keinen Bezug dazu, was ich etwas schade finde.

Beim schnellen Tempo blieben ebenfalls die Lokalmatadoren von The Plastic Smile aus Ludwigsburg. Die ersten Songs gingen noch Richtung Pop-Punk, später im Set wurde es auch etwas härter. Das Trio bestehend aus Bass, Gitarre und Schlagzeug sinnierte über vergangene Abende in ihrer Jugend im Waldhaus. Immerhin hat man sich auch bereits 1994 gegründet. Die Ludwigsburger hatten natürlich auch einige Fans angezogen, die die Band anfeuerten. Auch beim restlichen Publikum kamen sie richtig gut an.

Als nächstes war das Power-Trio von Loaded an der Reihe. Die Mannheimer Band ist ebenfalls seit 1994 on the road. US-Amerikaner Nick verausgabte sich ausgiebig an Bass und Gesang. Passende Gitarrensounds gab es dazu von Gitarrist Pat. Und die nötige Power samt dem schnellen Takt kam Julia von an den Drums. Da gab es viele schöne Mitsingchöre, Oi- und Offbeatanleihen und Einflüsse von The Clash zu hören. Eine richtig schöne musikalische Wundertüte und ich wundere mich immer noch, warum die Band außerhalb der Szene nie größere Resonanz erreicht hat. Dafür ist jeder Auftritt einfach ein Fest.

Co-Headliner One Voice war im Vergleich dazu noch eine Schippe härter. Man könnte von Oi-Rock mit Streetpunk-Einschlag reden. Mit jeder Menge Spaß am Spiel und genügend Attitüde zwischendrin gaben die drei Jungs Vollgas. Das Publikum applaudierte eifrig und feierte die Szenegröße.

Acht Minuten früher als geplant begann der Headliner Spicy Roots. Die Schwieberdinger Ska-Urgesteine (ebenfalls 1994 gegründet – huch?) waren klar die große Macht des Festivals. Viele Fans waren gekommen und die Tanzfläche vor der Bühne war nun gut gefüllt. Bei Klassikern wie „Ska my No.1“ wurde lautstark mitgesungen. Sänger Manu bedankte sich bei den Organisatoren und den Location-Betreibern:
„Wir brauchen Leute, die Konzerte veranstalten und sowas hier auf die Beine stellen und ins Risiko gehen. Danke, das ist wirklich ein Geschenk!“

Großer Applaus folgte. Nach rund 65 Minuten ging die Kombo dann von der Bühne. Aber als Headliner musste natürlich eine Zugabe her, in der mich besonders die karibischen Rhythmen des Harry-Belafonte-Covers „Coconut Woman“ begeisterten
Ein großes Lob auch vom Gig-Blog an die Organisatoren. Dementsprechend wünschen wir gutes Gelingen bei den nächsten Konzerten im Waldhaus und hoffen auf eine erneute Auflage im nächsten Jahr!
Hinweis: In einer vorherigen Version des Textes hatten wir geschrieben, dass nur eine Frau auf der Bühne war. Die Veranstalter haben uns darauf hingewiesen, dass der ursprünglicher Headliner „The Last Gang“ mit Frontfrau ihre EU-Tour abgesagt hatte. Bei den Clubshows waren bisher immer auch Frauen auf der Bühne, am 14.03. hatten drei von vier Bands Frauen in der Besetzung.

