THE NEPTUNE POWER FEDERATION, RUYNOR, 03.06.2026, Schwarzer Keiler, Stuttgart

Trotz harter Rock-Konzert Konkurrenz an diesem Mittwoch bekommt das exzellente Keiler-Booking den Laden wieder voll. Schon bekehrte wie neu bekehrende Anhänger*innen des The Neptune Power Federation Kults feiern einen Abend lang zu hartem Rock’n Roll.
Mondo irgendwie immer gut. Mondo Morricone. Mondo Generator. Mondo Sangue. Mondo Fitness. Il Mondo. Ob The Neptune Power Federation – sehr guter Name übrigens – das Mondo-Qualitätsversprechen mit ihrem aktuellem Album „Mondo Tomorrow“ halten können? Bevor ich das einer kritischen Live-Überprüfung unterziehen kann, widmen wir uns dem Support. Ruynor aus, na klar, Mondo Geislingen an der Steige.

Keiler-Konzertanpfiff ist wie gewohnt 20:30 Uhr. Doch geht es nicht gleich mit Musik los. Wir werden zuerst Hörspiel-mäßig „vom Band“ bespielt: Eine Diskussion zwischen den drei Bandmitgliedern und einem (fiktiven I suppose) Bandmanager. Hochgradig albern mit einem unbekümmert jugendlichen Einschlag gerät das Ganze gefühlt länger als jeder einzelne Song von Ruynor. Gibt aber schon einen guten Hinweis auf den Vibe, den die drei Musiker ausstrahlen.
Spaß haben ist das Motto. Punk Rock, der sowohl Motörhead-mäßigen Rock’n Roll wie auch Ramones-artige Melodien vereint. Vereinzelt schimmert sogar etwas 70er Glam-Rock durch. Der Opener „Anger Is My Energy“ ist dafür ein gutes Beispiel. Refrains, die man auch mit 3 Promille noch mitsingen kann, und wahrscheinlich auch mit 3 Promille komponiert wurden. Und was soll man sagen? Es funktioniert! Das Publikum ist zu 90 Prozent hingerissen und feiert die eingängigen Songs.

Sogar mich als zertifizierten Punkrock Skeptiker, der Rockmusik gerne ernst und in Moll präferiert, mag das Konzert sehr zu unterhalten. Dass einem Manches wie schon mal woanders gehört erscheint, ist bei einem auf wenige Akkorde beschränkten Genre wie Punkrock unumgänglich, stört aber nicht weiter, da extrem energische Live-Performance. Nur „Still Believe In Punk“ ist mir zu sehr drüber. Und mit drüber meine ich Bierzelt.
Erstaunlicherweise gibt es sogar ein kurzes Drum-Solo. Da merkt man doch, dass die Band eben schon auch Metal mag, denn showing skills im Punk eher nicht so gern gesehen. Das Intermezzo beweist übrigens durchaus Kompetenz. In einem Arbeitszeugnis könnte stehen: Seine Arbeitsweise zeugte von einer hohen rhythmischen Kompetenz. Stets wusste er seine technischen Fertigkeiten gewinnbringend einzusetzen.

Sage und schreibe 16 Songs (laut abfotografierter Setlist, nicht mitgezählt) bringt die Band in knapp unter einer Stunde unter das Konzertvolk. Und darunter ist auch, wirklich selten für einen Support, eine resolut geforderte Zugabe. „Caro Is A Renegade“ fügt dem Ganzen noch eine abschließende Kindermelodie hinzu. Ein Auftritt, der das Publikum ordentlich begeistert hinterlässt. Ruynor haben den Keiler conquered.

Das Konzept „nicht groß vorbereitet auf ein Konzert gehen“ sorgt oft für erfrischende Überraschungen. Ganz selten stößt es mal an seine Grenzen, und zwar dann, wenn ich mit dem Musik-Genre wirklich wenig anfangen kann. Heute Abend ist tatsächlich einer der seltenen Fälle.
Dabei haben die Australier*innen wirklich ein herausragendes Ass in ihrem Hard-Rock-Ärmel: Sängerin „Screaming Loz Sutch“. Klar, die optische Aufmachung mit in diversen Farben leuchtender Medusa-Krone und grusligem Makeup macht einiges her. Auch die Idee, dem Publikum wie in einem okkulten Ritual Getränke einzuflößen, ist gewinnbringend. Vor allem aber ist die Stimme hervorzuheben. Das „Screaming“ im Namenstitel führt sie zu Recht, und die herausragenden Vocals sind es, die der Musik von TNPF das besondere Etwas geben.

Herausragende Sängerin, okkultes Image, und letzten Endes packt mich die Musik dann doch nicht, denn, siehe oben: Ich mag meinen Rock gerne ernst und düster. TNPF hingegen bevorzugen einen flotten, rock’n rolligen Hardrock, der mich manchmal sogar an AC/DC erinnert. Vom Anstrich her eher beer & bikes statt doom & gloom. Dem Publikum sind meine Befindlichkeiten zum Glück total egal. Die Leute haben eine extrem gute Zeit und feiern die Band.

An den Mitmusikern, die tatsächlich unter der alles verschlingenden Präsenz der Sängerin etwas in den Hintergrund rücken, gibt’s nix auszusetzen. Druckvoll und akkurat werden die Hardrock- und wilden Rock’n Roll-Nummern durchgepeitscht. Ob der Opener „Bones Decay“ oder die späteren Songs, nirgendwo ist ein Abfall in der Qualität zu hören. Aber so einen richtigen Hit bin ich auch nicht in der Lage herauszuhören. Liegt aber eher in meiner Unvertrautheit mit dem Songmaterial, denn viele Leutchens singen durchaus mit.

Dass tatsächlich die Wirkung des Konzerts auf mich nur eine sehr persönliche ist, merke ich nicht nur am Enthusiasmus des Publikums, sondern auch, wenn ich mir den Konzertbericht vom Kollegen Holger aus dem Jahr 2024 durchlese. Wahrlich kein Metal-Head, war er deutlich mehr in der Lage den Spirit des Abends zu erfassen. Denn schlechtgelaunt hat heute Abend niemand das Konzert verlassen.

