PINK BREATH OF HEAVEN, 02.06.2026, Galao, Stuttgart

Ein Abend voll wohliger Melancholie und einer Reise in eine musikalische Parallelwelt.
Schon eine ganze Weile ist es her, 16 Jahre, um genau zu sein, dass das Debütalbum der aus Neuseeland stammenden Sängerin Tamaryn erschienen ist und mich unvermittelt gepackt hat. Verführerisch war diese ganz spezielle Mischung aus Dream-Pop, Shoegaze und einem nicht unerheblichen Anteil an 80er-Sound à la Kate Bush und Siouxsie & The Banshees. Auch das Lebensgefühl Kaliforniens floss in den Sound Tamaryns mit ein, dem US-Bundesstaat, in dem ihr musikalischer Mitstreiter, der Gitarrist Rex John Shelverton, lebt. 2013 beendeten sie dann ihre Zusammenarbeit und 2019 erschien dann Tamaryns letztes Album.

Lange hatte ich nun auf ein Lebenszeichen aus dem Umfeld Tamaryns gewartet und war daher geradezu elektrisiert, als ich in der Konzertankündigung des Galaos den Namen Rex John Shelverton als Teil der Band Pink Breath Of Heaven las; ein gemeinsames Bandprojekt mit der Sängerin und Gitarristin Liv Field. Ganz klar, dieses Konzert ist ein Pflichttermin für mich und Gig-Blog-Kollege Holger, der ein mindestens ebenso großer Shoegaze-Fan ist. Live wird das Line-up des Duos durch einen Schlagzeuger, einen Bassisten und eine Schellenring-Spielerin komplettiert.

Das Set beginnt mit dem Song „I Feel Good“; typisch shoegazig hallige Soundpatterns ertönen in einer massiven Lautstärke, die erstmal für Verblüffung sorgt. So eine massive Dezibel-Attacke hätte ich nach dem Hören des Albums nicht erwartet. Im Gegensatz dazu stehen die träumerischen Gesangslinien von Field. Stark, wie sie es vermag, diesem intensiven dB-Pegel mit ihrer gefühlvollen Intonation entgegenzutreten, das begeistert und fordert zugleich.
Der Titel des zweiten Songs „Look Inside“ ist Programm für die Musik von Pink Breath Of Heaven: Hypnotisiert von schwer zu beschreibenden, verhuschten Klangräumen wird man in die introspektiven Gefühlswelten Fields und Shelvertons gezogen. Und nicht nur wir Zuhörer*innen befinden uns in dieser tranceartigen Parallelwelt, auch die Musiker*innen gehen in einer ganz eigenen Form der Ekstase darin auf.

Man befindet sich auf einer Reise ins Innere; Gefühlszustände werden ausgelotet, für deren Beschreibung es nur die Sprache der Musik gibt. Mit einem Amalgam aus Liv Fields Gesang, zwischen verträumter Entrücktheit und flehentlicher Intensität, und dem dichten, atmosphärischen Sound, der sich aus noisigen Shoegaze-Elementen und Neo-Psychedelik zusammensetzt, erschafft die Band aus San Francisco ein immersives Konzerterlebnis. Auf einzelne Titel mag man da schon gar nicht mehr eingehen, dies ist ein in sich fließendes Ganzes, mit einer ungeheuren Sogwirkung. Musik, die in einen der Welt entrückten, transzendierten Klangkosmos entführt.

Aber nicht nur die intensive Atmosphäre und das künstlerische Konzept begeistern mich, auch musikalisch ist das ein wirklich feines Konzert. Der übersteuerte Bass-Sound und die treibende Rhythmik des Schlagzeugspiels mit seinen gut austarierten Fill-Ins bilden ein starkes Fundament zu den Wall-of-Sound und Lead-Effekten von Liv Fields und John Shelvertons Gitarren. Stimmlich erinnert mich Field immer wieder an Hope Sandoval, mit ihrem geisterhaften, verträumten und zutiefst emotionalen Gesang.

Nach 45 Minuten geht dieses zwar kurze, dafür aber umso intensivere Konzert zu Ende. Ein Konzert, das ich als musikalischen Eskapismus begeistert genossen habe.
Eine Zugabe gibt es dann zum Glück noch. Bester Dream-Pop, der sich nicht hinter Genregrößen wie Mazzy Star oder Beach House verstecken muss, mäandert durch das dicht an dicht stehende und gebannt zuhörende Publikum.
Mal schauen, ob der Nachthimmel rosa ist…

