THE UNDERTONES, ZOO ESCAPE, 21.05.2026, Im Wizemann, Stuttgart

“I wanna hold her, wanna hold her tight, get Teenage Kicks right through the Night” – hoffentlich gibt es auch in Zukunft viele junge Bands, die so frisch wie die alten Undertones klingen.
Auf dem Grabstein von John Peel steht bekanntlich: “Teenage dreams, so hard to beat” – die ersten Worte seines Favourites „Teenage Kicks“ von den nordirischen The Undertones. Die spielen jetzt anlässlich ihrer 50th Anniversary Tour 2026 im Wizemann – und natürlich werden auch diese geschichtsträchtigen Zeilen vielkehlig mitgesungen, obwohl die meisten Anwesenden sich wohl nur noch verschwommen an ihre Teenagerträume erinnern können. Der Band selbst glaube ich aber jedes Wort, obwohl die reifen Herren allesamt auf die 70 zusteuern. Das macht heute aber gar nichts, denn die Undertones beweisen, dass Punkrock-Nostalgie vollkommen unpeinlich sein kann, wenn man nur authentisch und leidenschaftlich rüberkommt.

Betrachten wir den Abend aber chronologisch: „Here Comes The Summer“ heißt der vielleicht zweitgrößte Hit der Undertones. Er erweist sich heute wettermäßig als programmatisch, und so lässt sich das erste Bier vor dem Konzert im Freien genießen, während sich vorwiegend stadtbekannte und durchaus rüstige Altpunks einfinden. Die Supportband Zoo Escape kommt aus München und erweist sich als Idealbesetzung. In einer halben Stunde spielen sie Punkrock und Powerpop mit ansteckendem Enthusiasmus, covern Stiff Little Fingers und schaffen es tatsächlich, dem zunächst etwas schläfrigen Publikum ordentlich, äh, einzuheizen. Gute Jungs, die ich gerne mal bei einem kleinen Clubkonzert erleben möchte.

Zur Undertones-Historie nur so viel: Es grenzt an ein Wunder, dass sich 1975 im nordirischen Derry fünf Teenager überhaupt zum Musikmachen zusammenfanden, schließlich herrschte seinerzeit ein blutiger Bürgerkrieg, der das kulturelle Leben Nordirlands eigentlich komplett zum Erliegen brachte. Dank Scheißdrauf-Haltung, eines frühen Zufallshits auf der allerersten EP (eben „Teenage Kicks“) und der nachhaltigen Unterstützung durch Radio-DJ John Peel schafften es die Burschen aber, zwischen 1979 und 82 dreieinhalb epochale Alben zu veröffentlichen.

Zur Vorbereitung des Konzerts komplett durchgehört, bin ich mir sicher, dass keine andere britische Punkrockband mehr Hits im Programm hat als die Undertones (nicht mal die Buzzcocks). Erwähnen sollte man, dass Sänger Feargal Sharkey 1983 zugunsten einer mediokren Solokarriere („A Good Heart“) ausstieg, was zunächst zur Auflösung der Band führte.

1999 kam es zur Reunion ohne Sharkey, ansonsten aber bis heute in Originalbesetzung. Neu am Mic war Paul McLoone, der die undankbare Aufgabe, den doch sehr markant tremolierenden Originalsänger zu ersetzen, erstaunlich souverän meistert. Da sind sich nach dem Konzert alle einig, mit denen ich spreche. Dazu erweist er sich als charismatischer Showman mit coolen Moves und einer sehr sympathischen Aura – wie auch seine Mitspieler erfreulich alterslos wirken und motiviert zur Sache kommen.

Mit Hits wird nicht gegeizt: „Jimmy Jimmy“, „Male Model“ und „Boys Will Be Boys“ weisen schon früh den Weg in Richtung Powerpop. Denn der Punk der Undertones ist nicht stumpf, hart und schnell, sondern melodisch, eingängig und gutgelaunt. Das macht von Anfang an großen Spaß, was viele im Publikum dann doch ihre „Teenage Kicks“ in Erinnerung bringt. Ihr Meistersong kommt dann auch schon nach einer knappen Stunde und man merkt den Herren nicht an, dass sie die Nummer wahrscheinlich schon tausend Mal gespielt haben – wohl weil sie jedes mal aufs Neue zündet.

Man hat es auch nicht eilig, von der Bühne zu kommen: Mit dem Zugabenblock (feat. „Here Comes The Summer“, „Billys Third“ und dem mitreißenden „My Perfect Cousin“) werden die letzten Knaller gezündet, die ein glückliches Publikum mit den schönsten Ohrwürmern im Kopf in die Sommernacht entlassen. Der Nostalgiefaktor der Veranstaltung lässt sich nicht leugnen, aber was will man mitalternd daran schlecht finden? Immerhin bin ich mir sicher, dass die komplett zeitlose Qualität der Songs für sich spricht – hoffentlich gibt es auch in Zukunft viele junge Bands, die so frisch wie die alten Undertones klingen.


1/4 von Zoo Escape war neulich erst im Stuttgarter Kulturbunker (Transmission e.V.) und hat dort GrGroßartig abgeliefert und „Leben in den Bunker“ gezaubert…d.h. ein wild tanzendes Publikum verursacht (zusammen mit RuinRuin).