STINA HOLMQUIST, 13.05.2026, Galao, Stuttgart

Emotional, herzerwärmend und frei von aufgesetzter Künstlichkeit. Stina Holmquist vermag mit großer Authentizität tiefe Gefühlswelten zu vertonen. Musik, die einen wohlig umschließt. Ein Konzert, das glücklich macht.
Die Geschwister Stina und Lasse Holmquist haben schwedische Wurzeln und sind im Ruhrgebiet aufgewachsen. Musik machen die beiden seit frühester Kindheit. 2022 gründeten sie dann gemeinsam mit Joshua Mandlburger (Bass & Backing Vocals), Tarik Mujadzic (Gitarre) und Paul Sabel (Synthesizer, Posaune & Backing Vocals) ihre Band. Stina singt und spielt Piano und Lasse ist am Schlagzeug. Zwei EPs haben die Fünf bereits veröffentlicht, 2024 „It Dances On The Windowsill“ und im letzten Jahr „If All My Hopes Find Answers“. Die aktuelle Veröffentlichung besticht mit fein komponierten, intimen Popsongs. Songs, die wie gemacht sind für einen intimen Rahmen, den das Galao zu bieten hat.

Atmosphärisch dicht sind die ersten Klänge des Intros, die sacht durch das zum Bersten volle Galao kaum greifbar schweben, werden vom Sound der Drumpads treibend rhythmisiert und Stinas zarter und doch kraftvoller Gesang setzt zum ersten Track „Say It Out Loud“ ein, gepaart mit einnehmenden Gitarrenflächen. Das ist Musik, die vom ersten Moment an berührt und einen gespannt lauschen lässt. Stina Holmquist geht musikalisch und textlich in die Tiefe, sie lotet das Menschsein, mit persönlichen Erfahrungen aus, wie der Song „Closing Door“ eindrücklich zeigt. Ein Song, wie sie erzählt, über das Loslassen einer wichtigen Person:
„I keep closing open doors
Hope keeps creeping in
Like a dim light in the hall
I can’t turn it off again“

In „Foreign Land“ singt Holmquist über das Fremdsein, sich unverstanden fühlen. Die Soundscapes vermögen es, diese Gefühlszustände kongenial zu transportieren und Einsamkeit zu evozieren, mit einem durchdringenden Gesang, der aber zu keiner Zeit aufgesetzt oder gar aufdringlich ist. Das ist fein gewobener, bezaubernder Indiepop voller Poesie.
Liebeslieder wollte sie nie schreiben, meint Stina, und doch gibt es in einem solch emotionalen Set natürlich mit „Broken Glass“ auch einen wunderbaren Lovesong, frei von jeglichem Kitschverdacht.
„If i could be honest
I can’t imagine you gone
Engraved in my thoughts
Scared of how i fell in love, love, love“
(aus Broken Glass)

Sehnsuchtsvoll und träumerisch ist das, Musik, um sich in sie wohlig fallen zu lassen. Melodienseligkeit, gepaart mit Ecken und Kanten für wahre Authentizität, um nie ins Gefällige abzugleiten. Das ist großes Singer/Songwriter-Handwerk, wie es nur selten zu finden ist. Aber Stina Holmquist ist mehr als eine großartige Musikerin, Stina Holmquist ist ein Bandprojekt. Die Drum-Patterns von Lasse und die Bassläufe von Joshua bilden einen, den Sound erdenden Gegenpart zu den leichten, beschwingten Gitarren- und Synthiesounds, die zwischen sommerlichen Good-Feeling-Vibes und zarter Melancholie changieren. Ein Sound zwischen ephemerer Hypnotik und treibenden Beats, die animieren, mit geschlossenen Augen zu tanzen. Das Quintett zelebriert auf der Bühne große Intensität und Sensibilität und vermag all dies mit beschwingter Pop-Melodik zu verknüpfen.

Zu „In A Dress“ meint Stina, es sei ein Song wie das Gefühl, im Wind zu stehen, sich von den Elementen durchblasen zu lassen. Ein Stück darüber, wie es ist, sich dem Sein auszusetzen, im Hier und Jetzt zu sein, Musik um den Moment zuzulassen. Und mit dieser existenziellen Dringlichkeit geht es weiter. „Try“ handelt vom Verlust eines Menschen, musikalisch in bewegendem Moll, der Gesang sehnsüchtig schmerzvoll, der aus den Tiefen der Emotionen an die Oberfläche drängt.
„Lingering on my skin
Where did i buil it up?
Left a trace, paper thin
The rain won’t wash it off
I try to find a reason
It never ends well
I try to find a reason“
(aus Try)

Nach einer bewegenden Stunde gibt es noch drei Zugaben, darunter die gelungene Coverversion von „Lovesong“ von The Cure. Mit dem großartigen „Keep My Head Underwater“ verabschieden sich die Musiker*innen die mit großer Freude performten vom begeisterten Publikum und vom ebenso begeisterten Gig-Blog-Team. Ein Konzert dem ein Platz auf der Jahresbestenliste sicher ist.
