KING BUFFALO, TFNRSH, 13.05.2026, Sudhaus, Tübingen

Frage: „Ok, gig-blog-KI, wann war ich das letzte Mal im Sudhaus?“ Antwort: „KI hammwa nüscht!“ (gig-blog KI berlinert aus unerfindlichen Gründen). Macht auch nix, traditionelles Suchen sagt: 13 verdammte, viel zu kurze Jahre her ist es, als ich das letzte Mal hier war. Damals bei Nora Nazionale Tschirner und der Band „Prag“. Irgendwann seitdem muss wohl eine größere „Renovierung“ gelaufen sein, denn an diesen modernen Eingang samt Betontreppen kann ich mich nicht erinnern. Auch der Konzertsaal sieht sehr neu aus und scheint topmodern ausgestattet zu sein. Das wird sich noch angenehm bemerkbar machen.
Vor paar Jahren hatte ich King Buffalo, die ich sehr mag, im P8 in Karlsruhe gesehen. Erinnerungen: mäßig besucht, Auftritt ok, aber ein wenig underwhelmed war ich schon. Zumindest zuschauermäßig sieht das heute Abend anders aus. Ziemlich voll ist es, und der Saal ist nicht klein. Ob es am Support, den Tübingern TFNRSH liegt? Andere These: Da dies ein Nachholkonzert eines im letzten Jahr ausgefallenen Konzerts ist, könnte sich in Summe eine größere Nachfrage akkumuliert haben.

So geht es Punkt 20 Uhr bei bestem Sound los mit TFNRSH, die ich vor einem Jahr schon als Vorband bei Carpet gesehen hatte. Und neue Erkenntnisse tun sich nicht auf bei mir. Tightes Zusammenspiel, viel Dynamik mit lauteren und leiseren Passagen, alles instrumental. Weiterhin bin ich nicht der größte Fan von rein instrumentaler Musik, weiterhin packt mich das Songwriting der Band nicht so richtig. Die machen absolut nix verkehrt, aber für meine Ohren kommt alles immer zu erwartbar um die Ecke. Und wie damals in Stuttgart ist das eher ein me-Problem, denn zum Glück ist die Publikumsresonanz eine sehr positive. Besser so, good vibes schließlich besser als bad vibes. Und der „zero chilometri“ Aspekt des Ganzen ist ja auch prima.
King Buffalo aus New York haben sich in den letzten Jahren für mich als eine der Bands aus dem Stoner oder Heavy Psych Genre herauskristallisiert, die ich am liebsten auf Platte höre. Das liegt auch an einem eindeutig zu identifizierenden Sound und Stil, den die Band hat. Ich hoffe schwer, dass es heute bei meinem zweiten Konzertbesuch auch live klick macht.
Zu einem sphärischen Keyboard-Intro, welches der Song Ecliptic ist und bei einem Jean-Michel Jarre Konzert ebenso gut aufgehoben wäre, kommen King Buffalo auf die Bühne. Der Sound ist herausragend gut. Und diesmal wird es auch ein herausragendes Konzert werden. Der erste von der Band gespielte Song Silverfish gibt die Marschrichtung (gestrichen wegen zu martialisch) den Kurs vor. Ruhig, zu einem sich wiederholenden Gitarrenmotiv und der Stimme von Sean McVay, gleitet der Song ein paar Minuten vor sich hin. Hier und da kommen im Verlauf kleine Änderungen hinzu und fallen wieder weg. Bevor die Gitarre auf volle Verzerrung geht und mit einem fast schon Metal-artigen Stakkato-Riff den Höhepunkt des Sounds ansteuert und alles und jeden wie ein Bulldozer, besser Büffel plattmacht.

Das Interessante ist jetzt: Im Prinzip ist in diesen ungelenken Worten die King Buffalo Rezeptur für eigentlich jeden Song aufgeschrieben. Es beginnt entspannt, sphärisch-flirrend, psychedelisch, manchmal sogar mit einem federleichten Swing. In letzteren Momenten kann man das außergewöhnlich musikalische Bassspiel von Dan Reynolds goutieren. Drummer Scott Donaldson steht dem in nichts nach. Er weiß wann leise und reduziert angebracht ist, und wann man kraftvoll und busy auf die Pauken haut. Enorm gut eingespielt wirkt das. Und hier komme ich nochmal auf den guten Sound zu sprechen, denn ohne diesen wäre Risiko groß, dass diese entspannteren Parts gar nicht richtig zur Geltung kämen und nur als Wartezeit für den Ausbruch der harten Sounds aufgefasst würden.
Und diese Ausbrüche kommen immer. Und es funktioniert heute Abend jedes Mal. Wenn das Trio mal improvisiert, dann funktioniert auch das immer. In den allerbesten Momenten des Konzertes hypnotisierten einen die New Yorker regelrecht. Und innerhalb dieses eigentlich recht klar definierten Klangkosmoses von King Buffalo fallen mir heute Abend dann Details auf, die beim ersten Mal komplett untergingen. Damit ist vor allem das Solo-Gitarrenspiel von Sean gemeint. Wir haben ja die Neunziger jetzt schon länger etwas hinter uns gelassen, deswegen kann man loud and proud behaupten: diese Soli erfreuen das Gemüt. Nicht selten erinnert sein Gitarrenspiel tatsächlich an David Gilmour. Keine steilen Aussage von mir, sondern laut Sean ist „Dark Side Of The Moon“ das perfekte Album. Unoriginell, aber richtig.
Trotz der vielen leiseren Parts und nicht einem einzigen, wirklich schnellen Song, kommt keine Langeweile auf. Evtl. ertappt man sich sogar bei Gedanken wie „Kam der Song nicht schon mal vorhin?“ oder „Naja, schon wieder so ein lascher Beginn“, aber das sind nur kurze Gedankenfetzen, bevor man wieder im hypnotischen Sound versinkt und die Glückshormone jegliche negative Kritik wegfegen. Nach ca. anderthalb beglückenden Stunden verabschiedet sich die Band, sichtbar angetan von der Publikumsresonanz. Und eine verdiente Zugabe bekommen wir noch. Der Song fängt leise an und dann…

