LORD OF THE LOST, DOGMA, LEAGUE OF DISTORTION, 09.05.2026, LKA, Stuttgart

LORD OF THE LOST, DOGMA, LEAGUE OF DISTORTION, 09.05.2026, LKA, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Tourfinale, ausverkauftes LKA und eine handvoll leicht bekleideter Nonnen im Gepäck, die in ein paar Jahren das Erbe von Ghost antreten könnten, falls diese sich dazu entscheiden, nicht mehr aus ihrer angekündigten Pause zurückzukehren. Lord Of The Lost bringen alle Generationen vor die Bühne und verbreiten in fröhlichem Schwarz eine herzliche Familienfeier.

Der Fußweg zum LKA fühlt sich eher danach an, als mache man einen entspannten Spaziergang an einem lauen Sommertag. Die Vögel zwitschern, eine laue Brise weht einem durch das Haar und ein feiner Grillgeruch liegt in der Luft. Die Realität sieht anders aus. Wir sind auf dem Weg zu Lord Of The Lost, müssen durch das Wangener Industriegebiet hetzen, weil es mal wieder keinen Parkplatz weit und breit gibt und der wohlige Grillgeruch ist in Wahrheit das verbrannte Fett von McDonald´s.

Nichtsdestotrotz könnte die Stimmung im ausverkauften LKA nicht besser sein. Die letzte Show der ausverkauften Tournee lockt Fans aus allen Ecken Süddeutschlands an und noch vor der ersten Band des Abends – League Of Distortion – ist das LKA so dermaßen aufgeheizt, dass einem das Wasser binnen weniger Minuten bereits Oberkante Kimme steht.

Lord of Distortion

LORD OF THE LOST, DOGMA, LEAGUE OF DISTORTION, 09.05.2026, LKA, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Als Opener dürfen die sympathischen Baden-Württemberger League Of Distortion das LKA zum Tanz bitten. Frontfrau Anna Brunner ist dabei keine Unbekannte – bereits mit der Symphonic Metal Band Exit Eden hat sie schon ordentlich Lärm gemacht. Auch heute geht es in dicke Ketten gehüllt direkt von 0 auf die 12. Modern Metal mit einigen Industrial Einflüssen und auch ein wenig Hip-Hop wird uns solide um die Ohren gehauen und die ehemalige Pop-Akademie-Studentin weiß, wie man eine Menge als erste von drei Bands sofort auf Temperatur bringt. LOD müssen gar nicht viel Animation betreiben, da sich in der ersten Reihe scheinbar der Ultra-Fanclub eingefunden hat und ebenfalls tatkräftig die Reihen hinter sich motiviert. Klatschen, Springen, Tanzen und eine gute Zeit haben – und LOD liefern den Soundtrack dazu. „My Hate Will Go On“ und auch „My Enemy“ sind dabei nicht die absoluten Ohrwürmer, verfehlen ihr Ziel, für eine ausgelassene Show zu sorgen, dennoch nicht im Geringsten. Die Bewegung und Reaktion des Publikums nach jedem Song bestätigen dies absolut. Zum vorletzten Song „Crucify Me“ des halbstündigen Sets hält es dann auch die nächste Support-Band Dogma nicht mehr Backstage und die südamerikanischen Nonnen entern die Bühne und tanzen lasziv mit den anderen LOD – Mitgliedern. Als Abschluss dieses gelungenen Auftritts präsentieren uns LOD noch „LOD“. Eingängig und nochmal absolut mitreisend. Zum Glück öffnet die Security nach diesem furiosen Auftakt ein paar Türen, um die Halle und uns alle wieder ein wenig runter zu kühlen.

Ich gebe es hier offen zu – ich bin nicht wegen Lord Of The Lost hier, sondern wegen dieser Damen.

Dogma

LORD OF THE LOST, DOGMA, LEAGUE OF DISTORTION, 09.05.2026, LKA, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Man könnte mir natürlich jetzt unterstellen – aha, der maskuline Mann giert nach leicht bekleideten Damen im Nonnengewand – doch weit gefehlt. Im vergangenen Jahr bin ich durch Zufall über die Band gestolpert und der damals neu erschienene Titel „Father I Have Sinned“ hat mich sofort gecatched. Das war für mich so unglaublich eingängiges und stimmiges Songwriting, dass ich mir direkt das Album geholt habe und dann auch noch das Glück hatte, dass sich diese kleine, südamerikanische Formation wenige Wochen später ins Nachtleben in Frankfurt verirrte. Auf besagtem, selbst betiteltem Album „Dogma“ befinden sich tatsächlich nur Ohrwürmer. Mein erster Gedanke damals war direkt, warum diese Band noch nie als Tourpartner von „Ghost“ tätig war. Es wäre perfekt. Doch abseits der Musik haben diese Nonnen einige Leichen im Keller. Es gibt diverse Gerüchte, wonach Dogma gar keine „echte“ Band seien, sondern von einem knallharten Management zusammen gekauft wurden. Dieses Gerücht wurde bereits mehrfach untermauert durch Statements ehemaliger Musikerinnen und auch heute sehen wir wieder eine andere Dame am Mikrofon wie vor einem Jahr in Frankfurt – welche damals schon nicht mehr die Sängerin war, die tatsächlich „Father I Have Sinned“ eingesungen hat.

Dennoch liefern die Damen wirklich gute Musik – auch wenn es heute, als sie die Bühne betreten – erst Mal etwas desillusionierend wird für die gewollte Inszenierung. Wie kann bitte eine Band, gekleidet in Horrorversionen der Nonnen von Sister Act, zu „Bailando“ von Loona auf die Bühne kommen? Zum Glück schaffen sie es, diesen seltsamen Auftakt mit dem ersten Song „Forbidden Zone“ umgehend zu verdrängen. Der Funke springt nicht direkt auf das Publikum über. Dogma fallen ziemlich aus dem musikalischen und optischen Rahmen des Abends. Völlig unbeeindruckt davon, legen die Damen mit „My First Peak“ direkt eine weitere, höchst provokante Nummer nach. Für die vielen Kinder im Publikum besteht da sicherlich ein gewisser Klärungsbedarf nach dem Konzert. Sehen die Nonnen zwar furchteinflößend aus – geht das Verhalten und die Theatralik in eine gänzlich andere Richtung – ein Maiskolben aus Plüsch spielt hier, während der ersten Songs, eine zentrale Rolle.

LORD OF THE LOST, DOGMA, LEAGUE OF DISTORTION, 09.05.2026, LKA, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Provokant ist da noch etwas untertrieben. Leider dürfen Dogma heute nur für 9 Sünden auf die Bühne, doch die letzten drei Songs schaffen dann auch den Funken im Publikum zu zünden. Sie sind im Bann. Leider schafft es die neue Dame am Mikrofon, die Qualität ihrer Vorgängerin zu halten, nicht ganz. Vor allem in den höheren Lagen müssen immer mal wieder die anderen Mitglieder unterstützen. Dennoch – wenn Dogma auf der Bühne, in diesen Gewändern und mit diesen Bewegungen als einen der letzten Songs „Like A Virgin“ performen – müssen sich früher oder später zwingend die Wege mit Ghost kreuzen.
Bitte reinhören: „Father I Have Sinned“ – „Feel The Zeel“ – „Bare To The Bones

Lord of the Lost

LORD OF THE LOST, DOGMA, LEAGUE OF DISTORTION, 09.05.2026, LKA, Stuttgart | Foto: Madita Nair
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Es wird noch mal deutlich enger im vorderen Bereich des LKAs und noch mehr Kinder tauchen auf. Sehr sympathisch dabei, dass auch diese mit „Little Losti“-Shirts ausgestattet wurden. Vor uns taucht ganz gegensätzlich dazu noch ein Senioren-Pärchen auf, das mit Beginn des ersten Songs für den Rest des Abends nicht mehr mit dem Schwofen aufhören wird.

Im Moment des Scheinwerfer-Erlöschens breitet sich ein unglaublicher Lärm im LKA aus. Es wirkt, als Schreie die gesamte Menge mit ihrer ganzen stimmlichen Kraft, um Lord Of The Lost einen würdigen Empfang für den letzten Abend der Tovr Noir zu liefern. „Kill The Light“ untermauert dabei einen perfekten Konzertbeginn und anders als vor 3 Jahren in Karlsruhe ist der ESC-Glamour wieder einheitlichem Schwarz gewichen. Auch beim zweiten Song „My Funeral“ betont Chris Harms mit seiner enorm vielseitigen Stimme sein Faible für die Farbe Schwarz. Auch bei „Damage“ kommt man nicht drumherum, mit geschlossenen Augen den warmen Bariton-Klang zu genießen bis – warum zur Hölle? – Auch Chris aus dem Nichts heraus „Bailando“ anfängt zu singen. Es erscheint mir, als wäre hier ein absoluter Insider-Joke der Bands im Gange, der uns Zuschauer ein zweites Mal verstört und unaufgeklärt zurücklässt.

LORD OF THE LOST, DOGMA, LEAGUE OF DISTORTION, 09.05.2026, LKA, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Was heute Abend auch, zumindest in meinen Augen, besonders ist, ist die Einbindung der Support-Acts in die jeweils anderen Shows. Sängerin Anna kehrt während des abends noch zwei weitere Male zurück auf die Bühne und performt neben „Please Break The Silence“ auch den Ärzte-Hit „Schrei nach Liebe“ gemeinsam mit Chris und den restlichen Losties. Ein weiteres „theoretisches“ Duett kam leider nicht zu Stande – in diesen Genuss kamen nur die Fans des amerikanischen Abschnittes dieser Tour. Kurz vor Tour-Beginn haben LOTL noch gemeinsam mit „Wednesday 13“ die philanthropische Hymne „I H8 People“ gedropped. Heute Abend übernimmt „leider“ Chris Wednesdays‘ Part – dennoch – Supersong zum Aufstehen und Starten in einen Arbeitstag. Wir erleben hier zwar eine Band, die optisch auf ein maximal düsteres Image setzt und dennoch enormen Spaß und Lockerheit von der Bühne aus verbreitet. Natürlich darf auch der 2023er ESC-Song „Blood & Glitter“ nicht fehlen – und – auch der Gewinnersong von 2023 – „Cha Cha Cha“ von Käärijä schafft es auf die Setlist und wird von LOTL noch einen Tick druckvoller dargeboten.

LORD OF THE LOST, DOGMA, LEAGUE OF DISTORTION, 09.05.2026, LKA, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Und dann ist er da. Der letzte Moment der Tour. Ein letzter Song. Und die Auswahl kann dabei nicht triumphaler ausfallen. „Light Can Only Shine In The Darkness“. Wir sehen hier heute Abend keine Band, die Ermüdungserscheinen aufzeigt, nach unzähligen Stationen in unzähligen Ländern und drei Kontinenten. Wir sehen das Ende eines für die Band wichtigen Meilensteins ihrer Bandgeschichte und in jedem Wort des letzten Songs schwingt auch schon wieder die Aufbruchstimmung zu neuen Zielen mit. Und LOTL versichern – da kommt noch viel mehr. Und so lassen sie keine traurigen Fans zurück, sondern strahlende Augen voller Vorfreude auf das nächste Kapitel ihrer Losties.

*Nachtrag
Als wir auf Bitten bei der Security-Dame den Hinterausgang benutzen dürfen, damit wir die Kamera nicht durch das Gedränge schleifen müssen, kommt uns der Sänger Hannes Braun von „schwäbischen Mötley Crüe“ Kissin´ Dynamite entgegen. Mein Faible für Klatsch und Tratsch führt bei der Recherche für diesen Bericht dazu, dies noch mit anzufügen – Er ist der Mann von Sängerin Anna von LOD.

LORD OF THE LOST

DOGMA

LEAGUE OF DISTORTION

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