MACHINE HEAD, 06.05.2026, MHP Arena, Ludwigsburg

MACHINE HEAD, 06.05.2026, MHP Arena, Ludwigsburg | Foto: Claus Kullak
Foto: Claus Kullak

Machine fucking Head aus Oakland, Kalifornien sind Pflicht und live unschlagbar. Ich sage nur Grammy Award „Best Metal Performance“, diverse „Best Metal Album“, „Best Metal Song“, „Best Live Band“ und „Beste internationale Band“ Auszeichnungen et cetera pp. Fragen?

„An Evening with…“ sind die Konzertabende der aktuellen Tour betitelt. Und als Machine Head Fan ist klar, was das bedeutet: Keine Vorband und ein langer Abend ausschließlich mit Machine Fucking Head (wie sich die Band selbst gerne nennt und was von den Anhängern fix übernommen wurde – oder war es vielleicht sogar umgekehrt?). Diese langen Evenings with Machine Head konnten auch mal vier Stunden dauern, mittlerweile sind wir bei zweieinhalb bis drei angelangt – die Herrschaften werden schließlich auch nicht jünger. Ich kann mich noch gut an so einen Vier-Stunden-Abend im LKA Longhorn erinnern. Das war allerdings bereits im Jahr 2018.

MACHINE HEAD, 06.05.2026, MHP Arena, Ludwigsburg | Foto: Claus Kullak
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Robb (Flynn), Sänger, Gitarrist, Frontmann und Gründer der Band beschreibt die Abende selbst so: „No openers. No limits. Just 3 hours of anthems, deep cuts, ragers & epics, the songs you’ve screamed so loud we could feel it in our bones.“ und verknüpft damit Wünsche, Erwartungen und Versprechungen:

I want these nights to feel like those rare shows where everything clicks and the world falls away.
Where we can dig into the catalog, take our time, talk, play, improvise, go places we haven’t gone in years… or ever.

Die Latte liegt also hoch und man darf gespannt sein. Und ich bin es erst recht, da mir das Glück zuteil war, als regulärer Konzertbesucher bereits einen Evening in Berlin erleben zu dürfen und habe somit einen gewissen Vergleichsvorteil. Natürlich beginnt Punkt acht die Show mit einem dramatischen Synthie-Sound inklusive Chorgesang (genau genommen handelt es sich um die Intro-Sequenz zu „In Comes the Flood“ vom „Bloodstone & Diamonds“ Album von 2014) begleitet von einem etwas überzogen heroisch anmutenden Video in dem Fahnen, ähnlich wie auf einem Schlachtfeld (zumindest meine Assoziation) zu sehen sind, allerdings durchgängig mit Machine Head-Logo. Plötzlich setzt der Sound ein und zwar zum großartigen, vom Nu-Metal angehauchten „Imperium“, Opener des 2003er-Albums „Through the Ashes of Empires“. Und der Ton bzw. auch das Bild ist gesetzt, denn es sprüht sogleich mächtige Feuer-Fontänen vom Bühnenrand Richtung Hallendecke.

MACHINE HEAD, 06.05.2026, MHP Arena, Ludwigsburg | Foto: Claus Kullak
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Stunde eins hat somit begonnen. Das Publikum ist jedoch noch sehr zögerlich und zurückhaltend. Natürlich gibt es Applaus und es sind Fans anwesend, aber der Funke scheint mit dem Übersprung noch warten zu wollen. Machine Head legen nach und lassen es krachen: „Ten Ton Hammer“ (1997), „CHØKE THE ASHES ØF YØUR HATE“ (2022), „Now We Die“ (2014) sowie „The Blood, the Sweat, the Tears“ (1999) folgen. Allesamt sehr intensive, heftige, schnelle, brutale Metal-Songs aus unterschiedlichen Phasen, aber zeitlos gut und tadellos dargeboten. Allein das Publikum will sich noch nicht mitreißen lassen. Robb muss immer wieder zum Screamen und Jumpen anfeuern und zum Circlepitten ermutigen „What are you waiting for“. Bis sich schließlich doch ein kleines Kreislein bildet, das der Aufforderung nachkommen möchte.

„Is There Anybody Out There?“ fällt ein bisschen aus der Reihe, ist aber ein echter Killer! Und dass da Wut drinsteckt ist klar, denn der Song bezieht sich unmittelbar auf Robb Flynns Äußerungen aus dem Jahr 2016 (aus dem Jahr stammt auch der Song). In einem Video namens „Rassismus im Metal“ bezieht er explizit und klar Stellung gegen jegliche Art von Diskriminierung und bezieht sich direkt auf die unerträglichen und nicht duldbaren „white power“ und Hitlergruß Entgleisungen von Philip Anselmo (Pantera), woraufhin Robb Flynn massenweise Morddrohungen erhielt.

MACHINE HEAD, 06.05.2026, MHP Arena, Ludwigsburg | Foto: Claus Kullak
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Es klickt beim Publikum schon, aber noch immer recht verhalten. Und manch einer denkt sich vielleicht, ha des isch eba die schwäbische Seele, die nur langsam schwingd. Aber die Band hat sich nun definitiv in Laune gespielt und gibt alles für die Robb-Show. Denn um ihn dreht sich das ganze Machine Head Universum. Nicht nur durch stimmliche Präsenz, sondern mit seiner einnehmenden Erscheinung, seiner gelebten Metal-Attitüde dominiert er auf der Bühne. Und natürlich ist er auch eine Rampensau und er ist es auch, der nichts unversucht lässt, um immer wieder die Stimmung anzuheizen. Und es gelingt ihm auch ein ums andere Mal. Nun endlich ein Song vom legendären Blackening-Album (2007): „Beautiful Mourning“. Hier und wie durchgehend gibt perfekt passende Video-Sequenzen, Bilder und Lichtstimmungen, in diesem Fall eine sinistre Kirchenfenster-Darstellung.

„God let the angels die
This is our last goodbye
In love and death we cry“

Stunde 2 kann also beginnen. Und das tut sie nicht minder finster mit dem mystisch-darken Songauftakt von „SLAUGHTER THE MARTYR“ (vom Album „ØF KINGDØM AND CRØWN“, 2022), bei dem Robb sein Sangeskönnen unter Beweis stellt – bis in Minute 3:08 die E-Gitarre einsetzt und die verbleibenden 7:18 Songminuten voranpeitscht und die Mystik in pure Aggression umschlägt, um sich am Ende wieder in einer hymnischen Melancholie aufzulösen. Ein einsamer Crowd-Surfer findet vereinzelt Nachahmer.

MACHINE HEAD, 06.05.2026, MHP Arena, Ludwigsburg | Foto: Claus Kullak
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Robb berichtet vor dem nächsten Song „Blood for Blood“ (1994), das vom Debut-Album „Burn My Eyes“ stammt, dass er in der Garderobe ein Ankündigungsplakat für ein Konzert von Machine Head in Ludwigsburg im Jahr 2020 entdeckt hat, das aufgrund der Pandemie schließlich nicht stattfinden konnte. Aber um erst mal gar keine blöde Stimmung aufkommen zu lassen, hauen die Fucking Heads das unglaublich treibende „Game Over“ (2014) raus, dem ein gewisses Hit-Potential innewohnt und von dem sich auch das Publikum nun doch zu regelrechten Stimmungsaufwallungen hinreißen lässt. Auch wenn die Mini-Circle-Pit-Crew noch weitgehend unter sich bleibt.

„Old“ (1994) und „ØUTSIDER“ (2025) folgen und der nächste Killer, das ikonische „Locust“ (2011) schließt sich an, bei dem man mit Fug und Recht von einem Klassiker sprechen kann. Sowohl Temperatur (Feuer-Fontänen kommen wieder gekonnt zum Einsatz) als auch Stimmungspegel und die geforderte Jump-Bereitschaft sind zu meiner Freude signifikant angestiegen. Sogar ein kollektives Singalong bei „BØNESCRAPER“ ist möglich. Und dann kommt es doch noch einmal auf, das Corona-Thema. Denn was die Band gemacht hat, waren sogenannte Acoustic Happy Hours. „We just jumped on Facebook Live, drank beer and played music“. Das war für Robb und die Band ein Rettungsanker und Möglichkeit, die Verbindung zu den Fans nicht komplett abreißen zu lassen. Und logo, nun folgt die wirklich tolle und bei entsprechender Lichtstimmung vorgetragene Akustik-Version von „Darkness Within“ (vom Album „Unto the Locust“, 2011) und sorgt für den Gänsehaut-Moment des Abends.

MACHINE HEAD, 06.05.2026, MHP Arena, Ludwigsburg | Foto: Claus Kullak
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Die dritte und letzte Stunde beginnt mit der Aufforderung zu einer Wall of Death, der die nun regelrecht aufgeheizte Menge im vorderen Drittel auch nachkommt und „Bulldozer“ (2001) einen würdigen Rahmen verleiht. Es folgen noch „From This Day“ (1999), dem man mit den Rap-Anklängen im Gesang die 90er anhört und das dennoch nach wie vor ganz schön klickt. Natürlich darf DER eine Song, den jeder kennt, nicht fehlen: „Davidan“ (vom Debut „Burn My Eyes“), der nach wie vor knallt und der seinerzeit in den USA für einen handfesten Skandal sorgte, weil der Refrain „Let Freedom Ring With A Shotgun Blast“, der im Song von einem Sektenmitglied der Davidaner ausgerufen wird, als gewaltverherrlichend interpretiert wurde. Dabei wird im Lied das heftige Scharmützel verarbeitet, das zwischen FBI und Sektenmitgliedern über 51 Tage in Texas stattfand und in der US-Öffentlichkeit für Erschütterung sorgte. Für den Abschluss, nach nun nicht vollen drei, aber immer zweieinhalb Stunden, sorgt das 9-minütige „Halo“ vom bereits erwähnten Kult-Ablum „The Blackening“ und rundet den Fucking Evening angemessen ab.

Auch das Ludwigsburg Publikum ist auf Betriebstemperatur gekommen und hat einer der großen Metal-Bands (und sich selbst) dann doch einen würdigen Konzertabend beschert, inklusive obligatorischem Social-Media-Selfie. Robbs Versprechungen wurden definitiv gehalten, ob seine Erwartungen so ganz erfüllt wurden, bleibt wohl ein Geheimnis. Für mich war der Ritt durch 30 Jahre Machine Head phantastisch. Alte Songs sind gut gealtert und die allermeisten haben etwas Zeitloses und einige sind zu wegweisenden Metal-Meilensteinen geworden, die sicherlich schon einige Nachwuchs-Metaller:innen geprägt haben. Ich werde definitiv jeder weitere „An Evening with…“ Tour besuchen, sollte es sie geben und kann das auch nur jedem und jeder geneigten Freund:in des metallischen Rock empfehlen!

MACHINE HEAD, 06.05.2026, MHP Arena, Ludwigsburg | Foto: Claus Kullak
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