THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark’s, Stuttgart

THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Zwischen Delta-Blues und dämonischer Liturgie verwandelten The Devil And The Almighty Blues das Goldmark’s in einen okkulten Klangtempel. Gitarren wie Beschwörungen, Stimmen aus dem Abgrund und ein Sound so schwer wie Weihrauch in einer brennenden Kirche.

„Me and the Devil Blues“ ist einer der bekanntesten Songs des großen Robert Johnson. Der Song erzählt von einer Legende. Johnson habe seine Seele an den Teufel verkauft und dafür den Blues bekommen. Eine Kreuzung in Clarksdale, Mississippi, erinnert mit einem Denkmal aus gekreuzten Gitarren noch immer an den Ort, an dem dieser Pakt vollzogen wurde. Auch an diesem Abend sollten wieder Gitarren gekreuzt werden. Und wieder gab es als Gegenleistung den teuflischen Blues für all jene, die zum Charlottenplatz gepilgert waren.

„Denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts.“
— 2. Korinther 11,14

THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Als ich das Goldmark’s betrete, ist die Bühne noch dunkel, aber die blutrote Rückwand wirft schon ihre Schatten voraus. Der Raum füllt sich schnell. Noch sind The Devil And The Almighty Blues so etwas wie ein Geheimtipp, ein Name, der leise unter Eingeweihten zirkuliert. Vielleicht, so erzählt man sich am Tresen, ist es einer der letzten Abende in solch intimer Atmosphäre.

„Und siehe, ein fahles Pferd; und der darauf saß, dessen Name war Tod, und die Hölle folgte ihm nach.“
— Offenbarung 6,8

Das Publikum wartet geduldig vor dem Altar aus Instrumenten, bis die apokalyptischen Reiter mit „Storm Coming Down“ einreiten.

„Oh, she rides in
On the devils back“

THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Arnt Andersen steht im Zentrum der Zeremonie. In schwarzer, bodenlanger Kutte, behängt mit Ketten und Ringen. Langes Haar, dichter Bart, wie ein abtrünniger Priester, der eine verbotene Liturgie vollzieht. An seiner Seite: Gitarrist Torgeir Waldemar Engen. Im tiefschwarzen Hemd, mit langem Haar und dunklem Hut, sieht er aus wie Andersens persönlicher Totengräber. Zwischen den beiden entsteht jene vertraute Atmosphäre, die den herausragenden Sound der Band trägt.

„Der Teufel hat Macht über jene, die sich der Dunkelheit hingeben.“
— Testament Salomos

Seit ihrer Gründung 2010 im Untergrund von Oslo haben „The Devil And The Almighty Blues“ einen Stil kultiviert, den sie selbst „Slow Rot Blues“ nennen. Eine schwere, von Delta-Blues durchtränkte Masse, die weder reiner Rock, noch Metal, noch Doom ist, aber Versatzstücke dieser Genres nutzt, um dem totgeglaubten Blues neues Leben zu schenken. Das Ergebnis ist ein Sound, der schwer, schleppend und trotzdem melodisch ist.

THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Herzstück des Auftritts ist das symbiotische Zusammenspiel der beiden Gitarristen Torgeir Waldemar Engen und Markus Berntzen. Die beiden harmonieren in einer Art, die an Robert Johnsons teuflischen Pakt erinnert. In einem stetig fließenden Wechselspiel teilen sie sich Lead- und Rhythmusarbeit auf. Wenn die eine Gitarre schwer wie eine verlorene Seele klingt, antwortet die andere mit einem Riff, das an das Leben glauben lässt. Ein dichter Soundteppich, kristallklar und gleichzeitig dreckig und bleischwer.

„Der Weg zur Hölle ist breit, und viele wandeln auf ihm.“
— Matthäus 7,13

THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Auf diesem Teppich thront Andersens Stimme, die von zwei Mikros aufgesogen wird. Das eine trägt seine raue, durchdringende Stimme klar in den Raum. Das andere verzerrt sie ins Dämonische, als käme sie von einem dunkleren Ort. Im roten Licht, im dichten Nebel, in der Gluthitze des Goldmark‘s entsteht so der Eindruck, als wären seine tiefgründigen Texte eine Beschwörung.

„Und der Rauch ihres Quals steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit.“
— Offenbarung 14,11

THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Die Setlist ist ein perfekt choreografierter Ritt durch die Diskografie der Band, die sich wie eine Schlinge immer fester um den Hals der Zuhörenden zieht. Dabei zeigt sich eine überraschend melodische Bandbreite. Momente von hypnotischer Schönheit wechseln sich mit brachialen Riffs ab. Jeder Basslauf von Kim Skaug vibriert in der Magengrube, während Drummer Kenneth Simonsen die Rhythmen mit der unbarmherzigen Präzision eines Pendels vorgibt, das über dem Abend schwebt. Das Publikum wiegt sich wie in Trance, völlig gefangen im staubigen Delta-Groove der Norweger.

„Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.“
— 1. Petrus 5,8

The Devil And The Almighty Blues weihen das Goldmark’s an diesem Abend mit Weihwasser aus Hingabe und Schweiß. Ein Konzert von roher Authentizität, getragen von perfektem Sound und einer fast okkulten Atmosphäre. Wie eine Flucht in ein Schicksal, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wie ein Pakt mit dem Allmächtigen. Besiegelt von zwei gekreuzten Gitarren.

THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark's, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Ein Gedanke zu „THE DEVIL AND THE ALMIGHTY BLUES, 05.05.2026, Goldmark’s, Stuttgart

  • 7. Mai 2026 um 21:55 Uhr
    Permalink

    Sehr schöner Text! Sehr anschaulich und natürlich düster!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.