FLOWERPORNOES, 02.05.2026, Laboratorium, Stuttgart

„Melancholie (griech. melancholia, Schwarzgalligkeit) ist ein Gemütszustand, der durch tiefe Traurigkeit und eine diffuse Sehnsucht gekennzeichnet ist. Sie wird oft als „bittersüße“ Stimmung empfunden, die nicht zwangsläufig eine Krankheit darstellt, sondern auch zu Kreativität führen kann“
(Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache).
Ein Hörbeispiel für besagten Gemütszustand gibt es an diesem Abend im Laboratorium in Stuttgart Ost zu erleben. Tom Liwa und die Flowerpornoes werden als die „Speerspitze des Indie Pop sowie der Hamburger Schule oder welche sonstigen Schubladen man sonst noch bemühen möchte“ anmoderiert.
Das erste Lied – „Seltsames Mädchen“ – beginnt zu schnell, im zweiten Anlauf gelingt das Tempo dann. Denn Liwa agiert sehr bedacht und ruhig und dies passt auch zu den meisten Tönen, die er anstimmt, den Texten, mit denen er poetisch, traurig und dennoch unverzagt trotzig Situationen und Krisen des Lebens besingt.

2012 schrieb die taz, Liwa sei der „beste deutsche Songschreiber mit dem überschaubarsten kommerziellen Erfolg“. Dies verhindert jedoch nicht, dass dieses Jahr das 40. Bandjubiläum gefeiert wird und es ein dementsprechend breites Werk gibt, aus dem Liwa schöpfen kann. So kündigt er auch an, dass dies ein „sehr langes“ Konzert werden könnte und ist dann überrascht von der selbst anberaumten Pause. Nach elf werde ohnehin nur noch spirituelle Musik gespielt und „viel von dem, was wir spielen, hat auch mit euch zu tun“, so Liwa. Und es stimmt – es gibt viele Zeilen, die (Achtung Kitsch-Triggerwarnung) eine innere Saite (also zumindest bei mir) zum Schwingen bringen.

Die Musik sei „seltsam as fuck“ singt er, doch an diesem Abend ist sie wunderbar, dank seiner unvermindert durchdringenden Stimme und der Band, bestehend aus Markus Steinebach am Bass, Giuseppe Mautone am Schlagzeug und Birgit BBQ Quentmeier an den Keyboards.
Nach der Ankündigung eines dreiviertelstündigen Sets zum Abschluss, „ohne irgendwelche Unterbrechungen oder Klatschpausen“ (was dann letztlich aber doch nicht ganz streng gehandhabt wird), einiger Solostücke (u.a. der Abrechnung seines Sohnes mit ihm) beschließen die Flowerpornoes den Abend als Band und mit zaghaft optimistischen und rockigeren Tönen. Halbwegs versöhnt mit der menschlichen Existenz und all ihren größeren und kleineren Unzulänglichkeiten verschwinden wir in der Nacht.

