SABABA 5, 02.05.2026, Dieselstraße, Esslingen

SABABA 5, 02.05.2026, Dieselstraße, Esslingen | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Vier israelische Musiker setzen ebenso unaufgeregt wie technisch virtuos auf multikulturelle Mittelmeer-Grooves mit exotischer Melodieführung und verbinden so auf elegante Weise osteuropäische und arabische Musikkultur

In Nahen und Mittleren Osten herrscht Krieg, täglich sterben viele Menschen. Die politische Entwicklung macht mich rat- und oft fassungslos. Immerhin zeigt der heutige Abend zumindest vorsichtig, dass Kunst und Kultur wahrscheinlich eher in der Lage sind, die Vision einer friedlichen und völkerverbindenden Zukunft zu schaffen als die alten, grauen, machtgierigen und verbitterten Männer, die die aktuelle Misere zu verantworten haben. Denn die israelische Band Sababa 5 verbindet in ihrer großartigen Musik Einflüsse aus der gesamten Region und zaubert daraus ein wunderbar harmonisches, rundes, gutgelauntes, beschwingtes und partytaugliches Ganzes, das zumindest mir ein wenig Hoffnung gibt, dass ein friedliches Zusammenleben im Nahen Osten irgendwann wieder möglich sein wird.

SABABA 5, 02.05.2026, Dieselstraße, Esslingen | Foto: Holger Vogt
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Gut zwei Jahre nach meinem ersten – rundum begeisternden – Konzert von Sababa 5 aus Tel Aviv im Merlin, ist es also endlich wieder so weit. Nachdem sie letztes Jahr auch im Stuttgarter Stadtpalais souverän überzeugen konnten (wie mir berichtet wurde), ist die Esslinger Dieselstraße erfreulich gut gefüllt und man fühlt sich im Kulturzentrum gleich sehr willkommen. Die Abendsonne strahlt im Außenbereich richtig sommerlich, nette Menschen finden zueinander und der Veranstalter hat kurzfristig sogar zu unserem Entertainment einen kundigen DJ fürs Foyer gebucht, der entspannten Gobal Beat und souligen Groove per Vinyl auflegt.

SABABA 5, 02.05.2026, Dieselstraße, Esslingen | Foto: Holger Vogt
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Es ist also angerichtet für ein Feelgood-Konzerterlebnis, als dass sich der Abend dann wie erhofft und erwartet auch erweist. Wobei ich die Band auf Tonträger gar nicht so spannend finde, denn da klingt ihr lässiger Oriental-Beat ein bisschen zu glatt und gefällig – auch weil die Band ja komplett ohne Vocals agiert. Live entwickeln Sababa 5 jedoch ganz andere Qualitäten. Erstens ist jeder einzelne Musiker ein instrumentaler Könner mit feinster Technik und ganz viel Gespür für nuancenreiches Zusammenspiel. Zweitens entwickelt das Teamplay auf der Bühne eine einfach nur mitreißende Dynamik. Das liegt auch am erkennbaren Wissen der Band, wie gut man eigentlich ist – was aber mit lässigem Understatement in Szene gesetzt wird. Alle vier geben sich zurückhaltend, höflich und aufgeräumt, der zehn Prozent weniger introvertierte Bassist Amir Sadot gibt den nonchalanten Conferencier, der mit wenigen Worten einige Songs erklärt.

SABABA 5, 02.05.2026, Dieselstraße, Esslingen | Foto: Holger Vogt
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Drummer Itamar Weinstein ist einer der bestens seines Fachs, die ich je auf der Bühne gesehen habe. Was er aus seinem kleinen Drumset (oder auch mal nur mit einem Tamburin) an rhythmischer Finesse und präzisestem Groove bietet, ist schlicht beeindruckend – selbst sein Drumsolo (was ja eigentlich niemand braucht) gerät außergewöhnlich kreativ und spannend. Tastenmann Eitan Drabkin ist für die psychedelischen Momente zuständig und sorgt mit abhebenden Moog- und ähnlichen Vintage-Synthie-Sounds für kaleidoskopische Klangflächen.

SABABA 5, 02.05.2026, Dieselstraße, Esslingen | Foto: Holger Vogt
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Chef im Ring ist aber Gitarrist Ilan Smilan. Mit stoischer Ruhe bietet er ein Feuerwerk an beeindruckenden Gitarrenläufen, versierter Riffarbeit und elastischen Licks. Mit seiner Halbakustischen sorgt er für den nahöstlichen Oriental-Vibe, der oft ein wenig nach Saz oder Oud klingt. Wie unaufgeregt und vollkommen fehlerlos er auch die rasantesten Melodielinien aus seinen Saiten zaubert: wow!

SABABA 5, 02.05.2026, Dieselstraße, Esslingen | Foto: Holger Vogt
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Stilistisch ist das smoother Nahost-Groove. Sababa 5 verbinden Oriental (Too Slow To) Disco mit nahöstlichem Folk, Hippie-Funk und Anadolu-Rock, Griechisches und Arabisches. Man merkt, dass bei dieser Band allein die musikalische Klasse reicht, um eine komplett fesselnde Konzertsituation zu schaffen. Denn Showelemente gibt es kaum – es sei denn man zählt Avocado-Socken in Sandalen an Gitarristenfüßen dazu. Auch gibt es kaum Bewegung auf der Bühne, keine expressive Körpersprache oder Mimik, schon gar keine animierenden Dance-Moves. Bei Sababa 5 genügt wissendes Lächeln der Musiker, während im Publikum zunehmend beseelt gegrinst wird. Und natürlich getanzt, denn die Uptempo-Songs zielen direkt auf Bein und Hüfte. Die ruhigeren Song entwickeln dagegen eine mystisch-psychedelische Tiefe. Es wird aber auch mal härter geprogrockt – alles immer auf staunenswertem technischem Niveau.

SABABA 5, 02.05.2026, Dieselstraße, Esslingen | Foto: Holger Vogt
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Nach den regulären 75 Konzertminuten wird im Zugabenblock noch mal beschleunigt – vor allem dieser formidable Sixties-YeYe-Stomper mit der Surfgitarre hat es in sich. Politik ist auch heute Abend kein Thema, aber vielleicht verspüre ja nicht nur ich in der Kraft dieser schönen Musik eine friedliche und menschliche Perspektive für die Zukunft der krisengebeutelten Region.

Joe Whirlypop

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