MICHAEL PATRICK KELLY, 27.04.2026, Schleyer-Halle, Stuttgart

„Traces“ – Gemeinsam mit Michael Patrick Kelly begeben wir uns auf die Spuren, die ihn vom Leben im Kloster in die ausverkaufte Schleyer-Halle geführt haben und uns ein Konzerterlebnis bescheren, das einen vor Energie beinahe sprachlos zurücklässt.
Seit nun mehr 15 Jahren verfolgen Madita und ich gemeinsam die Spuren von Michael Patrick Kelly. In einem kleinen Gemeindehaus in Ludwigshafen im Rahmen einer „Comeback“-Tour nach seiner Zeit im Kloster startete der unglaubliche Weg zurück in die größten Hallen Deutschlands. Ganz bewusst hat sich MPK dabei dazu entschieden, seinen Weg alleine zu gehen ohne seine Geschwister, die im Laufe der Jahre auch die Kelly Family zurück für ausverkaufte Tourneen vereinigt haben.
MPK hat seit seinem gemütlichen Konzert im Ludwigshafener Gemeindehaus massiv seine Präsenz hochgefahren. Es gibt keine Musik-Show im Fernsehen, in der er nicht seine Spuren hinterlassen hat. Ob bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ als Teilnehmer und Host oder zuletzt als Jury-Mitglied bei „The Voice-Kids“. Um es noch genauer zu nehmen, vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein Kelly im TV-Programm vertreten ist – nie im Trash-TV! MPK ist Vollblut-Musiker und nur um die Musik geht es ihm. All seine Emotionen, Ängste, Wünsche und Hoffnungen vermittelt er durch seine Musik – und heute findet er dafür den bisher größten Rahmen seiner Solo-Karriere.
Wie immer so auch heute – mit Ausnahme der Open-Air Konzerte – sind Kelly-Konzerte im Grunde genommen Sitzkonzerte. Und wie immer so auch heute, wird aus dem Sitzkonzert ein Stehkonzert, sobald die ersten Töne erklingen. Bevor dies geschieht, wird auf den acht Meter hohen LED-Wänden erst einmal das gesamte Merchandise-Paket vorgestellt. Wenn man so eine Werbefläche hat, warum nicht nutzen? Neben dem Leben als Vollblut-Musiker sind alle Kellys auch exzellente Geschäftsleute, die mit der Zeit gehen. Doch nun geht es wirklich los und die Gäste erheben sich.

Die Schleyer-Halle ist komplett in Dunkelheit gehüllt und auf den LED-Wänden entwickelt sich eine Sonnenfinsternis, deren leuchtender Ring immer greller wird und die Bühne erhellt. Alle schauen wie gebannt auf die Bühne, während sich im hinteren Teil der Halle unvorstellbarer Lärm ausbreitet. Die komplette Band bahnt sich ihren Weg durch das Publikum und betreten pünktlich zum am hellsten strahlenden Moment die Bühne und legen los mit dem ersten Track des neuen Albums „Traces“ – „Crossfire“. Schon beim zweiten Song „The One“ wird viel Liebe versprüht und wäre Madita nicht zum Fotografieren vor der Bühne, hätte ich sie fest in den Arm genommen und wäre MPKs´ Wunsch nachgekommen, diesen Song mit einer geliebten Person zu teilen. Auch die nächsten beiden Songs „Run Free“ und der Titelsong „Traces“ sind vom aktuellen Album und gefühlt die komplette Halle kann sie bereits fehlerlos mitsingen. Nach diesem furiosen Auftakt (Der Hintergrund der Bühne hat sich in eine riesige Wüstenlandschaft verwandelt und Nebelfontänen schießen in die Höhe) begrüßt MPK nun ausgiebig Stuttgart. Wir befinden uns heute Abend in seinem Safe Space. Für die nächsten drei Stunden sollen alle Sorgen vor den Hallentoren bleiben. Eine kleine heile Welt – zumindest für ein paar Stunden. Das fühlt sich ehrlich an. MPK nimmt sich auch immer wieder die Zeit, um einzelne Menschen im Publikum anzusprechen, wenn er etwas Besonderes entdeckt. Doch dazu komme er später noch expliziter, wenn er seine Paddy-Cam zückt. Die Stimmbänder des Publikums sind aufgewärmt und so übernehmen 10000 Leute den Refrain des folgenden „Blurry Eyes“. Ich bin wirklich beeindruckt und schaue mir verzückt den Spaß und die Hingabe des Publikums mit an. Auch MPK ist begeistert und bedankt sich bereits jetzt schon mehrere Male für so eine Stimmung an einem Montagabend.

Wie vorab bereits erwähnt, haben wir MPK das erste Mal nach seiner Klosterzeit in einem kleinen Gemeindehaus in Ludwigshafen gesehen. Ein paar Instrumente auf der Bühne, keine Band und der Höhepunkt war ein kleiner Spaziergang von ihm durch den Saal, bei dem er High Fives verteilte. Kein Vergleich zum jetzt gespielten „Wild Flower“. MPK hat ein absolutes Händchen für Radio-Hits, die ihre volle Wucht in den großen Hallen entfalten. Das hat auch Lady Gaga vor 15 Jahren nicht besser hinbekommen – nur das MPK dafür weniger Show benötigt. Die Setlist bis jetzt besteht mit ein paar Ausnahmen nur aus Songs des neuen Albums. Auch der nächste Song ist von der aktuellen Platte „The Day My Daddy Died“. – Und hier kommt nun mein einziger wirklicher Kritikpunkt an diesem Abend. Es ist eine wunderschöne, emotionale Ballade – aber für mein Empfinden einen Tick zu viel. Aufdringlich wäre ein zu hartes Wort. MPK zieht nach dieser sehr stillen Nummer das Tempo wieder an mit dem nächsten Pop-Hit „Wonders“ und dem härtesten Song des Abends „Lazarus Rising“. Wie schon bei „Sing meinen Song“, kann sich MPK die unterschiedlichsten Genres aneignen, seinen eigenen Stil genial untermischen und gefühlt Stadion-Hymnen daraus erschaffen. Was dabei auch nie fehlen darf – bei allen Kellys – sind die Geschichten hinter den Songs, die zu dessen Entstehung beigetragen haben. Das ist eine absolute Besonderheit – man möchte unbedingt das Publikum mitnehmen. Es soll verstehen, hinterfragen und auch den Blick öffnen auf Themen, die sonst im Irrsinn des Alltags untergehen. So auch bei „Keep Hope Alive“, dessen Inhalt auf der Geschichte eines amerikanischen Polizisten in San Francisco beruht, der unzählige verzweifelte Menschen am Sprung von der Golden Gate Bridge gehindert hat, in dem er an die Hoffnung appelliert, dass alles sich zum Guten wandelt.

Wir kommen, wie von MPK angekündigt bereits zur dritten Stunde des Konzertes! Von nun an folgt gefühlt ein Highlight dem anderen. Denn auch in Stuttgart hat MPK einen besonderen Gast dabei. Die diesjährige Gewinnerin von The Voice Kids, aus seinem Team, die 13-jährige „Katelyn“, darf auf die Bühne kommen und gemeinsam singen sie ihren Siegersong „You Raise Me Up“ von Secret Garden. Schon im Fernsehen war ihre Stimme unglaublich gut aber live ist es nochmal um ein Vielfaches beeindruckender – in ihrem Alter war ich ein lustloser Klarinetten-Spieler, der auf Wunsch der Eltern jetzt auch noch Saxophon lernen soll (peinlich). Um noch einmal auf Lady Gaga zurückzukommen – als zweiten Song haben sich MPK und Katelyn „Shallow“ ausgesucht, der schlichtweg für Gänsehaut sorgt in allen Reihen. Katelyn verlässt sichtlich gerührt vom enormen Applaus des Publikums die Bühne und MPK schnappt sich nun seine Kamera und sucht nach einem Geburtstagskind. Gesucht gefunden und ein Ständchen wird gesungen – im nächsten Moment sieht er ein Kelly-Family Banner und nimmt dies zum Anlass, den einzigen Kelly-Song des Abends zu spielen, dessen Musikvideo ihm laut eigener Aussage heute etwas peinlich ist – „Fell In Love With An Alien“.
Unter tosendem Applaus erlischt das Licht und MPK samt Band scheint für einige Minuten verschwunden zu sein, bevor sie in mitten des Publikums auf einer kleinen Bühne wieder auftauchen. Was hatten wir an diesem Abend noch nicht? MKP hat gerappt, gerockt, Pop Hits und Balladen gesungen.
A Capella!
„Love Found Us“ und „Hope“ werden uns in einer wunderschönen A Capella Version dargeboten, bei der die gesamte Band auf einer kleinen Bühne steht. Es wirkt wie eine singende italienische Statue und das Publikum kann nun MKP für einen kurzen Moment ganz nah sein. Nach den beiden Songs bedankt er sich sichtlich berührt und verteilt auf dem Rückweg zur Bühne wie damals High Fives.
Als Höhepunkt des Abends bekommen wir nun alle restlichen Radio-Hits zu hören, bei denen man jedes Mal aufs Neue denkt – ach ja stimmt, das gibt es ja auch noch! „America“, „ID“, „Shake Away“, „Thank You“ und „Beautiful Madness“. All die Songs hat sich MPK für das Ende aufgehoben – manch Anderer wünscht sich, er hätte nur einen davon in der gesamten Setlist. Ein letztes Mal richtet MPK das Wort an das Publikum. Er bedankt sich von Herzen für den unvergesslichen Abend und das Stuttgarter Publikum bedankt sich lautstark für sagenhafte 3 Stunden voller Hits, gefühlvollen Balladen und tollen Überraschungen auf der Bühne, vor der Bühne und im Publikum.
Und mit „Holy“ führt uns MPK an den Ort zurück, an dem er sich für den Neustart entschied. Ein letzter Song, entstanden im Kloster, der diesen gewaltigen Abend mit ruhigen Klängen zu Ende gehen lässt.
