HELLSONGS, DAVE COLLIDE, 21.04.2026, Goldmark’s, Stuttgart

Als beim Metal-Quiz im Schwarzen Keiler die neue Kategorie „Metal Cover“ eingeführt wurde, witterte ich Morgenluft. Sollte meine Phase chronischer Ahnungslosigkeit schlagartig durch mein profundes Wissen der schwedischen Metal-Cover-Band Hellsongs beendet werden? Mitnichten. Gesucht werden dort leider immer irgendwelche obskuren Metal-Bands, die schwer wiederzuerkennende Covers von einigermaßen bekannten Popmusik-Titeln machten. Also exakt das Gegenteil von Hellsongs. Wieder nichts mit meinem Beitrag zur Teamleistung.
2008 war es, dass ich die schwedische „Lounge Metal“-Band im Universum gesehen habe und gewissermaßen auf Umwegen die Tür zum mir bisher völlig unbekannten Genre Metal aufgestoßen habe. „Run to the Hills“ war für mich eine wunderbare Ballade zu einem ernsten Thema und das in der Recherche gefundene Original hat mich erstmal schockiert. Der Lerneffekt war aber, dass hinter vielen dieser martialischen Lärm-Monster wunderschöne Songs stecken. Genau das Erfolgsrezept der Hellsongs.
Achtzehn Jahre später stehe ich im Goldmark’s und wundere mich. Warum spielt die Feelgood-Kombo ausgerechnet in Stuttgart härtestem Punkrock-Schuppen? Wer sind all die Leute? Im Vergleich zu sonst sieht heute alles so gesittet aus. Sind das hier alles Altmetaller, die ihre Kutten daheim gelassen haben? Oder Popmusik-Fans, die mit Metal gar nichts am Hut haben?

Egal, der Support Act passt auf jeden Fall zum Goldmark’s. Acoustic Punker Dave Collide kommt „von hier ums Eck“. Er gehöre eigentlich schon fast zum Inventar des Clubs, meint er, und er freue sich, heute ausnahmsweise mal im Sitzen spielen zu dürfen. Zum Anlass passend hat er ein paar ruhigere Songs ausgewählt. Und die bringt er mit viel Energie und einem gewissen Lausbuben-Charme zu Gehör. „This Addiction“ von Alkaline Trio klingt bei ihm, als wenn es von Frank Turner stammen würde. Überhaupt ist der große englische Barde meine erste Assoziation. Und genau wie der schafft es auch Collide, das Publikum zu Singalongs zu animieren. Seine eigenen Kompositionen halten locker mit den Covers mit. „To Those it Belongs“ ist ein aufrechter Protestsong und „Anker“ eine ergreifende Erinnerung an einen verstorbenen Freund. Ein gelungenes Warm-up und den angekündigten Gig mit seiner Band The Everkids am 02. Oktober nehmen wir mal auf unseren Kalender.

Auftritt Hellsongs. Um die Band war es in den letzten Jahren recht ruhig, ich habe sie ehrlich gesagt auch aus dem Blick verloren. 2024 veröffentlichten sie dann ein Comeback-Album unter dem Titel „Return of the Hellsingers“. Am Grundkonzept haben sie nichts geändert, überraschend arrangierte, weichgespülte Covers von Klassikern der harten Musik dominieren, aber es gibt auch einige Eigenkompositionen. Von der Originalbesetzung aus dem Jahr 2006 ist nur noch das Mastermind Kalle Karlsson an Bord. Mit dem Schlagzeuger Daniel Olsson und den drei Sängerinnen Anna Andersson, Maria-Terese Olsson und Petra Björnsdotter hat sich die Band auf ein Quintett erweitert. Die drei Musikerinnen gehen nicht nur im Wechsel ans Mikro, sondern wechseln auch munter zwischen Keyboard, Bass und Gitarre. Dies und die Möglichkeit zum mehrstimmigen Gesang eröffnet einige neue Klangfarben.

Ihren über die Jahre erworbenen Ruf als hervorragende Liveband stellen die Hellsingers umgehend unter Beweis. Mit dem AC/DC Cover „TNT“ holen Sie das Publikum bereits beim ersten Song ab. Ein Abend voller Singalongs zeichnet sich ab. Bei „War Pigs“ und „Breaking the Law“ steigt die Stimmung noch weiter, Band und Publikum schaukeln sich gegenseitig zu immer mehr Dynamik hoch. Ausflüge ins Publikum sind selbstverständlich. Keine Frage, die Hellsongs sind eine gut geölte Live-Maschine, die Setlist ist wohldurchdacht und die Ansagen witzig – teilweise sogar auf Deutsch. Höhepunkt der ersten Konzerthälfte ist aber definitiv – auch achtzehn Jahre später wieder – Iron Maiden’s „Run To The Hills“, das vom Publikum derart lautstark gesungen wird, dass die Band ihre Arbeit einstellen kann.

Sollte man sich gefragt haben, ob das musikalische Konzept der Musiker:innen aus dem Lande ABBA’s auch nach so langer Zeit noch aufgeht, kann man hier und heute feststellen, dass es ganz offensichtlich nichts an seiner Attraktivität eingebüßt hat. Zumindest nicht bei dem, wenn auch überschaubaren, aber umso engagierteren Fan-Publikum. Und es ist klar, dass das Konzert-Ende mit Judas Priest’s „United“ noch lange nicht erreicht ist. Die Rufe nach Zugabe sind massiv und werden umgehend erhört.

Die Extrarunde fällt entsprechend üppig aus. Mit „Basket Case“ von Green Day, Motörheads „Just Because You Got The Power“ (in einer funky Dance-Version) und dem Crowd-Pleaser „We’re Not Gonna Take It“ schwingen sich alle gemeinsam zu einem Grande Finale auf.
Und ich denke, dass es nun nach mehr als zwanzig Jahren Hellsongs an der Zeit wäre, dass eine Metal-Band eines der Hellsong-Originale covert. Das in der Zugabe platzierte „Calling Them Out“ wäre dazu hervorragend geeignet. Dies wäre schon allein deshalb zu wünschen, dass ich in einer zukünftigen Ausgabe des Keiler-Metal-Quiz endlich meinen lang ersehnten Punkt machen kann.

Setlist
TNT (AC/DC Cover)
War Pigs (Black Sabbath Priest Cover)
Breaking the Law (Judas Priest Cover)
The Evil That Men Do (Iron Maiden Cover)
Paranoid (Black Sabbath Cover)
Never Again
Killing In the Name (Rage Against The Machine Cover)
Run To the Hills (Iron Maiden Cover)
Thunderstruck (AC/DC Cover)
Symphony of Destruction (Megadeth Cover)
United (Judas Priest Cover)
Basket Case (Green Day Cover)
Calling Them Out
Just Because You Got The Power (Motörhead Cover)
We’re Not Gonna Take It (Twisted Sister Cover)
