THE WAVE PICTURES, 18.04.2026, Manufaktur, Schorndorf

THE WAVE PICTURES, 18.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Oliver Wendel
Foto: Oliver Wendel

The Wave Pictures, Musik für beinharte Indie-Rock-Ultras, unaufgeregt und ohne Firlefanz. David Tattersall und seine „hohlköpfige Rhythmusgruppe“ überzeugen mal wieder in der Manufaktur.

Das Aufregendste an den Wave Pictures ist, dass es so überhaupt nichts Aufregendes an Ihnen gibt. Seit 28 Jahren ist das Indie-Rock-Trio nun schon unterwegs. Produziert kontinuierlich gute bis sehr gute Alben und ist inzwischen mit seinem aktuellen, zwanzigsten (!) Studio-Album „Gained / Lost“ auf Tour. Erfreulicherweise schauen die drei aus Leicestershire auch mal wieder in der Manufaktur vorbei, diesem „Historic Venue“, wie Frontmann David Tatersall in einer seiner wenigen Ansagen betont. Der Konzertsaal ist sehr gut gefüllt. Ob dies auch daran liegt, dass es in der März-Ausgabe des Rolling Stone ein vierseitiges Feature über die Wave Pictures gab?

THE WAVE PICTURES, 18.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Oliver Wendel
Foto: Oliver Wendel

Ein kurzer Blick in meine Konzertliste zeigt: 2013 habe ich die Wave Pictures zum ersten Mal gesehen. Damals noch im kleinen Raum des Komma in Esslingen. Um ehrlich zu sein, musikalisch hat sich bei den drei Briten seitdem praktisch nichts geändert. Es ist weiterhin dieser geschmeidige, zeitlose Indie-Rock – komplett unaufgeregt und gleichzeitig mit virtuoser Eleganz dargebracht – der eigentlich nicht wirklich in mein musikalisches Beuteschema passt. Ja, wäre da nicht dieser Frontmann, der mit seiner unverkennbaren knödligen Gesangsstimme, seinem filigranen Gitarrenspiel und skurrilen Lyrics aus jedem dieser Songs ein kleines Kunstwerk mit einer ganz eigenen Magie macht.

Aber zuerst mal genießt er seine Fanta Orange, die ihn („A trip down memory lane“) an Ferienreisen seiner Kindheit erinnert.

THE WAVE PICTURES, 18.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Oliver Wendel
Foto: Oliver Wendel

Die Songs sind durchweg unterhaltsam und eingängig. Jeder von Ihnen wird mit einem ausgiebigen Gitarrensolo garniert, von denen jedes für sich ein Kabinettstückchen an gehobener Saitenkunst ist. In der gleichförmigen Wiederholung wirkt der Konzertaufbau dann über die Zeit aber doch etwas ermüdend. Dabei ist es wirklich faszinierend, wie ungerührt mit gerade stoischer Miene Tattersall das alles rausgniedelt. Nur hin und wieder spielt ein kleines Lächeln über die Lippen, zum Beispiel dann, wenn das Publikum – ganz jazz-mäßig – diese Soli beklatscht.

Höhepunkt der Bühnenshow ist ein kurz angedeuteter Hüftschwung beim locker dahinschunkelnden Country-Song „Sweetheart“, ansonsten findet der Gig in komplett statischer Bühnenanordnung bei nur minimal veränderten Lichtstimmungen statt. Das ist Musik für beinharte Indie-Rock-Ultras, ohne jeglichen Firlefanz und Glamour. (Kollege Whirlypop erfand dafür 2023 das Sub-Genre Indie-Pubrock). Erfreulicherweise darf Drummer Jonny Helm wieder einige Songs gesanglich übernehmen, z.B. „Samuel“ vom neuen Album. Was ich 2013 noch als ulkiges Intermezzo wahrnahm, ist jetzt ein Höhepunkt im Set. Helm ist nämlich mit einer beeindruckenden Singstimme gesegnet. Und auch Bassist Franic Rosycki bekommt seine Auftritte mit Bass-Soli, die denen des Saiten-Kollegen Tattersall um nichts nachstehen. Auch wenn der Frontmann seine Mitmusiker im Rolling Stone liebevoll-ironisch als „die hohlköpfige Rhythmusgruppe“ bezeichnet hat, ist es mehr als offensichtlich, dass die drei in zweieinhalb Jahrzehnten ein unfassbar gut eingespieltes, sich blind verstehendes Team geworden sind.

THE WAVE PICTURES, 18.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Oliver Wendel
Foto: Oliver Wendel

Nach gut einer Stunde endet das offizielle Set mit „Smell the Ocean“, das von einem fulminanten Drum-Solo gekrönt wird. Zur Zugabe setzt sich Helm dann gar nicht mehr hinter sein Drum-Set, sondern gibt an Tattersalls Gesangsmikro das stimmungsvolle „Sparklers“ wieder. Nur von Gitarre und Bass begleitet, ist es ein Song-Kleinod, dass mir in dieser Minimalversion weit besser gefällt als auf dem Album, wo es mit Drums, Steel Guitar und Backing Vocals angereichert wird. Ein Konzerthöhepunkt. Nach zwei weiteren Songs endet der Zugaben-Block, aber das inzwischen sehr euphorisierte Publikum lässt das Trio nicht ohne einen weiteren Zuschlag gehen.

Und dieser wird – wie auch schon bei früheren Gigs – mit Publikums-Wünschen bestückt. Man einigt sich auf „Shelly“, „Spaghetti“ und „Lisbon“. Danach sei dann aber wirklich Schluss, betont Tattersall, er brauche jetzt dringend eine Zigarette. Mit diesen drei Publikums-Lieblingen als Grande Finale steigt die Stimmung nochmal erheblich, es wird vehement mitgeklatscht. Und es bestätigt, dass die Wave Pictures als gewiefte Live-Bands genau wissen, wie man ganz zum Schluss nochmal alles gibt, um den Wunsch nach einem baldigen Wiedersehen in die Herzen der Fans zu pflanzen.

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