VALENTINO VIVACE, 18.04.2026, Schon Schön, Mainz

VALENTINO VIVACE, 18.04.2026, Schon Schön, Mainz | Foto: Sébastien Wenk
Foto: Sébastien Wenk

Man kennt sie, diese äußerst geschmackssicheren Menschen im eigenen Bekanntenkreis, deren Musikempfehlungen man in einhundert Prozent der Fälle ungeprüft folgen kann. Ich bin das für Gig-Blog-Kollege Lino. Kleiner Scherz. In Wahrheit verhält es sich so, dass wir das Privileg genießen, von Carlos Valderrama aka Gaetano (Fitness Forever, Popa, der Gig Blog betreibt hier keinerlei Gatekeeping) regelmäßig auf das allerfeinste Zeug aufmerksam gemacht zu werden, das derzeit im (erweiterten) Genre Italo Pop im Umlauf ist.

Nur dank diesem exklusiven, über viele Jahre hart erarbeiteten Spezialwissen finden wir an diesem Samstagabend den Weg zum Valentino-Vivace-Konzert nach Mainz. Aber wo kommen bloß die ganzen anderen Leute her? Das Konzert ist ausverkauft und der Andrang riesig. Natürlich super für die Band, aber ein bisschen skeptisch sind wir schon. Hoffentlich kein Italo-Schlager-Publikum. Zum Glück stellt sich das schnell als unbegründetes Vorurteil heraus. Die Mainzer Pop-Gemeinde ist uns einfach meilenweit voraus und hat Ahnung von guter Musik. „Woher kennt ihr die Band?“ fragt uns eine nette Konzertbesucherin interessiert. Sie berichtet uns, dass sie Valentino Vivace bei einem Festival in Darmstadt gesehen hat und seitdem ein riesiger Fan ist.

VALENTINO VIVACE, 18.04.2026, Schon Schön, Mainz | Foto: Sébastien Wenk
Foto: Sébastien Wenk

Wir stehen direkt vorm Mischpult und haben einen ganz guten Überblick über die Crowd. Viele Frauen, das finde ich gut und viele junge Leute. Die Bühne ist mit einem Neon-Vivace-Schriftzug geschmückt, im Hintergrund hängen Neonröhren in Form zweier Vs. Es geht pünktlich los, Vorgruppe gibt es keine.

Vielleicht gehe ich auf die falschen Konzerte (vermutlich), aber eine derart super Stimmung wie hier habe ich selten bei Auftritten erlebt. Das Publikum geht von Anfang an begeistert mit und beteiligt sich bereitwillig an den wohldosierten kleinen Choreos (Handclaps, wogendes Meer aus Armen), zu denen die Gruppe animiert.

VALENTINO VIVACE, 18.04.2026, Schon Schön, Mainz | Foto: Sébastien Wenk
Foto: Sébastien Wenk

Und das Tolle ist, diese Songs sind keineswegs jeden empfindsamen Menschen beleidigende Bierzelt-Schunkler, sondern ganz feine Italo-Pop-Perlen. Manche mit French-House-Einschlag, andere mehr in Richtung Indie gehend oder Seventies Disco à la Moroder. Auch Nile Rodgers oder Sound of Arrows und natürlich Calcutta fallen uns als Referenz ein.

Ich bin begeistert, dass ich mit meinen seit Jahren auf solidem A1-Niveau dahin dümpelnden Italienisch-Kenntnissen fast alle Ansagen verstehe. Valentino Vivace sind Schweizer, allerdings aus dem italienischsprachigen Teil, das heißt auf Englisch oder Deutsch wird nur ganz wenig gesagt.

VALENTINO VIVACE, 18.04.2026, Schon Schön, Mainz | Foto: Sébastien Wenk
Foto: Sébastien Wenk

Die Band hat bisher zwei Alben rausgebracht, das dritte kommt Ende Mai und ist hier auf dem Konzert schon erhältlich. Ich bin begeistert angesichts der Menge an absolut unwiderstehlichen Hits, die diese Gruppe im Programm hat. Zu meinen Favoriten gehört die Indie-Pop-Hymne „Come mai“ sowie „Meteoriti“ mit den schönen Synth-Arpeggios vom gleichnamigen Album von 2022.

Dann natürlich die unfassbaren Banger „RGB“, „Eroi“ und „Hulahoop“ vom Nachfolgealbum „Discoteca Vivace“ (2025). Bei „RGB“ geht es um den gleichnamigen Farbraum. „Rosso, giallo, blu, tu – entra nel mio cerchio cromatico“, also zu Deutsch „Rot, gelb, blau, du – tritt in meinen Farbkreis ein.“ Zu „Eroi“ gibt es ein cineastisches Video in softer Spaghetti-Western-Ästhetik. Bei „Hulahoop“ kommt live – es bietet sich an – ein Hulahoop-Reifen zum Einsatz. Das Stück hat zudem den besten und eingängigsten Chorus, den ich seit langem gehört habe.

VALENTINO VIVACE, 18.04.2026, Schon Schön, Mainz | Foto: Sébastien Wenk
Foto: Sébastien Wenk

Absolut meisterhaft ist „Fiore“ vom kommenden Album „Oscillare“ (2026). Liebe das melancholische Gitarren-Intro, das sanft antreibende Schlagzeug, das kleine „wohoo“ nach dem ersten Refrain, die stetige Steigerung, die Saxophon-Parts, den wunderschönen Text. Was mir auch sehr gut gefallen hat ist, wie gerührt und fast ungläubig die Band auf die große Begeisterung des Publikums reagiert hat. Sehr sympathisch.

Wir kaufen am Merch das letzte „Discoteca Vivace“-T-Shirt, selbstverständlich mehrfach die neue Platte und es muss natürlich noch ein Erinnerungsfoto mit Mastermind Valentino himself gemacht werden.

Bester Abend, neue Lieblingsband ins Herz geschlossen.

VALENTINO VIVACE, 18.04.2026, Schon Schön, Mainz | Foto: Sébastien Wenk
Foto: Privat

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