GRANDMAS HOUSE, 15.04.2026, Merlin, Stuttgart

Grandmas House überzeugen mit ihrem Sound, der fest im Post-Punk und Grunge verwurzelt ist, indem sie diesen Genres ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken.
2018 gründeten Yasmin Berndt (Gesang, Gitarre), Poppy Dodgson (Gesang, Schlagzeug) und Zoë Zinsmeister (Bass) die Band Grandmas House in Bristol. Bristol gilt spätestens seit dem internationalen Erfolg von Idles als Brutstätte spannender und intensiver (Post-)Punk-Bands. Und intensiv ist der Sound von Grandmas House, überzeugt aber bei aller Energie auch mit feinen Melodien und einem komplexen Gitarrensound, besonders seit die Band, durch die zweite Gitarristin Polly zum Quartett angewachsen ist. Bisher wurden mehrere EPs veröffentlicht, zuletzt 2025 „Anything For You“ mit dem großartigen Song „Haunt Me“, der sich bei mir schon beim ersten Hören tief in meine Gehörgänge eingefressen hat.

Ein freudiges „Hello here we are“ gibt´s von Yasmin Berndt zur Begrüßung, und Hallo, Grandmas House sind von den ersten Takten an richtig hier; was für eine rohe Energie die vier Engländerinnen gleich zu Beginn dem Publikum entgegenschleudern. Und bereits ab dem zweiten Song „Nothing Special“ wird das Set schon Moshpit tauglich, die Band gibt sich erst gar nicht mit einem langsamen Dramaturgieaufbau ab, hier gibts, in bester Punk-Manier unvermittelt eine auf die Zwölf, Wow! Aber das ist nicht nur gnadenlos nach vorne gespielt, die Musikerinnen verstehen es in all dieser kompromisslosen Rohheit nuancierte Atmosphären zu erzeugen, was sie bereits mit dem dritten Track „Screw It Up“ formidable unter Beweis zu stellen vermögen. Beeindruckend, wie sie innerhalb dieser massiven Dynamik eine fast schon verhalten zu nennende Düsternis erzeugen, getragen von Zoë Zinsmeisters tiefen Basslandschaften und den feinen und doch kraftvollen Drumpatterns Poppy Dogsons.

Was aber ganz besonders ins Ohr sticht, ist diese einzigartige Stimme von Yasmin Bernd. Sie durchdringend zu nennen, wäre untertrieben, rauchig trifft es auch nicht wirklich. Bernd hört sich an, als ob sie mit Reißzwecken und Whisky gurgeln würde und es trotzdem schafft, rund und harmonisch zu klingen, und wenn Yasmins Sprechgesang sich dann noch mit den zurückhaltenderen Stimmlagen von Poppy und Zoë abwechselt, entsteht etwas ganz Unverwechselbares. Es ist ein Set, das sich zwischen Wut und Versöhnlichem bewegt, zwischen aggressivem Post-Punk und Melodik mit lyrischem Tiefgang.

So wie zum Beispiel im Song „Screw It Up“ in dem disfunktionale Beziehungen, unterdrückte Gefühle und chaotische Energien thematisiert werden:
„And I screwed up, I screwed on tight
If I don’t think, then I’ll be alright
And I see it all, now the lights are bright
Can’t see your face, yeah, I’ll be alright“

Das alles ist zwischen Wut und einer in der Tiefe liegenden Melancholie angelegt, ummantelt von Yasmin Bernds rauchigem Timbre. Das ist wahre Melancholie ohne jegliche Gefühlsduselei, das geht dahin, wo es weh tut, ohne weinerlich zu sein. Und dazu noch diese tighte, ungekünstelte Bühnenpräsenz, das macht richtig Spaß, sodass der Aufforderung ans Publikum zu moshen, auch unverzüglich nachgekommen wird. Der Schweiß fließt sowohl bei den Musikerinnen als auch beim Publikum. Apropos Bühnenpräsenz: Ausgesprochen sympathisch ist auch die witzige, ironische und unprätentiöse Kommunikation mit den begeisterten Konzertbesucher*innen. Launig wird über Befindlichkeiten und Inhalte geplaudert und ist ausgesprochen ehrlich, als man darum bittet, nach dem Gig doch etwas von dem wunderschönen Merch zu kaufen, denn wir lieben Geld, meint Yasmin augenzwinkernd. Und so eine großartige Band muss auch unterstützt werden, denn hinter den immer wieder durchklingenden Vorbildern wie Breeders, Nirvana oder jüngeren Acts wie Idles oder Sprints, müssen sich Grandmas House absolut nicht verstecken.

Gegen Ende gibt es dann noch den neuen Song „Body“, der das musikalische Spektrum noch mal erweitert, klingen nun auch noch hypnotische Stoner-Rock-Elemente an, die einen ganz eigenen Sog entfalten. Die aktuelle Single „Dog“ ist dann nach einer knappen Stunde auch leider schon der regulär letzte Song, dieses grandiosen Konzerts. Eine Zugabe wird uns dann noch gegönnt, auch wenn wir gerne noch mehr gehört hätten. So, jetzt geht’s aber an den Merchtable …


Sehr treffend beschrieben, eine sehr gute Konzertbeschreibung…tolle Bilder von Holger… gelungen…
Genau so war’s…ALLE hatten zusammen Spaß und es wurde „barrierefrei“ getanzt, jede/r nach ihren/seinen Möglichleiten, mehr oder weniger wild…Danke@Merlin: euer Booking ist grandios!