HEAVYSAURUS, 12.04.2026, Liederhalle, Stuttgart

HEAVYSAURUS, 12.04.2026, Liederhalle, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Dinos beißen nicht… Dinos rocken! Heavysaurus bieten einen kindgerechten Zugang zu härterer Gitarrenmusik.

Kommen ein Tyrannosaurus Rex, eine Ceratopsia, ein Apatosaurus, ein Stegosaurus und ein Drache(!) auf die Bühne. Das ist nicht der Anfang eines ungelenken Paläontologie-Witzes, so beginnt die musikalisch solide, handwerklich auf hohem Niveau präsentierte Show im vollen Hegel-Saal der Liederhalle, die konzeptionell durchdacht ist und ihr anvisiertes Publikum ernst nimmt. Nur legten eben keine „normalen“ Musiker:innen los, sondern die fünf „Schreckensechsen“ von Heavysaurus

Dino-Metal is the Law

Die Entstehung der Band und wer den Dino-Metal erfunden hat erklärt ein Sprecher aus dem Off zu Beginn des Konzertes. Und alle Figuren auf der Bühne haben eine ausgearbeitete Biografie: Komppi Momppi (der große hinter den Drums, der immer Hunger hat), Muffi Puffi (der Junge Wilde der Band, der immer nur Blödsinn macht), Milli Pilli (die Keyboarderin die in ihrer Freizeit Modebloggerin ist), Riffi Raffi (der Drache an der Gitarre) und Mr. Heavysaurus (der charimatische Chef der Band). Und wer will, kann das alles zu Hause in weiteren Geschichten nachhören, in den Streamingdiensten oder (natürlich) auf Tonies. So ist es nur konsequent, dass auch die Platten der Band auf dem Label EUROPA verlegt sind, dessen ikonisches Logo wir alle noch von den Hörspielen unserer Kindheit kennen.

HEAVYSAURUS, 12.04.2026, Liederhalle, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Musikalisch präsentieren Heavysaurus Songs, die auf Heavy-Metal und klassischem 80s-Hard-Rock aufbauen und deren Riffs und Melodieführungen an etablierte Genre-Standards angelehnt sind. Mal wird eine thrashige Double-Bass-Drum angedeutet, mal klingt die Gitarre als wären wir bei der Metal-Band Sinner. Die wenigen umgetexteten Coverversionen im Set erfreuen nicht nur die Älteren, die das Original kennen (aus „Rock you like a Hurricane“ wird „Dinos woll’n euch tanzen sehn“) und eine Irish-Folk-Pink’ige Melodie wie man sie von Bands wie den Dropkick Murphys kennt, baut das musikalische Spektrum noch weiter aus.

Wir machen das hier, damit eure Kinder später mal nicht Helene Fischer hören…

Inhaltlich bilden Freundschaft, Zusammenhalt und Umweltschutz die drei Säulen des Dino-Metals, wobei manchmal auch von Süßigkeiten („Kaugummi ist mega“) und wilden Partys gesungen wird. Der pädagogische Anspruch bezieht sich aber nicht nur auf diese Themen, sondern immer wieder auch auf das Kernthema der Band: Metal. Mr. Heavysaurus zieht sich hierfür zu einer Ansage seinen „schlauen Kittel“ an und doziert an einem Flip-Chart konkret über die verschiedenen Genres, von Heavy- über Power- und Thrashmetal bis hin zu Hardcore. Immer mit dem Anliegen, dass der Nachwuchs irgendwann nicht von den seichten Verlockungen des Schlagers auf den falschen Weg geleitet wird.

HEAVYSAURUS, 12.04.2026, Liederhalle, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Diese fast sketch-artigen Bühneninteraktionen geraten für mich als Erwachsenen manchmal etwas zu lang, aber den Kids scheint es zu gefallen, also alles richtig so. Und auch wenn Dinos eher klobige Kreaturen sind bewegen sich diese Exemplare hier auf der Bühne routiniert und gut aufeinander abgestimmt. Dass Heavysaurus über 100 Konzerte pro Jahr spielen hilft da sicher. Und auch dass in den Kostümen gestandene Metaller stecken, die viele Jahre Banderfahrung in den Fingern haben und sich beim sauberen Spielen ihrer Instrumente nicht von Einschränkungen in Blickfeld und Bewegungsfreiheit stören lassen.

Keine Erwachsenen vor der Bühne erlaubt

Im Kids-Only-Pit direkt vor der Bühne (keine Erwachsenen erlaubt) ist immer Bewegung. Es wird von Anfang an mitgesungen und unter der Animation von Mr. Heavysaurus begeistert mitgeklatscht. Und natürlich die im Metal ganz wichtige „Pommesgabel“ in die Luft gereckt. Und wo wir Erwachsenen Bühnen-Show-Elemente mit langjähriger Konzerterfahrung fast gelangweilt hinnehmen sind die Pyros und vor allem die riesigen Luftballons und die Konfetti-Kanone, die immer mal wieder Luftschlangen abfeuert, für viele im Pit ein absolutes Highlight.

HEAVYSAURUS, 12.04.2026, Liederhalle, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Lautstärke ist bei Konzerten ein wichtiges Thema, erst recht natürlich bei einem Kinderkonzert. Es war schon recht laut, wie es sich für ein echtes Metal-Konzert ja auch gehört. Die Regler waren aber zum Glück nicht auf „11“ gedreht und viele Erziehungsberechtigte waren auch so verantwortungsvoll und haben ihren kleinen Headbanger:innen zusätzlich einen Kapselgehörschutz aufgesetzt. Sehr löblich.

Merch und Metal

Was 2009 als Idee in Finnland mit Hevisaurus begann und 2017 hier zu uns nach Deutschland kam (ja, das Band-Konzept ist ein internationales Franchise) wurde in den letzten Jahren zu einer wohlgeölten Maschine aus Merch und Metal, was die Schlange am Verkaufsstand bezeugen konnte, die vor und nach dem Konzert länger war als der Hals eines Brachiosaurus.

Mit knapp 90 Minuten war mir der gesamte Auftritt vielleicht eine kleine Kleinigkeit zu lang, das tat der Freude an diesem Konzert aber keinen Abbruch. Alle hatten Spaß. Denn alle lieben Dinos.

HEAVYSAURUS, 12.04.2026, Liederhalle, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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