VILLAGERS OF IOANNINA CITY, THERE’S A LIGHT, 04.04.2026, Im Wizemann, Stuttgart

VILLAGERS OF IOANNINA CITY, THERE'S A LIGHT, 04.04.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
Foto: Claus Kullak

Die Scheren im eigenen Kopf. Je älter man wird, desto mehr muss man dagegen arbeiten. Es bedurfte einiger Überredungsarbeit unseres Fotografen, damit ich heute Abend hier im ausverkauften Im Wizemann stehe. Griechische Metalband mit Dudelsack las ich vorab. Schlimme Vorahnungen von so Kirmesquatsch wie Feuerschwanz rieten mir zum absagen. Aber nochmal nachgedacht. Erstens hört Fotomann CK sowas nicht. Zweitens gibt es ja durchaus Beispiele für okayen Dudelsack-Einsatz im Rock. AC/DC in den guten 70ern sowie die fantastischen Hellripper natürlich. Also melde ich doch bereit. Außerdem: Wann ist die nächste Gelegenheit mit so vielen Griech*innen zusammen auf einem Konzert zu sein?

VILLAGERS OF IOANNINA CITY, THERE'S A LIGHT, 04.04.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
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Vorab dürfen There’s A Light aus dem Schwarzwald den Abend eröffnen. Etwaige Bedenken meinerseits ob des Bandnamens, dass ich mich jetzt auch noch mit der Personalie Morrissey beschäftigen muss, sind schnell zerstreut. Keine The Smiths-Epigonen sind hier am Werk, sondern Musiker grob gesagt aus dem Bereich Post Rock. Bei gutem und klaren, vielleicht etwas drucklosen Sound, bespielen die sympathischen Mannen einen Stil, mit dem ich leider nicht viel anfangen kann.

Harmonische Gitarrenwände werden in shoegaziger Manier geschichtet. Jedes Instrument ist gut hörbar und zeugt vom Wissen um gutes Arrangement. Mir ist das aber alles zu sehr harmonisch-verträumte Stimmung als tatsächliche Songs, die mich durch irgendeines ihrer Merkmale aufhorchen lassen würden. Wohlgemerkt: bei Hemelbestormer vor kurzem hatte ich ein ähnliches Problem. Postrock samt adjazente Subgenres und ich finden nur in seltenen Fällen zueinander. Der lange und mehr als höfliche Applaus bestärken es nochmal: It’s a me problem, it’s not your fault!

VILLAGERS OF IOANNINA CITY, THERE'S A LIGHT, 04.04.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
Foto: Claus Kullak

Mit knapp 30 Minuten ziemlich kurz fiel der Support-Slot aus. Im Gegenzug fällt dafür die Umbaupause, in der dann nach 10 Minuten gar nicht so viel umgebaut werden muss, mit 35 Minuten doch recht lang aus. Mit Verlöschen der Lichter erklingen ein sehr langgehaltener Synthie-Akkord, so vom Ding her „Shine On You Crazy Diamond“. Mit sehr lang meine ich wirklich sehr lang. So lang, dass man sich fast schon fragt, ob denn alles in Ordnung ist. Schließlich kommen Villagers of Ioannina City dann doch auf die Bühne. Und es dauert nur wenige Minuten, dass die Griechen mich schon in ihrem Bann haben.

Über einen etwas an Tool erinnernden Bass wird stimmungsvoller, atmosphärischer Heavy Rock geboten. Aufgewertet und besonders gemacht einerseits durch die besonders gute Stimme von Sänger Alex Karamatis, und andererseits durch den Einsatz folkloristischer Blasinstrumente, v.a. einer Art Dudelsack. Dabei dominieren diese der traditionellen griechischen Musik ihrer Heimatregion benutzten Elemente den Sound nicht so, dass man von Folk Metal sprechen könnte. So nehme ich es zumindest in der Gewichtung wahr.

VILLAGERS OF IOANNINA CITY, THERE'S A LIGHT, 04.04.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
Foto: Claus Kullak

Geboten bekommt man so ein Konzert, dass durch mehrere Eigenschaften besticht. Die Musik ist von den Akkorden her meist einfach gehalten. Das in Verbindung mit einem gewissen Stoizismus erzeugt einen hypnotischen Effekt. Das Tempo der Songs ist meist nicht sehr hoch. So kann man sich schön fallen lassen in den Sound. Damit auch keine Langeweile aufkommt können auch mal zwei Dudelsäcke zum Einsatz kommen, oder eine Klarinette.

An und für sich schon genügend gute Zutaten für ein gut hörbares Konzert. Aber die Griechen sind auch gute Songschreiber. Stoner- und Psychedelic-Rock sind ja Genres, die ich gerne höre. Aber viel Wert auf erhebende Refrains wird da selten gelegt. Villagers Of Ioannina City hingegen kredenzen Refrains, die eine schöne Fäuste-in-die-Luft-Epik erzeugen können. Und da ist wahrscheinlich der zweite Grund, neben der griechischen Folk-Note, warum das hier ein ausverkauftes Konzert ist, und das Publikum nicht 1:1 dasselbe ist, das man ansonsten bei diesem Genre antrifft.

VILLAGERS OF IOANNINA CITY, THERE'S A LIGHT, 04.04.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
Foto: Claus Kullak

Für mich ist die Band heute Abend eine absolute Entdeckung. Fesselnde Songs, ungehörte Sounds, eine Band, die so sauber wie dynamisch abwechslungsreich spielen kann. Beim nächsten Konzert der VOIC wird der Autor besser vorbereitet sein und wenigsten ein paar der Refrains mitschmettern können.

Villagers of Ioannina City

There’s a Light

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