SPRINTS, MARATHON, 02.04.2026, Manufaktur, Schorndorf

SPRINTS, MARATHON, 02.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Steffen Schmid
Foto: Steffen Schmid


Ein Konzertabend zwischen Begeisterung und gemischten Gefühlen. Sprints und Marathon in der Manufaktur.

Sehr viel Gutes habe ich in letzter Zeit über die junge, aus Dublin kommende Band Sprints gehört. Ganz besonders wurden ihre besonders energetischen Live-Auftritte hervorgehoben, die Sängerin und Gitarristin Karla Chubb, Gitarrist Zac Stephenson, Bassist Sam McCann und Jack Callan am Schlagzeug, als Support unter anderem für so große Namen der Indie/Alternative-Szene wie Pixies und Fountains D.C. unter Beweis stellen durften. Nun sind sie mit ihrem, im letzten Jahr erschienenen, zweiten Album „All That Is Over“ auf ihrer ersten Headliner-Tour quer durch Europa unterwegs und spielen ihren Abschlussgig heute Abend in der sehr gut besuchten Manufaktur.

SPRINTS, MARATHON, 02.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Steffen Schmid
Foto: Steffen Schmid

Doch zuerst betritt die Amsterdamer Newcomer-Band Marathon die Bühne. Eine Band, von der ich ehrlich gesagt bis heute noch nichts gehört hatte. Und schon mit den ersten, leicht noisigen Soundfetzen, die unvermittelt in einen ordentlichen Wall of Sound übergehen, packen mich die fünf Musiker*innen. Intensiv und explosiv ist die Musik und von einer massiven und impulsiven Körperlichkeit die Bühnenperformance des Quintetts. Ich bin begeistert, wie die Band in ihrer Musik, die ein spannendes Amalgam aus Post-Punk, Indie und Shoegaze ist, aufgeht und sich headbangend schweißtreibend verausgabt. Nichts ist bei dieser Performance aufgesetzt oder pure Show, den Musiker*innen merkt man zu jeder Sekunde an, mit was für einem spielerischen Ernst sie ihre Musik leben.

SPRINTS, MARATHON, 02.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Steffen Schmid
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Marathon sind aber mehr als unbändige Energie, sie verstehen auch gekonnt, wie im Song „Shadow“, mit Atmosphäre zu spielen; ein Track, der geradezu zurückhaltend beginnt, um dann in halligen, noisy Shoegaze à la Ride überzugehen, der von vibrierenden, durchdringenden Bass-Licks getragen wird. Mit diesem vielschichtigen Sound, den man durchaus als Reflexion auf die multiplen Verwerfungen unserer Zeit (in einem Interview erzählte die Band, dass sie Ängste des 21. Jahrhunderts aufgreift und Frustration im Hier und Jetzt fühlen) lesen kann, sprechen Marathon Intellekt und Emotion gleichermaßen an. Was für ein Brett das Marathon hier abliefern. Ich bin absolut begeistert! Gig-Blog-Kollege Holger meint zu diesem fulminanten Auftritt treffend: „Als Headliner braucht man schon Mut, solch eine starke Band als Support dabeizuhaben, da muss man schon verdammt gut sein“. Sind wir also gespannt, ob Sprints dieser Erwartung gerecht werden können.

SPRINTS, MARATHON, 02.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Steffen Schmid
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Sprints beginnen dann auch mit intensivem Druck, lärmenden Gitarrenparts und treibenden Bass-Linien, die den Rahmen zu Karla Chubbs Sprechgesang bilden. Das ist punkige (das „Post“ lasse ich jetzt mal weg, da die ersten Minuten bisher sehr straight sind), kompromisslose Energie. Lärmige Gitarrenflächen legen sich über das Publikum und prügeln den Sound dystopisch explosiv in die Menge. Karlas Gesang changiert irgendwo zwischen fast schon lakonischer Gleichgültigkeit und tiefer Wut. Wie gesagt, das hat ziemlich viel Wumms, und doch erreichen mich Sprints damit nicht ganz. So widersprüchlich das jetzt auch klingen mag, ich empfinde die Performance als etwas fad. Das ist mir zu geradeaus, streckenweise wirkt der Auftritt seltsam eindimensional. In Rezensionen werden ja immer wieder Vergleiche mit Fountains D.C. gezogen, aber im Vergleich zu eben diesen fehlt mir bei Sprints die Vielfältigkeit, die Varianz und die damit einhergehende Spannung. Dieses andauernde Nach-vorne-Gespiele erschöpft sich leider in einem, musikalisch-handwerklich durchaus gut gespielten, Punk-Formalismus. Nichtsdestotrotz hat das Publikum seinen Spaß und bildet nach Aufforderung (übrigens auf Deutsch, Chubb lebte als Kind für ein paar Jahre in Düsseldorf) einen Circle-Pit, um freudig zu moshen.

SPRINTS, MARATHON, 02.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Steffen Schmid
Foto: Steffen Schmid

Das Energielevel bleibt unbestreitbar hoch und nach Karlas Bad in der Menge wechselt sie zur akustischen Gitarre. Jetzt gewinnt das Set deutlich an Spannung, ihr Gesang geht in eine Spoken-Word-Performance über. Carla Chubbs Texte verhandeln Autobiografisches, wie die Wirrungen und Schwierigkeiten des künstlerischen Lebens. Gesellschaftlich relevanten Themen wie Misogynie, zunehmendem Autoritarismus, Krieg, etc. wird mit massiver Vehemenz und Zorn Ausdruck verliehen. Stark, wie Sprints nun über die pure, punkige Energie hinausgehen, Atmosphäre erzeugen, indem sie Spannungsbögen aufbauen, um diese am Peak dann wieder einzureißen. Die Dubliner zeigen gegen Ende, was sie wirklich können, und als dann auch noch Marathon auf die Bühne kommen, werde ich durch die ekstatische Spielfreude, die jetzt abgefeiert wird, mit dem Konzertabend in Summe versöhnt.

Was bleibt, ist ein Headliner, der mich nicht vollends überzeugt hat, und ein Support-Act, der eine absolute Entdeckung ist und von dem man hoffentlich noch viel hören wird.

SPRINTS, MARATHON, 02.04.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Steffen Schmid
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Sprints

Marathon

2 Gedanken zu „SPRINTS, MARATHON, 02.04.2026, Manufaktur, Schorndorf

  • 4. April 2026 um 21:07 Uhr
    Permalink

    Super Zusammenfassung. Marathon hat mich absolut mitgerissen.

  • 5. April 2026 um 18:23 Uhr
    Permalink

    Marathon hab ich im Nov 24 in Venlo entdeckt.
    Eine großartige Band. Leider viel zu kurz in Schorndorf. Ein Abend mit dem falschen Headliner. Sprints genauso langweilig wie letzen Sommer auf der Freilichtbühne. Im Gegensatz zu Marathon wirkt das alles aufgesetzt und absehbar. Total überbewertete Band.

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