KNIFE, WARRANT, 01.04.2026, Schwarzer Keiler, Stuttgart

Metal-Konzerte im Schwarzen Keiler sind wahrscheinlich deshalb immer so überzeugend, weil sich die auftretenden Bands offenbar ganz besonders freuen, überhaupt in so einem authentischen Laden vor einem motivierten Fachpublikum spielen zu können – so auch beim teutonischen Speed-Doppelschlag mit Warrant und Knife.
„Speed Invasion“ ist im Schwarzen Keiler angesagt, mit zwei deutschen Bands aus ganz unterschiedlichen Generationen: Warrant sind definitiv oldschool, bestehen tatsächlich schon seit 1983, Knife spielen seit 2019 zusammen. Beide Bands verschreiben sich weitgehend klassischen Metal-Genres mit Tendenz zu Thrash und Speed – aber nicht nur.

Warrant aus Düsseldorf eröffnen den Abend auf angenehm bodenständige Weise. Sänger/Bassist Jörg Juraschek startete die Band vor 43 Jahren und erweist sich als bissiger Shouter alter Schule. Volksnah und verbindlich, ein durch und durch authentischer Typ, der für Heavy Metal lebt. Das merkt man auch seinen Ansagen und der motivierenden Publikumsanimation mit vielen „Hey Hey Heys“ zum Mitmachen an. Die Keilergäste brauchen diesmal zwar ein wenig, bis sie auf Betriebstemperatur kommen, aber spätestens mit dem Gastauftritt des Enforcers – so eine Art rheinische Eddie-Version mit Plastik-Streitaxt – wird in den vorderen Reihen heftig mitgebangt.

Die Band wirkt bestens eingespielt und man merkt kaum, dass Warrant einige Tage zuvor ihren zweiten Gitarristen aus familiären Gründen verloren. Flinkfinger Michael Dietz spielt einfach für zwei, wie auch Drummer Marius Lamm mit Händen und Füßen wirklich jede Trommel und jedes Blech mit scheinbar lockerer Vehemenz traktiert. Die Songs haben Struktur und eingängige Hooklines, viele Tempowechsel und Mitsingparts. Nach einer Stunde ist die Stimmung am Kochen und man hätte sich durchaus noch mehr von dieser legendären Band gewünscht.

Knife waren bereits 2024 im Keiler – wegen des großen Erfolges gibt es heute eine Fortsetzung. Die Truppe aus Marburg ist deutlich jünger und klingt auch moderner – wobei auch hier der Schwerpunkt bei schnellem Thrash liegt. Nicht stumpf und selbstzweckhaft, sondern ideen- und abwechslungsreich, mit dynamischen Breaks und Tempowechsel – wobei die besonders erhabenen Momente natürlich die immer wieder effektvoll inszenierten Übergänge zur Höchstgeschwindigkeit sind.

Wer will, kann bei Knife auch Einflüsse von Streetpunk (alle haben Chucks an den Füßen) und frühem Black Metal heraushören – ich finde es bei aller Rasanz und Dynamik dennoch erfreulich abwechslungsreich. Die Sirenenstimme von Vince Nihil (klassische Blackie-Lawless-Schule, würde ich sagen) setzt sich souverän gegen den Lärm der Band durch, Gitarrist Laz Cultra spielt auf seiner Flying V auch elegante Soli und Basser Gypsy Danger entpuppt sich als der verkleidete Enforcer bei Warrant. Drummer Ferli Coltello prügelt die Thrash-Beats mit wesentlich weniger Aufwand als der Kollege von Warrant, ist dabei aber mindestens ebenso effektiv.

Auch Knife haben im Keiler erkennbar großen Spaß, was sich auf Show und Spielfreude auswirkt. Überhaupt ist mir die Band schwer sympathisch: Im ersten Video, dass ich angeklickt habe, sprechen sie sich per nachdrücklicher Ansage gegen Faschisten, homophobe Motherfucker und AfD-Fucker (O-Ton) aus – gute Jungs also durch und durch.

Die Inszenierung stimmt, die zahlreichen Breaks vom ruffen Metal-Riff zur eskalierenden Speed-Bombe reißen alle mit. Der Knife-Sound ist roh und unpoliert, die explosive Energie mit Händen zu greifen. Band und Fans halten 50 Minuten durch und das reicht dann auch. Mittlerweile habe ich auch verstanden, warum ich im Keiler noch kein einziges schlechtes oder langweiliges Konzert erlebt habe. Denn auch wenn die eine oder andere Band das Pulver nicht erfunden hat, funktionieren die Shows im Keiler-Keller schon deshalb so gut, weil sich bisher noch jede Band tierisch darüber gefreut hat, überhaupt in einem so authentischen kleinen Laden spielen zu können. Das Ganz-nah-dran-sein und die Spielfreude der Musiker befruchten sich gegenseitig und es entsteht eine Dynamik der Begeisterung – ein Teufelskreis im wahrsten und besten Sinn des Wortes.

