SOPHIA DJEBEL ROSE, 26.03.2026, Ratzer Records & Beer, Stuttgart

SOPHIA DJEBEL ROSE, 26.03.2026, Ratzer Records & Beer, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Sophia Djebel Rose entführt in magisch jenseitige Welten.

Die Musik von Sophia Djebel Rose ist mit ihren vielfältigen Bezügen nur schwer zu fassen und zu kategorisieren. Ihr musikalisches Spektrum reicht von klassischen Songelementen bis hin zu avantgardistischer, experimenteller Musik. In einem Interview zu ihrem neuen Album „Sécheresse“ erzählte Rose, dass all diese unterschiedlichen Bezüge in erster Linie nicht auf musikalische Hintergründe zurückgehen würden, sondern dass sie vor allem von Künstlern anderer Genres inspiriert worden sei. Besonders die Art Brut habe einen großen Einfluss auf ihr neuestes Werk gehabt. Den Sound von „Sécheresse“ kann man dann auch wirklich, ganz im Sinne der Art Brut, als roh und direkt beschreiben, mit einer dunklen Grundstimmung. Ein Sound, für den der intime Rahmen von Ratzer Records mit Sicherheit die perfekte Bühne bieten wird.

SOPHIA DJEBEL ROSE, 26.03.2026, Ratzer Records & Beer, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Sakral anmutend sind die ersten Klänge, die im gut besuchten Ratzer ertönen, als Sophia Djebel Rose ihre E-Gitarre mit dem Geigenbogen bearbeitet, und die ebenso an den artifiziellen Sound von The Velvet Underground erinnern. Dieses ephemer Spirituelle wird sogleich durch ihren mehrfach geloopten Gesang, der ins Dunkle und Abgründige zielt, antagonistisch gebrochen, um dann, durch das Hinzufügen von Hall, den realen Raum ins fast schon Unendliche zu erweitern. Starke Bilder evoziert Sophias Musik, Bilder von hitzeflimmernden Weiten, Wüsten und abweisender, menschenleerer Natur; einer Natur, in der der Mensch nur geduldet wird. Evokationen, die durch das Klagende und Flehende in Roses Stimmrepertoire extrem verstärkt werden; ein Repertoire, das vom guttural Raunenden bis zum in hohen Tönen Flehentlichen reicht. Djebel Rose erschafft eine magische Welt voller Rätsel und Abgründe, die es vermag, einen in diese abzutauchen zu lassen, um der kalten und entzauberten Gegenwart zu entfliehen.

SOPHIA DJEBEL ROSE, 26.03.2026, Ratzer Records & Beer, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Mit tief gestimmten Gitarrenlicks erzeugt sie eine transzendente Atmosphäre, die, aufgebrochen durch Schichtungen aus Drones und Noise-Sequenzen, mich an eine, durch ihre sparsame Instrumentierung, minimalistische Version des apokalyptischen und melancholischen Sounds von Godspeed You! Black Emperor! erinnert.

Klare, voneinander abgegrenzte Tracks gibt es hier nicht, das Konzert von Rose gleicht vielmehr einer aus Soundcollagen bestehenden Performance, und so wechselt die Künstlerin unvermittelt ans Harmonium und erweitert ihre Musik um dessen obertonreiches Klangspektrum. Ihre Musik wird immer weniger zeitlich verortbar, als Zuhörer wird man vollends aus dem Hier und Jetzt entführt.

SOPHIA DJEBEL ROSE, 26.03.2026, Ratzer Records & Beer, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Sophia bespielt, ja bearbeitet das Instrument mit einer immensen Körperlichkeit. All dies wird getragen und zusammengehalten von einem elektronisch knarzenden Grundrauschen, über das sich immer wieder ihr eindringlicher Gesang erhebt. Musik aus geerdeter Psychedelik.

Sophia Djebel Roses Auftritt intensiv zu nennen, wäre untertrieben. Hoch emotional, sensibel und bewegend, in Teilen geradezu erschütternd, ist ihre Musik, ja, durchaus kathartisch. Erschütternd ist gegen Ende auch die massiv zunehmende Lautstärke. Die opake Dichte des Sounds ist allesumhüllend und endet in einem verstörenden Crescendo aus Drones. Und dann: Stille! Wir sind wieder im „Hier“.

SOPHIA DJEBEL ROSE, 26.03.2026, Ratzer Records & Beer, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Leichte Kost war das wahrlich nicht, aber hatte man sich darauf eingelassen, so wurde man von Sophia Djebel Rose in einen komplexen, Seelenzustände auslotenden Klangkosmos, entführt. Vielen Dank an Stephan und Arnulf von Ratzer Records, diese außergewöhnliche Künstlerin nach Stuttgart geholt zu haben.

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