KRAFTKLUB, 17.03.2026, Schleyerhalle, Stuttgart

Kraftklub spielen sich bei ihrem Auftritt einmal quer durch das Publikum in der „Slayer-Halle“. Dieses feiert frenetisch mit und teilweise kann die Band gar nicht den nächsten Song beginnen, da die Fans minutenlang die Refrains weitersingen.
Pünktlich um 20.20 Uhr geht das Licht aus, zum Intro flackert der Titel des aktuellen Albums „Kraftklub – Sterben in Karl-Marx-Stadt“ in roten Lettern hinter der Bühne. Großer Jubel brandet auf, als die Band die Bühne betritt. Mit „Marlboro Man“ wird der Abend gleich mit einer Materialschlacht eingeleitet: Links und rechts von der Bühne ergießen sich Massen an Konfetti über die Fans im vorderen Teil der Halle.
Nach dem ersten Song tauchen auf der Videowall, die sich über die ganze Breite der Schleyerhalle erstreckt, Videoclip-artige Schnipsel in Schwarz-weiß-Optik auf. Ich muss von der Pressetribüne aus etwas genauer hinsehen, bis ich merke, dass das Bild tatsächlich live produziert wird. Die Kameramänner (und -frauen?) werden im Laufe des Abends noch viel zu tun bekommen. Hektisch rennen Sie über die Bühne von einem Bandmitglied zum nächsten. Zu den treibenden Beats von Till am Bass und Steffen am Keyboard gibt es schnelle Schnitte. Die einst von MTV (mit-) begründete Video-Ästhetik in einer gigantischen Live-Produktion.
Als viertes Lied des Abends sorgt der Klassiker „Ich will nicht nach Berlin“ für ausgelassene Stimmung. Sänger Felix Brummer begrüßt Stuttgart in der „Slayer-Halle“: „Wir sind schon seit gestern hier und haben uns die Stadt angesehen – in einem Pick-Up“, leitet er direkt den aktuellen Hit „Vier mal Vier“ über, der durch die Kollabaration mit Tokio Hotel viel beachtet wurde.
Yung Pepp, der zuvor als Support auf der Bühne stand, wird noch einmal auf diese geholt. „Er musste sich von der Schule befreien lassen, um hier zu spielen“ kündigt Felix an. Der 17-jährige Rapper schlägt nun aber andere Töne an und singt begleitet von der Band die Schnulze „Du trägst keine Liebe in dir“ der 90er-Jahre Teenie-Rocker von „Echt“.

Insgesamt ist viel Tuchfühlung mit den Fans angesagt. Felix meldet sich plötzlich aus einem der Gänge der „Slayer-Halle“ und geht direkt mit einem von der Band signierten T-Shirt auf die Tribüne, wo es ein Fan freudig in Empfang nimmt.
Und auch die restliche Band wird ihm später nachfolgen. Vor dem zweiten Wellenbrecher wird hastig eine Mini-Bühne aufgebaut, auf der die fünf Musiker eng gedrängt die nächsten Stücke spielen. Vom letztjährigen Hit „Schief in jedem Chor“ übernimmt das Publikum den von Gitarrist Karl Schumann Stimme getragenen Refrain. Die Band bahnt sich währenddessen durch die vorderen Reihen den Weg zurück zur Bühne und muss das Lied noch zweimal anspielen, da die Fans nicht aufhören wollen zu singen.
Das Ganze wird sich noch einmal steigern: Nach dem Song „Kippenautomat“ beginnt das gleiche Spiel, die einfachen Textzeilen „Da-da, da-da, da-da-da-da-da“ aus dem Refrain werden eifrig weitergesungen und Kraftklub legen mit mehreren Untermalungen zum Publikumsgesang nach. Um diesen dann doch zu unterbrechen, wird ein Fan aus dem Publikum ausgesucht: Dieser darf an einem Glücksrad den nächsten Song erdrehen und erwischt prompt den Klassiker „Scheissindiedisco“.
Schon bald darauf schallt es aber wieder „Da-da, da-da, da-da-da-da-da“ aus den Kehlen der Besucher. Felix: „Wir hatten den Song am Anfang der Tour weiter vorne im Set und da ist genau das dann den ganzen Abend passiert. Darum haben wir ihn schon nach hinten gelegt.“

Etwas ernster wird es in der Ansage zu „Schüsse in die Luft“, jenem Lied, das von zu wenig politischem Interesse des Umfelds und einem daraus möglichen Abgleiten in Hass gegen alles Fremde erzählt. „Wir haben keinen Bock auf jede Form von Rassismus, Homophobie, Queer-Feindlichkeit oder Trans-Feindlichkeit. Faschos sollen sich verpissen von unseren Konzerten“, ruft Felix in den jubelnden Zuschauerraum.
Bevor mit „Randale“ das Haupt-Set beschlossen wird, blickt der Frontmann noch einmal zurück: „Vielen Dank an alle, die uns über die Jahre gefolgt sind: Von der Röhre, ins LKA bis heute Abend, an dem wir das erste Mal die Slayer-Halle ausverkauft haben!“
Die „Zugabe“-Rufe müssen gar nicht lange anhalten, schon kurz darauf meldet sich Felix erneut, dieses Mal aber auf der linken Tribüne. Gemeinsam mit seinem Bruder Till, sonst am Bass, stimmt er „500 K“ an. Daraufhin geht es wieder durch die Fans zurück auf die Bühne.
Den krönenden Abschluss bietet der Über-Hit „Songs für Liam“. Die Band versammelt sich für die letzten Sekunden rund um das Schlagzeug von Drummer Max. Mit den letzten Tönen springen sie gemeinsam vom Podest.
Schnell strömen die Fans nach draussen. Auf dem Übergang zur Stadtbahnhaltestelle steht ein Straßenmusiker und spielt Punk-Klassiker. Wer wie ich gleich abreist, verpasst die letzte Zugabe des Abends: „Kraftklub“ kommen vor die Halle und stimmen mit dem Musiker noch einmal den Kippenautomat an: Da-da, da-da, da-da-da-da-da.

