TOM SMITH, 13.03.2026, Manufaktur, Schorndorf

TOM SMITH, 13.03.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Ein Post-Punker outet sich als Dylan-Verehrer: Tom Smith bespielt die Schorndorfer Manufaktur mit einer erstaunlich homogenen Mischung aus filigranen Folksongs und radikal entschlackten Editors-Hymnen.

Der Freund angelsächsischer Klänge zwischen Post-Punk, Electro-Indie-Rock und Retro-New-Wave kennt Tom Smith selbstverständlich als Sänger, Saitenmann, Keyboarder und Songwriter der Editors. Doch pflegt der Brite auch ein Faible für klassisch-akustisches Liedgut – nachzuhören etwa auf „Funny Looking Angels“, seiner Zusammenarbeit mit Andy Burrows (Razorlight, We Are Scientists) von 2011 sowie auf seinem kürzlich erschienenen Solodebüt „There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light“; einer Art Weihnachtsplatte für alle, die keine Weihnachtsplatten mehr hören wollen. Wie dieses Material in seinen Bühnenversionen klingen würde – semiakustisch, voller Tiefgang und gegenüber den um gelegentliches Streicher- und Blechbläser-Beiwerk ergänzten Studioversionen nochmals auf’s Wesentliche reduziert –, ließ sich im Vorfeld einigermaßen vorausahnen. Die beiden Highlights „Deep Dive“ mit seiner albumtitelgebenden, markant phrasierten Textzeile „There is nothing in the dark / that isn’t there in the light“ sowie das bittersüße „Endings Are Breaking My Heart“ definieren dabei gleich zu Beginn die Gangart für diesen Teil von Smiths 23 Titel starkem Programm: so weit, so gut, so schön.

TOM SMITH, 13.03.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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Weit interessanter hingegen die Frage, wie Smith wohl das um Lichtjahre dynamischere, gerne auch mal opulent-breitwandige Editors-Oeuvre in die ausverkaufte, charmant teilbestuhlte Manufaktur bringen würde. Die ebenso einfache wie überraschende Antwort: exakt im selben Stil – also in radikal entschlackten Arrangements und bis ins Zeitlupenhafte verlangsamten Tempi. So verblüffen „Munich“, „Papillon“ oder „An End Has A Start“ als intensive, herbstlich-melancholisch gestimmte Folksongs, deren immer mal wieder existenzialistischer Charakter („People are fragile things you should know by now / be careful what you put them through“ – ihr wisst schon) auf diese Weise nochmals deutlicher hervortritt.

Dazu noch eine (angesichts von Smiths coming out als Liebhaber traditioneller Folk-Klänge kaum noch überraschende) Verbeugung von Genre-Altmeister Bob Dylan mit „It Ain’t Me Babe“ – und eine feierliche Version von „Smokers Outside The Hospital Door“ beschließt diesen Liederabend 2.0.

TOM SMITH, 13.03.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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Unverzichtbare Dienste leistet bei alledem Nick Willes, ein Prog-Rock-erfahrener Multiinstumentalist, der an E-Piano, Harmonika und vor allem als facettenreich aufspielender Gitarrist begeistert: Weit mehr als lediglich Smiths sideman, fieselt er mal sanft sich kräuselnde Linien aus den Saiten seiner Elektrischen, lässt sie hier psychedelisch irrlichtern, begleitet dort mit filigranem Fingerpicking auf der Akustischen. Und stets verzahnen sich die Gitarren des Duos Smith/Willes auf akurate, fast schon mathematisch präzise Art. Der Chef selbst konzentriert sich derweil ganz auf seine Rolle als Storyteller und betont mit seinem in sich ruhenden Bariton, zu verorten irgendwo zwischen pensioniertem Braunbären und Tindersticks-Frontmann Stuart Staples, die intime Atmosphäre des Abends.

Dass dieses knapp zweistündige Set fast etwas zu viel an Akustikgitarren-Beschaulichkeit mit sich führt und zudem vergleichsweise statisch abläuft (zwei Männer sitzen auf Hockern, spielen ihre Instrumente und plaudern ein wenig): Das kann nur als Manko empfinden, wer den Fehler gemacht hätte, einen verkappten Editors-Auftritt erwartet zu haben.

TOM SMITH, 13.03.2026, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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