HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER, 06.03.2026, Porsche Arena, Stuttgart

HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER, 06.03.2026, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

„Politisch eine klare Ansage – Musikalisch ein Knie ins Fressbrett“. Heaven Shall Burn haben sich auf ihrer Tour vorgenommen die Porsche Arena in Stuttgart in Schutt und Asche zu legen. Wie? Mit jeder Menge Feuer, kompromissloser In-Your-Face Setlist und Tour-Partnern, die ebenfalls im Abriss-Gewerbe tätig sind.

Stimmbänder in einwandfreiem Zustand, die Bühnenkulisse – ein postapokalyptisches Stadtbild, das dem vieler Orte weltweit entnommen sein könnte und ein kleines, aber vielsagendes Detail eines zerstörten Vintage-Kinoschildes auf einem Trümmerhaufen liegend – eine bessere, mehrdeutigere Anspielung auf das Gesamtbild und das Abendprogramm geht nicht:

TONIGHT: HEAVEN SHALL BURN“

Leider kommen wir erst zum Ende des Sets von „Frozen Soul“ in die Arena, doch was man bereits von außen hört, ist ein massiv drückender Sound mit extrem lautem Bass. Wuterfüllte Growls, eiskalte Atmosphäre – top Einstieg in den Abend. Ich mache mir schon Gedanken, wie der Sound von HSB wohl wird, wenn um kurz vor sieben bereits die Decke wackelt.

HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER, 06.03.2026, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Als wir unsere Plätze erreicht haben, ist der Innenraum – dynamisch – gefüllt. Es ist voll, aber man hat noch genug Platz, um eine Privat-Party zu starten (Moshpit/Circle Pit usw.)

Auf die zweite Band The Black Dhalia Murder bin ich sehr gespannt. Das erste und einzige Mal live gesehen und fotografiert habe ich sie 2018 im Vorprogramm von Cannibal Corpse. Das war schon gut wuchtig und hat Spaß gemacht. Vier Jahre später ist leider der sympathische und geniale Sänger Trevor Strnad viel zu früh aus dem Leben ausgestiegen. Für die meisten Bands wäre das sicherlich das Ende gewesen, aber TBDM haben sich dazu entschieden, weiterzumachen. Dabei ist Gitarrist Brian Eschbach von der Gitarre ans Mikrofon gewechselt und brüllt heute Abend die Porsche Arena zusammen.

Anders als bei „Frozen Soul“ ist der Sound von Black Dhalia Murder präziser und messerscharf – man hat das Gefühl, einfach mit den Jungs im Proberaum abzuhängen und sie knallen uns ihre besten Songs um die Ohren bei ein paar gekühlten Getränken. Brian Eschbach wirkt im Vergleich zu Trevor ruhiger und zentraler. Er ist kein tobender Wirbelsturm auf der Bühne, aber bringt dennoch seinen eigenen Charme mit sich.

Für die darauf folgenden Schweden The Halo Effect wird die Größe der Bühne etwas mehr genutzt. Mehr Lichttechnik wird freigelegt und das Schlagzeug nimmt seinen zentralen Platz ein. Der Name lässt bei mir etwas klingeln – ich kann aber nicht zuordnen, woher es kommt, und so greife ich zum Handy. Aha! Hier steht gleich die härtere und rein metallastige Version von In Flames auf der Bühne! Das ist ein kleiner Bruch im Tour-Package – denn The Halo Effect stehen ganz klar auf den melodischen Göteborger Melodic-Death Sound.

HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER, 06.03.2026, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Unter ehrfürchtigem Applaus betreten die Schweden die Bühne und eröffnen ihr Set mit „March Of The Unheard“. Kraftvoll, melodisch und die einen in den Bann ziehende, markante Stimme von Mikael Stanne erobern schon mit den ersten Textzeilen die Arena. Dezente Circle-Pits sind am Drehen, doch hier ist eher Headbangen angesagt zu Songs, wie „Feel What I Believe“ oder auch „Become Surrender“, bei dem der klare Gesang von Stanne Gänsehaut hervorruft.

Bei „The Needless End“ wechseln sich die beiden Gitarristen präzise in hochmelodiösen Solis ab und werden frenetisch gefeiert, während The Halo Effect zu „Detonate“ ihre treibende, energetische Stärke hervorheben.

Ihr hervorragendes Set schließen die Schweden mit „Shadowminds“ ab und verlassen die Bühne unter tosendem Applaus und Forderungen nach weiteren Zugaben. Eine absolut empfehlenswerte Band, die ich viel zu lange nicht auf dem Radar hatte und verdammt gute Songs verpasst habe.

Bitte reinhören!

HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER, 06.03.2026, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Kommen wir zum Main-Event. Während die Bühne in ein Schlachtfeld umgebaut wird, erinnere ich mich an die bisher drei Konzerte, die ich von Heaven Shall Burn in verschieden großen Locations gesehen habe. Meine erste Show war 2007 in Aschaffenburg im Colos-Saal.

Ich war mit einer Freundin dort und habe sie dazu genötigt, bei einer Wall Of Death mit zu machen. Danach mussten wir das Konzert verlassen, weil irgendetwas an ihrem Nacken geknackt hat.

Das zweite Konzert war 2012, ich war als Fotograf für den Gig-Blog vor Ort. Als Heaven Shall Burn die Bühne betraten, ergoss sich über mich eine Lawine aus Sound, Energie und roher Gewalt. Ich habe komplett das Fotografieren vergessen und Stand mit offenem Mund vor der Bühne. Erst als mir Gitarrist Alexander „Ali“ Dietz von der Bühne herunter durch die Haare gewuschelt hat, wurde mir wieder bewusst, dass ich hier etwas zu tun habe.

Das dritte Konzert fand 2018 in der Schleyer-Halle statt. Etwas zu groß für meinen Geschmack – im weiteren Verlauf des Abends jedoch absolut perfekt, da der Circle Pit sich durch die komplette Halle gezogen hat. Ich hatte nach dem Konzert Muskelkater und während des Konzertes Seitenstechen vom Rennen. Verrückter Abend.

HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER, 06.03.2026, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Zurück ins Hier und Jetzt. Mit dem aktuellen Album „Heimat“ im Magazin, eine super Auswahl an Support Acts und eine Bühne, die dem kommenden Spektakel absolut gerecht wird, kann der Ritt beginnen und das Publikum ist aufgewärmt für die Keilerei.

„War Is The Father Of All“

Was ein Opener, der die Arena sofort in Bewegung bringt und nicht mehr zur Ruhe kommen lässt. HSB treten das Pedal sofort bis zum Anschlag durch und der Sound ist ebenso brachial wie diese ersten Minuten. Alles ist hier massiv und absolut auf Arschtritt ausgelegt. Die Pyros aus allen Ecken der Bühne steigern die Hitze bis unter die Decke – untermalen die Energie, verschlingen aber die Band nicht im Mindesten. Sänger Marcus Bischoff hat seine engelsgleiche Stimme in vollem Umfang wiedererlangt und legt ein Geschrei der Extraklasse hin. Dass diese Genesung nicht selbstverständlich war, stellt er in einer emotionalen Danksagung, an das Publikum gerichtet, klar. Das war ehrliche Dankbarkeit, sowie es ehrliche Angst war, als im vergangenen Jahr die Stimme kaputtgegangen ist und Konzerte teilweise abgesagt werden beziehungsweise Ersatz am Mic eingesetzt werden musste. Auch das macht die Größe und Sympathie Heaven Shall Burns aus. Die bodenständige Verbindung und Dankbarkeit mit den Fans.

Die Setlist heute ist eine wilde Fahrt durch alle Epochen der Bandgeschichte. Schon der zweite Song „Voice Of The Voiceless“ verdoppelt die Größe des mittigen Circle Pits und ein Ende ist nicht absehbar. Ein erstes Überkochen der Stimmung ist einer meiner ersten HSB-Songs, die im Prag rauf und runter liefen: „Endzeit“ – eingeleitet durch die Ruhe vor dem Sturm auf der komplett in Flammen stehenden Bühne – findet seinen Höhepunkt darin, als die komplette Arena „We Are The Final Resistance“ aus tiefster Seele brüllt.

HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER, 06.03.2026, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Direkt auf dieses erste Highlight folgt das Nächste. Das Edge-of-Sanity-Cover „Black Tears“, bei dem der Bühnengraben von Crowdsurfern geflutet wird. Warum soll die Security nicht ähnlich wie auch das Publikum vor Schweiß triefen? Alles läuft extrem friedlich ab und die Security gibt jedem Surfer ein High-Five.

Den krönenden Abschluss des Abends bietet der nach Meinung der Band beste Song des Abends – „Valhalla“. Ein Cover des Blind-Guardian-Klassikers, der den Abend absolut denkwürdig abrundet und den Status der absoluten Bühnenmacht von Heaven Shall Burn zementiert. Noch minutenlang nach den letzten Klängen klingt Valhalla durch die Porsche Arena. Es war wirklich wahnsinnig gut. Mein einziger Kritikpunkt – aber nur, weil ich auf dem Weg bin, ein alter Sack zu werden, ist die Menge der Bands. Vier Bands sind schon heftig und verlangen dem Körper einiges ab. Aber – wessen Knochen noch frisch sind, der hat einen absoluten Topabend erlebt und sicherlich eines der intensivsten Konzerte, die dieses Jahr anstanden.

Heaven Shall Burn

The Halo Effect

The Black Dahlia Murder

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