KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart

KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

50 Jahre Kool Savas – (M)Eine Deutsche Rap Geschichte

(… diese Zwischenüberschrift gibt dir, liebe Leser*in, die Chance direkt zum eigentlichen Konzertbericht weiter unten zu scrollen)

Kool Savas, King Kool Savas, KKS, der selbsternannte King of (Deutsch) Rap. Mein erstes „Zusammentreffen“ mit ihm ist fast 30 Jahre her. Im Cräsh in Freiburg war das, am Ende eines endlos langen Hip-Hop-Abends mit bestimmt zehn mehr oder weniger guten Live Acts. Unter einem riesigen Joint aus Pappmaché, der in diesem Musik-Keller über viele Jahre das zentrale Deko-Element war, kommt ein Typ mit Berliner Akzent auf die Bühne und klingt wütend statt bekifft. Mein Gymnasiastinnen-Gehör hatte in diesem Kontext bis in diesem Moment sehr selten Begriffe wie „Schw***“ und „schw+++“ in Texten vernommen und ich erinnere mich sehr genau, wie ich den Track „LMS“ damals fand: Skandalös, anders, aber trotzdem unglaublich interessant.

Seit dem bin ich ihm immer wieder begegnet, diesem gebürtigen Savaş Yurderi: Beim Hip Hop Open 2001 auf der Waldau, beim Hip Hop Open 2024 auf dem Wasen (wo er kurzer Hand einen ganzen verwaisten Slot übernimmt). Auf dem Splash, anfangs auf der kleinsten Bühne beim Rap Battle, Seite an Seite mit dem legendären Taktloss als Westberlin Maskulin!. Später steht Savas auch bei diesem Festival mehrfach und bis heute als Hauptact auf der Bühne.

Freunde machen ein Animations-Video für seinen Song „Neongelb“. KKS veröffentlicht immer neue Alben, aber ich habe lange Zeit keinen Bock auf Rap und verpasse den größten Teil seines Gesamtwerks.

Er gilt im Business als superkorrekter Typ. Bis eben auf die Frauenfeind- und Homophobie-Vorwürfe zu seinem Frühwerk, dieses ziemlich erfolgreiche Album voller Verschwörungssongs mit Xavier Naidoo von 2012 und seine Prepper-Phase, die auch in das Genre „Geschwurbel“ fällt. Beim Oktoberfest posiert er mal mit Lena Mayer-Landrut und Kai Pflaume. 2025 performt er auch noch auf einem Anti-Betriebsrat-Event bei Tesla in Grünheide? Nun denn, dafür hat er sich inzwischen entschuldigt und die Verlockung auf ein bisschen Rap-Nostalgie lockt mich eben doch zu sehr.

KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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50 Jahre Kool Savas – die Show

„50 Jahre Kool Savas“ heißt die Show zu der ich an diesem Samstagabend mit der U11 Richtung Porsche-Arena unterwegs bin. Die Fahrgäste plaudern über die sehr sehenswerte ARD-Doku „RuhrBeat – Die vergessene Rapstory“ und trinken noch ein entspanntes Bierchen aus der Dose. Die Porsche-Arena ist heute bis auf den letzten Platz ausverkauft. Später am Abend wird gefragt, wer nicht aus Stuttgart kommt, und 90% der Hände gehen hoch. Das Einzugsgebiet für diese eine von vier (nicht mehr ganz)-Geburtstagsshows ist riesig. Das Original-Event gab es 2025 in Berlin, zum 50. Geburtstag von Savas. Inzwischen ist er sogar schon 51.

KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Ganz nach dem Hip-Hop-Leitsatz „Each one, teach one“ hat sich Savas den 21 Jahre-jungen Yako Ok, als Support eingeladen. Der Youngster bekommt zwanzig Minuten, um seine Songs zu präsentieren. Mit dabei ist Calli, beide machen ihre Sache mehr als gut. Mit schneller Brille im Nacken und schnellen Worten auf der Zunge überzeugt Yako Ok das Publikum von sich, wie er es auch bei Savas geschafft hat. Ihr gemeinsamer Track „okletsgo“ ist Ende 2025 als Hauptgewinn bei einem Rap Contest entstanden und funktioniert natürlich auch live, auch wenn der Ältere der beiden MCs dafür nicht auf die Bühne kommt.

Der muss ja noch eine ganze eigene Show spielen an diesem Abend! Die beginnt mit einer eingespielten Rückblende. Ein Clip aus einer „MTV Fett“ Sendung von 2002 ist zu sehen. Savas Rapkollegen Fler und Sido kommen zu Wort. Yoko Winterscheidt und Stefan Raab haben KKS damals im TV anmoderiert. Der Song „King of Rap“ schallt durch die Halle, dann fällt der Vorhang mit einem Knall. Dort sehen wir links und rechts zwei nachgebaute Teile der Berliner Mauer, dekoriert mit Portrait-Schnipseln von Kool Savas. Auf einer sehr großen LED-Wand sind über den ganzen Abend Szenen aus den letzten Jahrzehnten sowie Live-Aufnahmen von der Bühne und aus der Halle zu sehen.

KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Etwas mehr als zwei Stunden lang wird hier jetzt ein Feuerwerk aus Songs, bunter, aber aufgeräumter Beleuchtung und Effekten abgefahren. Savas, im schwarzen Sweatshirt mit blinkender Kette um den Hals, schwarze Hose und Sneakers, schwarze New York Yankees-Cap auf dem Kopf, steht dabei eigentlich immer ganz vorne auf den Steg, der ins Publikum hineinführt. Zu seinen Füßen klebt eine Setlist in der Größe eines Küchenteppichs: Er hat sich viel vorgenommen und gibt direkt nach den ersten Songs zu, dass er aufgeregter ist, als bei der Show in Berlin. „Wir gehen gemeinsam durch meine Rapgeschichte“. Let’s go! Step ans Mic!

Unterstützt wird KKS von Back-up MC und -Sänger NKSN und Sängerin Kay Shagao – beide stimmgewaltig und sehr gut eingespielt mit dem wichtigsten Mann auf der Bühne. Kay hat dabei mit den Refrains in den langsameren Stücken oft eine etwas größere Aufgabe, meistert aber alle Parts sehr souverän. DJ Eule – auch ein Weggefährte von Savas seit 30 Jahren – steht an den Turntables – echte Platten gibt’s aber keine mehr auf seinem Pult und auch sonst bleibt er lieber im Hintergrund.

KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Nach vorne kommen jetzt bei „Haus und Boot“ die Homies von M.O.R. – Masters of Rap: Jack Orsen, Fumanschu und Justus Jonas – hier in einem sehr schönen Interview zum Thema „Wie altern Rapper würdevoll?“ – sind da. Die Zeilen kommen bei den Gästen zum Teil nicht so ganz flüssig raus wie bei Savas, aber was soll’s. Bei „Alle schieben Optik“ wird es zum ersten Mal richtig laut in der Halle, alle Hip-Hop-Arme gehen hoch und der Jubel noch enthusiastischer, als Lakman für „Fehdehandschuh“ mit auf die Stage kommt. Das hymnische „King“ beinhaltet die Botschaft, wegen der die Fans heute hier sind: Savas sagt, dass es immer weiter geht, der Lebensweg immer von unten nach oben führt und Aufgeben nicht gilt.

„Vielleicht hab‘ ich die Schule verbockt und
Vielleicht war ich nicht gut in ’nem Job, doch
Mir egal, was du denkst, wer ich bin
Denn für mich, für mich bin ich King“

KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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„Limit“ ist genau so ein Mut-Mach-Song. Kombiniert mit reichlich Disses gegen andere Rapper, die bekanntlich nichts drauf haben. Kool Savas ist sich treu geblieben, wenn es ums Austeilen geht und keiner spittet die Reime und Pointen wie er. „Dicka was“ ist die Gelegenheit für ein bisschen Call and Response mit der ganzen Halle. Das In-Ear-Monitoring ist dabei nicht des Rappers Lieblingstechnik: Savas beschwert sich, dass er kaum was hört von den Fans.

Wer jetzt glaubt, dass der Abend nicht viel emotionaler werden kann, als bei „Krieg und Frieden“ täuscht sich: KKS holt beim nächsten Track sein Mini-Me auf die Bühne. Steik heißt der 11jährige und völlig furchtlos rappt er gemeinsam mit seinem Dad, was am Ende mit einem fetten goldenen Konfettischuss, Umarmungen und Küsschen von Papa belohnt wird. Das Publikum ist hyped und stimmt einen „S-A-Vau“ Sprechchor an.

KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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„Jetzt müssen wir richtig auf die Kacke hauen“ nimmt Savas diese Energie für die nächsten Songs auf. „Tribut“, „Mona Lisa“ und wer kennt das Royalbunker-Album mit Siggi? Der lokalpatriotische, Stuttgarter Teil des Abends beginnt mit einer Geschichte über die Zeit, als Savas an der Neuen Weinsteige gewohnt hat. Vielleicht wäre er immer noch hier, hätte er von der fürsorgenden Stuttgarter Polizei nicht seinen Führerschein weggenommen bekommen. Ein Überbleibsel aus dieser Zeit ist seine Freundschaft mit Kaas (von die Orsons), der jetzt für „Brainwash“ auf die Bühne kommt.

Bei „Immer wenn ich rhyme“ wird es dort oben etwas später nochmal richtig voll. Moe Mitchell, Olli Banjo stoßen zu KKS dazu, Yako OK kommt hinzu. Curse und Takt32 übernehmen jeweils eine Strophe. Letzterer hat bereits so viele Hits für Kolleginnen und Kollegen geschrieben (unter anderem „Komet“ von Apache207 und & Udo Lindenberg), dass seine eigene 50 Jahre-Show vermutlich mindestens 4 Stunden dauern wird, wenn es soweit ist.

KOOL SAVAS, YAKO OK, 21.02.2026, Porsche-Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Aber es geht jetzt nicht per Komet, sondern per „Airplanes“ in die Lüfte: Badmomzjay, heute mit besonders feuerroten Haaren, kommt zum Duett mit Savas auf die Bühne und bleibt auch für „Deine Mutter“. „Das alles hat Hip Hop für mich gemacht“, sagt Savas voller Dankbarkeit vor dem nächsten Track. Mit extra herbei gebrachter Logo-Mütze rappt er anschließend „AMG“, was nicht nur für die Sportwagenbauer aus dem nahen Affalterbach, sondern auch für „An mich glauben“ steht. Die Cap verschenkt er nach dem Song an einen jungen Gast im Publikum. Es folgt „Aura“ und danach ist es erstmal dunkel auf der Bühne.

Diese kleine Pause vor dem Zugaben-Part missglückt ein bisschen und wirkt eher wie ein technischer Fehler, aber umso größer ist die Freude, als Savas mit seinem nächsten Gast wieder auf der Bühne steht: Sein jahrelanger Erzfeind Eko (Fresh) ist da. Die öffentliche Versöhnung gab es im letzten Jahr beim „echten“ Geburtstagsfest. Mit „Dunne“ gönnen sich die beiden als erstes den gemeinsamen Track, auf den sie halt selbst am meisten Bock hatten. KKS entschuldigt sich fast dafür, aber das Geburtstagskind kann auf der eigenen Party machen, was es will! Bei „Deutschlands 1“ wird nochmal ordentlich ausgeteilt. „Optik Anthem“ und „Der beste Tag meines Lebens“ geben dem Abend und Kool Savas Gesamtwerk nochmal eine schöne Klammer.

Nach einem Einspieler mit Frederik Laux, der Savas beim Sprühen erwischt und einem amtlichen Luftschlangen-Schuss zu „Dann kam Essah“ geht eine fette Party mit allen Rap-Gästen on stage richtig festlich zu Ende.

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