HEMELBESTORMER, WYATT E., 21.02.2026, Club Zentral, Stuttgart

Es ist Tag 1 nach des OBs markerschütternder Rede auf dem CDU-Parteitag. Eine weitere Zumutung der Gegenwart, wobei noch eine der harmloseren. Noch ganz orientierungslos und benommen fahre ich so zu Wyatt E., hoffnungsvoll, Zuflucht in einem Sound zu finden, der einen in ein imaginiertes Babylon des Alterstums versetzt. Woher diese Anziehung für Musik mit nahöstlichen Einflüssen bei mir herrührt? Keine Ahnung! Aber Metalbands wie Orphaned Land, Melechesh oder Myrath gefallen mir sehr. Songs wie Gates Of Babylon oder Pyramids Of Cheops üben eine starke Anziehungskraft auf mich aus. Und auch Popkünstlerinnen wie Gaye Su Akyol begeistern mich. Kurz: Sobald die Halbtöne einer musikalischen Tonleiter an die orientalischen Stellen versetzt werden, setzt meine Kritikfähigkeit aus.

Erfreulich gut besucht ist der Club, erfreulicherweise nicht nur men only. Und, wie so oft, erfreulich gut ist der Sound im Club Zentral, als es gegen 20 Uhr losgeht. Etwas überraschend, nicht nur für mich, wie sich später herausstellt, sind Wyatt E. die erste Band des heutigen Abends. Das belgische Trio kommt, sehr zum Missfallen des Fotografen, in lichtverschluckenden schwarzen Gewändern samt umgehängten schwarzen Bärten auf die Bühne. Soll wohl das Mystische der Musik unterstreichen. Müsste meiner Meinung nach im Fall von Wyatt E. nicht unbedingt sein, aber es lenkt auch nicht unnötig ab.
Etwas Geduld sollte man als Charaktereigenschaft mitbringen. Die Band lässt den einzelnen Songparts viel Zeit, sich zu entfalten. Bestenfalls entwickelt sich so ein hypnotischer Effekt. Meine Alters-Ungeduld (von wegen Gelassenheit) hat bei den ruhigen Momenten etwas Schwierigkeiten, immer am Ball zu bleiben. Andererseits ist es natürlich ein gewünschter Effekt: Das Hinauszögern zu den lauten, energischen Höhepunkten soll diese noch heller strahlen lassen.

Hilfreich kommt mir aber in den ruhigen, oft gazigen Momenten zugute, dass mich dieser dunkel-mysteriös klingende Sound einfach per se abholt. Eine Aura des unter Äonen von Wüstensand begrabenen Okkulten beschwört die Musik Wyatt E. herauf. Verfremdete Gesangsparts, die wie fremdartige Beschwörungen wirken, verstärken diesen Effekt oft noch. Dass Bassist und Gitarrist mal zu Gitarrist und Bassist mutieren, macht sich für meine Ohren in keiner großen Weise bemerkbar. Was mir aber außerordentlich gut gefällt, ist das Schlagzeugspiel. Die Langsamkeit und Atmosphäre der Musik lassen Raum. Und diese nutzt der Drummer mit vielen Feinheiten in seinem Spiel außerordentlich gut. Akzente, die einer Musik, die sich ansonsten viel Zeit lässt, sehr gut tun.
Immerhin fünf Songs bringen die Belgier in dem gut einstündigen Set unter (wie viele Songs wären das in 90 Minuten? You do the maths!). Das Mysterium störende Ansagen bleiben – An sei Dank – aus. Die Frage, wie viele tatsächlich starke Kompositionen Wyatt E. in ihren Songs bieten, bin ich unfähig, nach diesem Gig zu beantworten. Dafür lasse ich mich dann doch zu sehr von der Ästhetik des Sounds beeindrucken. Aber einen alternativen Dune-Soundtrack könnte ich mir gut vorstellen mit dieser Musik. Tolle Band, gleich das aktuelle Album geholt am Merch.

Hemelbestormer teilen vieles mit Wyatt E.. Auch sie sind Belgier. Ebenfalls ist ihre Musik hauptsächlich instrumental. Und auch bei ihnen liefert die Antike Inspiration. Nur ist es hier nicht das alte Babylon. Man bedient sich hingegen bei den Etruskern, um die Songs auf ihrem letzten Album „The Radiant Veil“ zu benennen. Jedes einzelne Stück ist einem Planeten gewidmet und trägt dabei so klangvolle Namen wie „Usil“ (Sonne), „Tiur“ (Mond) oder „Satre“ (Saturn). Mysterium und Astronomie, da klopft jemand vehement an meine offene Tür.
Einbruchsicher verrammelt ist hingegen meine Tür, was das Genre Postrock angeht. Bin ich leider bisher nie richtig mit warm geworden. Diese Nullerwartung könnte der Grund sein, warum mir das Set der Belgier gar nicht so missfällt. Stimmungsvoll mit Visuals unterlegt, werden auch hier mit den Mitteln shoegaziger Gitarren stimmungsvolle Flächen erschaffen. Das sind die Parts, die mir durch ihren Wohlklang irgendwie farblos beliebig vorkommen. Bei weiterhin sehr gutem Sound fällt aber auf, wie tight und sauber die Band ist. Auf Platte wird das nicht unähnlich perfekt klingen.

Am besten funktionieren Hemelbestormer allerdings immer dann, wenn sie laut und dissonanter werden. Ok, die Wechsel von laut zu leise, von Wohlklang und Dissonanz sind oftmals ein Stilmittel dieses Genres. Und eigentlich mag ich es sehr, wenn Musik dieses dynamische An- und Abschwellen von Intensität hat. Und doch holen mich heute Abend nur die krawalligeren Stellen ab. Doom, wie ich ihn verstehe, höre ich im Bandsound nicht so richtig heraus, aber durchaus eine aus dem Hardcore stammende Intensität in den lauten Parts.
So bleibt für mich am Abend der etwas widersprüchliche Eindruck, dass mir am Ende die vermutlich musikalisch bessere Band – Hemelbestormer – weniger gefallen hat als Wyatt E.. Obwohl limitierter in ihrem musikalischen Ausdruck, ist das Trio einfach näher an meinen Hörgewohnheiten dran. Was immer es mit dieser Vorliebe für diese nahöstlichen Klänge auf sich hat.

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