EARTH, NATAŠA GRUJOVIĆ & STEVE MOORE, 30.01.2026, Manufaktur, Schorndorf

Die letzte Show von Earth in der Manufaktur liegt fast auf den Tag genau elf Jahre zurück. Wir berichteten natürlich, denn eine Show von Dylan Carlson und seinen treuen Begleitern ist immer etwas Besonderes. 2014 war das vorletzte vollwertige Album „Primitive And Deadly“ erschienen, mit Gesang auf wenigen Stücken von Mark Lanegan. Dieser stand 2019 zum letzten Mal auf der Bühne der Manufaktur, und ist zwischenzeitlich verstorben. Man suche „Kurt Cobain, Mark Lanegan, Dylan Carlson“ und schaue sich die Bilder an. Da war es nur noch einer von einst 3 Freunden – Dylan Carlson. Cut From A Different Cloth, der Keith Richards seiner Generation. Leider konnte ich den Film über ihn bzw. seine Band „Even Hell Has It’s Heros“, benannt nach einem Lied von Earth, noch nicht sehen, aber ich bin nicht schlecht informiert über sein Leben. Dass er noch unter uns weilt, ist glücklichen Fügungen zu verdanken.
Das letzte offizielle Album „Full Upon Her Burning Lips“ ist 2019 erscheinen, seither sind nur Wiederveröffentlichungen, ein Soundtrack und Live-Alben erschienen.
In den USA gab es zuletzt eine Tour zum Jubiläum des 2005 erschienenen Comeback-Albums „Hex Or Printing In The Infernal Method“. Das Album wurde komplett live gespielt, mit was ich heute auch gerechnet habe.
Vor Earth haben wir noch das Vergnügen, den langjährigen Earth-Kollaborateur Steve Moore und Nataša Grujović auf der Bühne erleben zu dürfen.

Ihn habe ich ziemlich sicher auch schon mit Earth auftreten sehen, und bei Sunn O))) – Shows war es sehr wahrscheinlich auch er, der seine Posaune durch den Nebel gestreckt hat. Die beiden spielen ein meditatives Instrumental-Set mit Akkordeon, diversen Keyboards, wahrscheinlich Fender Rhodes. Wirklich sehr gelungen, was die beiden darbieten, schwer zu beschreiben, muss man erlebt haben. So schön wie die Stücke, die scheinbar (noch) nicht veröffentlicht sind, sind die Worte, die Steve Moore an uns richtet. Über die Musik, die den Raum füllt, eine Verbindung zwischen uns schafft, was auch bei instrumentaler Musik gelingt. Beim letzten Stück kommt noch sehr sanft die Posaune zum Einsatz, das Instrument, das ich mit ihm direkt in Verbindung bringe.

Earth spielen in altbekannter Besetzung, Dylan Carlson an der Gitarre, seine Ex-Frau Adrienne Davies am Schlagzeug, (White-Stripes-Parallelen drängen sich auf), Bill Herzog (Sunn O))), Jesse Sykes) am Bass, und, erfreulich, weiter Steve Moore an den Tasten (Wurlitzer) und an der Posaune.
Dylan Carlson im neuen Look mit Realtree-Cap und gelben Brillengläsern, die mich auch an die Jagd denken lassen, klärt erfreulicherweise direkt auf, dass es neue Stücke, Stücke vom „Hex-Album“ und vom „The Bees Made Honey In The Lion’s Skull“ Album zu hören geben wird. Perfekt für mich, werde ich doch alle Stücke bis auf die Neuen kennen, da diese beiden Alben meinen Einstieg in den Earth-Katalog darstellen.
Los geht es mit einem neuen Stück, „Scalphunters Blues“, was sehr cool, groovy und druckvoll daherkommt. Ich habe Adrienne Davies noch nie schneller spielen sehen, also das neue Stück ist für Earth-Verhältnisse Speedmetal. Der Sound ist satt und druckvoll, wie immer in der Manufaktur, top level. Super Auftakt. Wer von der Vorband noch leicht sediert war, wurde jetzt wachgerüttelt.
Perfekt für Reviewer, Dylan benennt jedes nächste Stück, „Miami Morning Coming Down I“, was die Band, wie er sagt, zuletzt 2009 live in Stuttgart gespielt hatte. Genauer am 14.04.2009 im Schocken (I was there). Beim Stichwort Stuttgart schiebt Dylan noch hinterher, dass er sich eigentlich gerne einen Porsche mitnehmen würde, aber „I don’t have it like that“, haha, none of us do Dylan.

Der Sound vom „Bees“ Album, einfach super, wobei dieses Stück ist vom „Hibernaculum“ Mini-Album. Schon nach wenigen Liedern ist klar, dass es ein totaler Gewinn ist, Steve Moore wieder in der Live-Besetzung zu haben, was nicht immer der Fall war. Seine Begleitung hauptsächlich am Klavier, reißt es total. Weiter mit Bees, „Miami Morning Coming Down II“ (Lacher auf seiner Seite), es geht groovy und natürlich rein instrumental weiter.
„Junkyard Priest“, Vinyl-Only-Track von „Bees“, gefolgt vom stärksten Stück von „Hex“, „An Inquest Concerning Teeth“, nicht das einzige Lied von Earth das nach Zähnen benannt ist. Bestes Stück des Abends, wobei es nur noch besonders raussticht, es ist alles super.
Es folgen noch zwei weitere von „Hex“, was den Abend doch fast zu einem Abfeiern dieses Klassikers werden lässt.
„California And Other Impossible Dreams“ neu, gefällt mir auch sehr gut. Die Zugabe, nach der sie direkt gefragt werden, ist eine meisterhafte Performance von „The Bees Made Honey In The Lion’s Skull“. Dylan macht die fehlenden Lyrics mit überlangen Songtiteln wett, anstrengend.

Ich habe wenige Bands so oft gesehen wie Earth, und kann daher aus Erfahrung sagen, eine der Besten, wenn nicht die beste Show heute. Ein echter Trip, der die Zeit hat stehen lassen, und nur deshalb viel zu schnell vorbei war. Eine perfekte Mischung aus meditativen Sounds, fetten Grooves und angenehmer Unterhaltung durch Dylan Carlson, was ich bei Instrumental-Bands auch schon vermisst habe.
EARTH
Nataša Grujović & Steve Moore
