ZSK, Kinderkonzert, 10.01.2026, Im Wizemann, Stuttgart

ZSK, Kinderkonzert, 10.01.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Letztes Jahr beim Gig von Irie Révoltés war es, dass Gig-Blog-Fotograf Ralph mit der Idee kam, zu einem ähnlich politisch engagierten Gig zu gehen, nämlich zu dem der Berliner Punkband ZSK. Das Besondere daran: Es sollte sich um ein Kinderkonzert handeln.

So stehe ich also – als Einziger ohne begleitendes Kind – beim ersten Konzertbesuch des Jahres am frühen Nachmittag in der Eingangshalle des Im Wizemann. Und ich staune nicht schlecht. Wo sich sonst entweder aufgeregte Teenies tummeln oder auch ein reiferes Konzertpublikum versammelt, geht es heute zu wie auf dem Pausenhof einer Kindertagesstätte oder Grundschule. Zwischen den Eltern, die nur vereinzelt als Alt-Punks zu erkennen sind, wuseln Kids, die teilweise kaum der Krabbelgruppe entwachsen sind, bis hin zu Teens.

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Was aus einer spontanen Idee entstanden ist, nämlich den abendlichen Punkkonzerten ein mittägliches Kinderkonzert vorzuschalten, hat sich bei ZSK inzwischen zu einem echten Erfolgsmodell entwickelt. Der Kids‘ Gig im Wizemann ist (wie der am Abend) ausverkauft. Jetzt ist es ja nicht ganz ungewöhnlich, dass Bands wie Deine Freunde, DIKKA oder Heavysaurus explizit Kinder (und deren Eltern) ansprechen. Dass aber eine veritable „Erwachsenen-Punkband“ vor Drei- bis Zwölfjährigen spielt, das ist doch schon eher ungewöhnlich.

Angesichts des Merch-Sortiments male ich mir jedenfalls mit Genuss aus, welchen Effekt ein Fan-T-Shirt mit rotem Stern und erhobener Faust in der Kita oder auf dem Klassenfoto haben werden.

ZSK, Kinderkonzert, 10.01.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Der Wizemann Club ist in einen Kinderbereich vor der Bühne und einen dahinterliegenden Elternbereich unterteilt. Eine kleine Hüpfburg ist im Rückraum für die Allerkleinsten aufgestellt, die Bühne durch einen Vorhang mit einem bunten Comicmotiv abgehängt. Die Warm-up-Playlist mit Velvet Underground und Rancid gehört definitiv nicht zum Standard-Repertoire einer Toniebox. Kurz vor dem Konzert kommt ein riesiger Plüschhase vor den Vorhang, erklärt allen die Regeln für das Konzert und stimmt mit den Kids einen Countdown an. Mit dem Fallen des Vorhangs starten ZSK. Frontman Joshi steht in bester Rockerpose auf den Monitorboxen und wer erwartet hatte, hier eine entschärfte Version eines Punkkonzerts zu sehen, sieht sich getäuscht.

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Für Punk-Puristen dürften allzu eingängige Punkrock-Songs wie „Ende der Welt“ oder „Nicht allein“ vielleicht eher schwierig sein, für eine auf Party getrimmte Crowd sind sie mit ihren mutmachenden Botschaften und ihren schmissigen Singalongs geradezu perfekt. Und so sieht man auch keinesfalls erschreckte Kindergesichter, sondern staunende, feiernde und teilweise sogar textsicher mitsingende Steppkes.

Bühnenscherze mit Roadie Martin und das komplette Repertoire an Publikumsspielchen und Konfettikanonen sorgen für beste Laune. Vereinzelte Eltern, die durch „lustige“ Zwischenrufe auffallen wollen, werden ignoriert. Sänger Joshi betont immer wieder, dass dieses Konzert für die Kinder sei und die Eltern ja abends vorbeikommen könnten. Nur einmal unterbricht er die Party und wendet sich – als Vater dreier Töchter – an die Erwachsenen. Er wisse, wie schwierig die Zeiten gerade für Eltern seien, wie unsicher die Zukunft und die Bedrohung von Rechts. Und er endet mit dem Satz, „dass wir unsere Demokratie auch ganz besonders dadurch verteidigen können, dass wir unsere Kids zu anständigen Menschen großziehen“. Mit „Die Kids sind okay“ endet nicht nur der offizielle Teil des Konzerts, er fasst auch die Motivation für dieses Eltern-Kind-Event perfekt zusammen.

ZSK, Kinderkonzert, 10.01.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Ralph Pache
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Die Zugabe beginnt mit einem Song, „den ihr alle ganz leicht mitsingen könnt“, und Iggy Pops Passenger funktioniert natürlich wie immer als Grundlage für einen kollektiven „La-la-la-la-lalala-laa“-Chor. Zum Abschluss gibt’s dann noch – und damit hätte ich nicht gerechnet – den Streetpunk- und Demo-Klassiker „Antifascista„. Dann geht es raus ins Foyer, wo Joshi und seine Kollegen jedem Kind ein kleines Überraschungspaket und ein Buch mitgeben.

ZSK, Kinderkonzert, 10.01.2026, Im Wizemann, Stuttgart | Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Skeptiker dürfen gern die Frage stellen, ob dies wirklich ein kindgerechtes Angebot war. Wenn man aber dabei war und erlebt hat, wie fröhlich die Kids gefeiert haben, sind diese Zweifel ausgeräumt. Und wenn ich mal davon ausgehe, dass dies für viele ihr allererster Konzertbesuch war, dann war das einer, der ziemlich hohe Maßstäbe für das spätere Konzertleben gesetzt hat. Und der vielleicht den Einen oder die Andere zum Nachwuchs-Punk gemacht hat.

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