SMOULDER, DREAD SOVEREIGN, 17.12.2025, Schwarzer Keiler, Stuttgart

Noch ganz beseelt vom letztwöchigen Helstar-Auftritt im Keiler steigen wir ein paar Tage später wieder hinab in Stuttgarts Metal-Klub, mit der Gewissheit, dass es wieder nur gut werden kann. Denn: Schrott-Bookings gibt es hier nicht. Immer sind es Bands, über die es viel zu erzählen gibt, die besonders sind auf ihre Art. Heute mit Smoulder und Dread Sovereign mal wieder ein Doppelpack zum mit der Zunge schnalzen.

Etwas überraschend ist noch eine dritte Band heute Abend am Start. Grendel’s Sÿster sind mir schon bekannt, da sie letztes Jahr im Vorprogramm der fantastischen Tanith gespielt haben. Die Stuttgarter*innen spielen nach Mittelalter und Minnemusik klingenden Metal. Eine E-Gitarre spielt meist folkig klingende Melodeien, während die Sängerin mal auf Deutsch, mal auf Englisch forsch singt. Das alles klingt sehr kompakt, mit im Ohr hängenbleibenden Riffs und Refrains und in sich stimmig, bespielt aber eine Stilart, mit der ich leider wenig anfangen kann. Dafür gerät das halbstündige Set dann doch überraschend kurzweilig. Und der ausverkaufte Keiler feiert die Band durchaus euphorisch. Wenn man einen Bauernaufstand gegen den Lehnsherren anzetteln will, oder die durch Mutterkorn verursachte Hopfen-Missernte anprangern möchte, ist das die richtige Musik dafür. Davon abgesehen – Im Curriculum Vitae drin stehen zu haben, mit Tanith und Smoulder sowie Dread Sovereign zusammen aufgetreten zu sein, macht sich bestimmt auch nicht schlecht. Darauf erstmal eine Biersuppe.

Dread Sovereign kenne ich tatsächlich durch das Album „Alchemical Warfare“. Erst beim letzten Anhören der CD kamen mir dann Zweifel auf, ob ich das Album nicht lieber weg von dem blackeren Thrashzeugs hin zu den doomigeren Genres hinsortieren sollte. Eine Fragestellung, die sich auch bei der Einordnung des Livekonzerts stellt. Denn das hat sowohl Ultradoomiges wie rauen Proto Black Metal zu bieten, und die spacerockigen Anteile seien da mal ganz ausgeklammert. Schon von der Papierform her im Mittelpunkt des Trios steht der Sänger / Bassist Alan „Nemtheanga“ Averill. Der ist hauptberuflich Sänger bei Primordial, deren As Rome Burns eines der besten Beispiele dafür ist, wie man ein klassisches Orchester mit Metal verwursten kann und dabei exzellente Musik rauskommt.

Gesanglich ist sein Timbre ziemlich unverwechselbar und drückt der Musik schon mal einen eigenen Stempel auf. Seine Erscheinung und Art ist aber auch etwas Besonderes. Einerseits wirkt er wie der Typ, der bei einer Pubschlägerei als Letzter noch steht. Andererseits sind seine mit unzähligen „cunts“ und „fuck off“ durchsetzten Ansagen so anfeuernd wie saukomisch. „The next song sounds like Venom. The trick is, that if you don’t like Venom, you can fuck off.“ Das „Fuck off“ wird aber auch gerne mal als ein etwas rüderes „Auf geht’s!“ benutzt. Dabei ist die Musik gut genug, um auch ohne animierende Aufrufe auszukommen.

Wenn ich wählen dürfte, würde ich die doomige Seite von DS bevorzugen. „The Great Beast We Serve“ z.B. ist grandios. Famose Riffs in Verbund mit der Stimme eines wütenden Predigers schaffen eine ganz eigene Atmosphäre. Und was auch klar wird im Verlauf des Auftritts ist, dass Dread Sovereign eine Art Vehikel ist, um den Idolen zu huldigen. Venom hatten wir schon. Im letzten Song des Sets wird „Black Sabbath“ von Black Sabbath intoniert. Davor wird auf den verstorbenen At The Gates Sänger Tomas Lindberg angestoßen. Und der Albumtitel „Alchemical Warfare“ ist natürlich auch schon eine Verbeugung. Ein herausragender Auftritt, der noch lange nachhallt. Auch dank der guten Soundabmischung.

Smoulder sind eine hochinteressante Angelegenheit. Auf die Musik kommen wir gleich zu sprechen, aber Sängerin Saran Ann Vincent biete das volle Paket. Sie macht Video Reviews auf Banger TV, bringt ein Underground-Fanzine heraus, hat an einem Fantasy Buch mitgewirkt, und schafft es mal ganz nebenbei in einem Genre wie Epic Metal, in dem das Bild des Kriegermannes und Frauen als Gewaltopfer nicht unüblich ist, feministische Aspekte unterzubringen. Und in Interviews so kluge wie empathische Dinge dazu sagt.

Und die Musik? Auf Platte schon mal überragend und well received. Live ist es eine hochintensive Angelegenheit. Es gibt viele Melodien zu hören. Zweistimmige Gitarrenleads wechseln sich mit harten Riffs ab, die Lieder sind intelligent und abwechslungsreich aufgebaut. Dabei bleibt immer eine leicht düstere, dramatische Grundstimmung bewahrt. Aber wie soll es anders sein, wenn man u.a. als Vorbilder Manilla Road und die alten Fates Warning nennt.

Zu Sarahs mit vielen Bewegungen und Gesten untermalten Gesang gesellt sich eine konzentriert spielende Band, die alles auf den Punkt bringt, ohne Wackler. Bei weiterhin gutem Sound wird auch einem Ersthörer wie mir die Songwriting-Güte von Smoulder bewusst. Man möchte sich sofort die Alben kaufen und die nächsten Tage zuhause in aller Ruhe die dicht gepackten Songs absorbieren. Dabei geht das anspruchsvolle Songwriting und die überbordenden Arrangements nicht auf Kosten der Eingängigkeit. Ein Song wie „Ilian Of Garathorn“ bleibt gleich hängen, und wird nicht umsonst vom gesamten Keiler mitgesungen. Definitiv sind Smoulder eine der besten Bands, die traditionellen Metal so aufs Parkett bringen können, dass es nicht nur wie ein seelenloses Reproduzieren alter Zeiten klingt,

Man könnte jetzt kritteln, dass der Auftritt ein paar Minuten länger hätte sein können als die ca. 50 Minuten. Für mich war das absolut ok so. Nach drei Bands und dem Dread Sovereign Erlebnis in den Knochen, hatte der Smoulder Auftritt genau die richtige Länge. Kurz vor Veröffentlichungstermin noch ein Konzert, das es in meine Konzertbestenliste des Jahres 2025 geschafft hat.
