MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Mein Plan des vergangenen Jahres „Mehr Konzerte außerhalb der Wohlfühlzone besuchen“ scheint aufzugehen. Bei einer ganzen Reihe von Metal-Gigs habe ich Thrash, Death, Power und Speed Metal kennengelernt – und keines dieser Konzerte bereut. Ganz im Gegenteil: Großartige Musiker:innen und eine – trotz des martialischen Auftretens – erstaunlich freundliche Besucherschaft zu schätzen gelernt. Auch das ein oder andere große Hardcore-Punk-Konzert habe ich gesehen, aber diese ekstatischen Szenen, wie sie auf den Fotos der Kolleg:innen Martina Wörz oder Marc „XembraceX“ eingefangen sind, habe ich noch nie erlebt. Da letzterer zu meiner großen Freude neuerdings die Gig-Blog-Fotografenschar vergrößert, habe ich die Chance genutzt, mich von ihm bei einem solchen Gig in die lokale Hardcore-Szene einführen zu lassen. Und soviel sei verraten: Das gestrige „Goldi Bashhh“ war ein umwerfendes Erlebnis!

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Die Opener Kuballa aus Ludwigsburg/Stuttgart meinen schon fast entschuldigend, sie spielten „nur Punkrock“ und seien heute vermutlich nur dabei, weil ihre Sängerin und Gitarristin Marta auf dem neuen Album von Prison of Hope „mitgebrüllt“ habe. Sympathisch selbstironisch. Dabei liefern die fünf ein solides Deutschpunk-Brett mit schneidendem, meist zweistimmigen Gesang. Fans von Turbostaat oder Pascow dürfte das sehr gefallen. Das Publikum lässt sich aufwärmen, scheint aber seine Energie für die nächsten beiden Gigs aufzusparen.

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Dass der Mischer samt Pult hinter die Theke verbannt ist, das Ganze mit Flatterband markiert und durch ein schützendes Brett verbarrikadiert ist, macht mich stutzig. Womit müssen wir hier heute Abend eigentlich rechnen? Das Upgrade am Drumset in Form einer Doppelfußmaschine gibt erste Hinweise. Und schon bei den ersten Takten von „Just a Book“ und ersten Shouts der Frontfrau Janika ist klar, dass der gemütliche Teil des Abends vorbei ist. Prison of Hope und ihr Publikum sind aus dem Stand im Eskalationsmodus.

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
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Der Wechsel zwischen Uptempo-Passagen und verschleppten Beats ist abwechslungsreicher als erwartet – und ich muss feststellen, dass zumindest musikalisch das gar nicht so weit weg ist von einigen der erwähnten Metal-Gigs. Das Publikum ist aber ein ganz anderes. Sehr divers und vor allem – voll auf Party getrimmt. Der Moshpit tobt, Crowdsurfer und Stagediver halten die Crowd in dauernder Beschäftigung. Wenn die nicht gerade damit beschäftigt ist, ihren gesanglichen Beitrag in die Mikros der Sänger:innen zu schreien.

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Zweimal bekommt Janika gesangliche Unterstützung. Einmal von einer nicht minder engagierten, mir aber unbekannten Sängerin und beim letzten Song, dem Skid-Row-Cover „Youth Gone Wild“, vom Frontmann der lokalen Punkrock-Combo Hell & Back. Überhaupt ist das eine sehr familiäre Veranstaltung. Jeder scheint jeden zu kennen. Auf der Bühne gibt es immer wieder Gäste und es wird betont, dass der gesamte Abend – ganz im DIY-Sinne – als Mannschaftsleistung organisiert wurde.

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Der dritte Gig des Abends gehört Minus Youth. Das Goldmark’s ist inzwischen proppenvoll und hat wegen der schweißtreibenden Betätigung ein leichtes Sportumkleide-Aroma angenommen. Und die Band um Frontmann Denis legt noch eine Schippe drauf. Er sucht die permanente Nähe zum Publikum, schmeißt sich mir irrer Energie in seinen Vortrag und bringt den Laden vollends zum Toben. Textsichere Fans übernehmen ganze Gesangspassagen, wenn sie sich nicht gerade von der Bühnenkante stürzen oder unter den Spiegelkugeln durchsurfen lassen. Keine Frage, viel intensiver kann ein Gig nicht sein. Und dennoch schiebt Dennis eine nachdenkliche Minute ein, um über Depressionen zu sprechen und die heilende Energie, die er aus solchen Events bezieht.

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Und dann kommt noch ein Instrument auf die Bühne, das ich in diesem Genre nicht erwartet hätte. Ein paar Riffs auf einer Mandoline setzen unerwartete Akzente. Wie schon die beiden ersten Gigs ist auch diese Energiebombe zeitlich überschaubar. Nach circa vierzig Minuten endet die schon fast kathartische Schwitzkur und entlässt ein durchweg glückliches Publikum in die Winternacht.

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
Foto: Marc XembraceX

Mein Fazit: Experiment geglückt. Eine durchweg sympathische Veranstaltung mit klaren – auch politischen – Ansagen. Eine Musik und Subkultur, die deutlich zugänglicher ist als erwartet. Die gar nicht wirklich außerhalb der Wohlfühlzone liegt. Und die ich garantiert wieder besuchen werde. Eventuell mal im JuHa West oder spätestens beim „Goldi Bashh Vol. III“.

Jetzt steht aber erst noch eine weitere Bildungsreise an – und vielleicht auch mein musikalischer Endgegner: Am 23. Dezember gibt’s Crust Punk beim „Merry Crustmess #3“ im Keiler.

MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart | Foto: Marc XembraceX
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Kuballa

2 Gedanken zu „MINUS YOUTH, PRISON OF HOPE, KUBALLA, 12.12.2025, Goldmark‘s, Stuttgart

  • 13. Dezember 2025 um 18:14 Uhr
    Permalink

    Humorvoll, ehrlich und einfach sympathisch geschrieben – so kennt man dich, Holger…
    Hat mich sehr gefreut, dich mal wieder zu sehen.
    Grüße Falko

  • 14. Dezember 2025 um 14:54 Uhr
    Permalink

    Vielen Dank, Falko. Ehrlichkeit ist die einzige Chance, wenn einem klar wird, dass man vermutlich der einzige ist, der hier überhaupt keine Ahnung hat. Naja, und vielleicht ist die Außenperspektive ja auch mal ganz interessant. ;) Bis bald, Grüße Holger

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