APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

In diesem Konzertbericht dreht sich alles um ein Flugzeug. Ein echtes Flugzeug, keine Requisite: über 27 Meter lang, mehr als sechs Meter hoch und mit einer Flügelspannweite von rund 21 Metern.

Die ersten Hinweise auf dieses gigantische Objekt gibt es bereits im Foyer: ein ebenso imposantes Plüschmaskottchen – keine sechs Meter hoch, aber locker 1,90 – das dem Star des Abends, Apache 207 (sprich „Zwei Null Sieben“), nachempfunden ist. Gut bewacht von einem Security-Mitarbeiter in einer Weste mit dem Logo „Feder Airlines“ – benannt nach der Produktionsfirma des Künstlers – warten die Besucher*innen geduldig auf ein Foto mit der Figur mit Pilotenmütze und -uniform. Am Merchandise-Stand gibt es Shirts und Accessoires im Boarding-Pass-Design. Die Stimmung erinnert ein wenig an die Warteschlange im Freizeitpark: Vorfreude auf die wilde Fahrt inklusive.

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Im Innenraum der Schleyerhalle ist vom Flieger zunächst nichts zu sehen. Die Center-Stage – im Konzertbetrieb längst keine Sensation mehr, aber immer noch eine Herausforderung für alle Beteiligten – ist mit einem schwarzen Vorhang verhüllt. Drumherum stehen und sitzen die Fans: Familien mit Kindern, Jugendliche, Erwachsene – alle Altersgruppen sind vertreten. Das ist heute keine Nische, das ist Pop.

Ist der Künstler schon hinter dem Vorhang? Oder wird er kurz vor Konzertbeginn wie Taylor Swift auf ihrer letzten Tour in einer riesigen Equipment-Box auf Rollen in die Mitte der Halle gebracht? Ich kann es nicht genau sehen und deshalb auch nicht abschließend beantworten, aber diese Referenz an den größten Popstar unserer Zeit gefällt mir schon mal sehr gut.

Der Song „Push It to the Limit“ aus dem „Scarface“-Soundtrack erklingt und löst die Hip-Hop-Classics ab, die das Publikum bis jetzt unterhalten haben. Ein Titel, der auch das Motto des Abends sein könnte: Ab jetzt wird geklotzt, nicht gekleckert.

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Das Licht geht aus. Auf den riesigen Screens über der Bühne erscheint das Entertainment-System in der Rückenlehne eines Passagierflugzeugs. Wir wählen einen Film über die Evolution: Eine animierte Figur, die stark an Apache 207 erinnert, rast durch die Menschheitsgeschichte. Doch bevor die großen Fragen des Lebens endgültig geklärt sind, fällt das Unterhaltungsprogramm aus und die Maschine gerät in Turbulenzen. Mit einem Knall fällt der schwarze Vorhang. Das gigantische Flugzeug steht im Scheinwerferlicht.

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Es knallt und blitzt weiter. Der Rumpf öffnet sich der Länge nach, bewegt sich nach oben und gleichzeitig schwebt aus dem Cockpit Volkan Yaman alias Apache 207 herab – der Ludwigshafener mit Sonnenbrille und streng geflochtenem Zopf. Der Bass wummert so heftig, dass man glaubt, die Halle könnte gleich in sich zusammenfallen oder das Flugzeug tatsächlich abheben. Die Leuchtarmbänder, die an das Publikum verteilt wurden, blinken synchron zur ohnehin spektakulären Lichtshow rund um die Mittelbühne.

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Die Band, zu beiden Seiten des Flugzeugs platziert, stimmt den ersten Song an. Apache schreitet die volle Länge des Fliegers ab, tänzelt zwischendurch oder setzt sich lässig an die Flugzeugkante. Sein Outfit: ein schwarzes Piloten-Dress mit Jackett, Weste, Krawatte und schwarz-weißen Loafers. Die Sonnenbrille bleibt, wie immer, auf der Nase.

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Gleich zu Beginn freut er sich, wieder in Stuttgart zu sein, und erinnert an den grandiosen Abend beim Kesselfestival 2023 auf dem Cannstatter Wasen. Damals hatte er immerhin schon eine nachgebaute Tankstelle, ein BMW-Cabrio und ein Boot dabei, um seine Show besonders plastisch wirken zu lassen.
Heute ist es also das Flugzeug: Weil Menschen in sozialen Netzwerken alles wissen, erfahre ich noch am selben Abend, dass genau diese Maschine 2015 in den USA ausgemustert wurde und anschließend irgendwie nach Europa gelangte. Erkennbar ist das an der einmaligen Kennung, die noch immer auf der Außenhülle prangt. Was so ein ausgemusterter Jet kostet und wie man ihn über dem Atlantik und jetzt quer durchs Land transportiert, um ihn in großen Arenen auf- und wieder abzubauen? Keine Ahnung!

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Der Überflieger Apache 207 schreitet derweil weiter mit großen Schritten über den Rumpf, betritt die Flügel und schwebt fast über den Köpfen der Fans. Hit folgt auf Hit – die Setlist steht unter anderem in der Stuttgarter Zeitung. Der Künstler singt und rappt live, natürlich mit dem charakteristischen Autotune-Effekt. Mal sind die Beats dominant, mal klingen die 80er-inspirierten Keyboards träumerisch, aber immer cool. Die Texte? Es geht meist um schnelle Autos, PS-starke Boliden und um Frauen, deren Liebe man damit gewinnen will – wären da nicht gleichzeitig die ständigen Selbstzweifel des modernen Mannes aus einfachen Verhältnissen. Dass sein allergrößter Hit „Roller“ heißt und eben nicht „Porsche“ oder „Lamborghini“ passt also.

Es läge nahe, den Piloten Apache 207 auf seinem eigenen Bühnenflugzeug für größenwahnsinnig zu halten. Rein von den Zahlen her hätte er jedes Recht dazu: Seine Songs laufen stündlich im Radio, auf YouTube und Spotify werden sie millionenfach gestreamt. Doch der Künstler wirkt anders. Zwischen den Songs plaudert er freundlich und bodenständig über schöne Erlebnisse in Stuttgart und wie surreal sich dieses pompöse Setting für ihn selbst anfühlt.

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Längst gibt es eine eigene Doku über sein Leben und seinen Erfolg: Apache bleibt gleich läuft seit 2022 bei Amazon Prime. Lange vor „Babo“ über Haftbefehl war dieser Film zu sehen. An dessen Netflix-Doku kam dieses Jahr niemand vorbei, aber Hafti wird an diesem Abend auch noch einkassiert: Während Apache auf einer riesigen künstlichen Wolke durchs Publikum schwebt, erklingt ein Song von Reinhard Mey. Nicht „In meinem Garten“, dem Haftbefehl am Ende seines Films, gezeichnet von Drogen und Depressionen, zu neuem, ungeahntem Ruhm verholfen hat, sondern „Über den Wolken“. Apache freut’s – und Meys Geldbeutel vermutlich auch. Die Rapper halten sich an den Generationenvertrag!

Von der Wolke geht es über den Heckflügel des Jets wieder in den Mittelpunkt der Konzerthalle, dann verschwindet Apache im inzwischen wieder geschlossenen Flugzeugbauch. Während die Crowd mit einem interaktiven, pixeligen Computerspiel auf den Leinwänden unterhalten wird, wechselt er dort sein Outfit. Mit offenen Haaren und in einem schwarz-gelben Motorradanzug samt typischem Unterhemd tritt er erneut auf die Bühne. „Respice Finem“ steht in großen Buchstaben auf der Jacke – Lateinisch für „Bedenke das Ende“. Auch der Höhenflug eines Superstars – der früher sein Geld mit Lateinnachhilfe verdiente – kann schnell vorbei sein!

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Doch bevor es so weit ist, sprühen aus der Gitarre von Max Flammen, Schlagzeuger Dirk gibt alles, Dominik spielt Bass, und Rico tanzt und klatscht unermüdlich an Keyboard und Geige. „Hier ist eigentlich alles live“, kokettiert Apache mehrfach mit der Frage, ob er Playback nutzt. Tut er nicht.

Vor „Miami“ dürfen drei junge Fans auf die Bühne. Bis Hanna, Viktoria und Marlon sich im hastig bereitgestellten In-Ear-Monitoring selbst hören, dauert es ein wenig. Apache hat aber Geduld – und freut sich über den vollen Erfolg seines Teenage-Hype-Girls, die die Menge anfeuern darf.

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Es kracht und knallt noch mehrfach ordentlich auf der Bühne, zwischendurch raucht nicht nur das Feuerwerk, sondern auch der Star eine Zigarette. Beim Mega-Hit „Komet“ fehlen dann die etwas holprigen Parts von Udo Lindenberg. Der ist übrigens schon vor einigen Jahren nebenan in der Porsche-Arena und im Neckarstadion mit in einer Rakete gelandet und abgehoben. Die war definitiv nicht echt, aber irgendeinen Zusammenhang scheint es zwischen Charterfolg und großen Fluggeräten zu geben.

Zum Abschluss holt Apache 207 vier Freunde auf die Bühne – auch, um sich nochmal ein paar Züge von einer Zigarette zu schnorren. Ansonsten bestreitet er diese und drei (!) weitere Shows in der Schleyerhalle allein. Der „Feder Airlines“-Jet startet und landet bis Ende Februar noch 26 weitere Mal in den größten Arenen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Ich wünsche guten Flug, viel Spaß – und verneige mich mit offenem Mund. Ich würde jederzeit wieder mitfliegen!

APACHE 207, 09.12.2025, Schleyerhalle, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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