CAVA, 7FLÖTEN, 28.11.2025, Manufaktur, Schorndorf

Bereits im Februar hätten Cava in der Manufaktur spielen sollen, um ihr im November 2024 erschienene, zweites Album „Powertrip“ live vorzustellen. Doch leider musste das Konzert krankheitsbedingt abgesagt werden. Heute nun der lange ersehnte Nachholtermin.

Doch zuerst betreten die 7Flöten die Bühne. Im September spielten die vier Musiker:innen einen fulminanten Gig im Stuttgarter Ritterstüble; ein Konzert, das vor purer, roher Energie nur so strotzte und das Publikum absolut begeisterte. Ich bin gespannt, wie dieser Sound jenseits des intimen Rahmens, auf der doch deutlich größeren Bühne der Manufaktur funktionieren wird. Klar ist schon, nach der aus einem krächzenden, verzerrten Mikrophon kommenden Ansage, dass wir uns auf was gefasst machen können, dass auch heute Abend das Energielevel hoch sein wird.

Sängerin Anne shoutet im Opener „Einkaufswagen“ ihre Lyrics dem erwartungsfrohen Publikum ungefiltert entgegen. Lange Überzeugungsarbeit müssen die 7Flöten nicht leisten, der Funke der Begeisterung springt sofort über. Spätestens beim dritten Song „Die Möbel“ zeigt sich, dieser Auftritt ist anders, vielschichtiger, die Band lässt sich mehr Zeit für einen dramaturgisch spannenden Aufbau. Alexandras Kickdrum erzeugt eine zurückhaltende Atmosphäre, nur um dann von Annes schneidender Stimme gnadenlos durchtrennt zu werden; Großartig!

Die Vier schaffen es problemlos, die größere Bühne sowohl musikalisch als auch in Bezug auf Bühnenpräsenz auszufüllen. Ich bin begeistert, wie Tims Keyboardflächen und Jannicks außergewöhnliche Akkorde, die er auf seinem Griffbrett zaubert, eine cineastische Atmosphäre erschaffen, die an den dronig, psychedelischen Breitwandsound von Godspeed You! Black Emperor erinnert, ohne die rohen Punk-Wurzeln zu kappen.

Erstaunlich, in welch kurzer Zeit sich der Sound der 7Flöten weiterentwickelt hat und wie sie es schaffen, die unterschiedlichsten Stile stimmig zu verknüpfen, ohne manieristisch zu sein. Mit aggressiv treibendem, wie auch sensiblem Drumset, straighten und komplexen Gitarrenriffs, Elektropunk und New-Wave-Keyboard-Sounds und einem Gesang, der durch Mark und Bein geht, mit Texten, die zwischen Kommentaren zur Zeit und Dada-Lyrik oszillieren, fahren die Musiker:innen das ganz große Programm auf und haben das Publikum nach 40 Minuten Spielzeit komplett überzeugt.

Nach kurzem Umbau legen Cava ähnlich unvermittelt und brachial los. Das Duo Peppi Ahrens und Mela Schulz erzeugt durch seine Minimalbesetzung, bestehend aus Gitarre und Schlagzeug, einen kompromisslosen Sound, der gar nicht erst versucht, sich unterschiedlichster Stile zu bedienen, hier wird vollkommen schnörkelloser Punkrock dargeboten. Mela bearbeitet die Felle ihres Schlagzeugs mit ungeheurer Wucht und Peppis Fuzz-Gitarrenakkorde mit einer gehörigen Portion Distortion branden gnadenlos ins Publikum. Erstaunlich, wie viel Energie und „Lärm“ zwei Musikerinnen erzeugen können. Im Gegensatz dazu steht Ahrens Gesang, der irgendwo zwischen mädchenhafter Leichtigkeit und wütendem Protest anzusiedeln ist. Hier erinnert sie in den Tremolo-Passagen an Kat Bjelland, Sängerin der Neunzigerjahre Riot-Grrrl-Band Babes In Toyland.

Ziemlich mitreißend ist dieses sich ergänzende Wechselspiel aus musikalischem Abriss und dieser fast schon verspielten Melodienseligkeit, die aber konsequent in ihre Einzelteile zerlegt wird. Man will ja schließlich keine entspannte Wohligkeit aufkommen lassen, hier soll zum moshen animiert werden. Mit Cava tanzt man schließlich gut gelaunt gegen die Unbill der Gegenwart. Musikalisch ist das jetzt nicht von großer Abwechslung geprägt, aber darum geht es auch nicht, hier geht es um die pure Energie, und diese können die beiden ungefiltert auf die Bühne bringen. Textlich setzen sich Ahrens und Schulz mit so dringlichen Themen wie (Macht-)Missbrauch und Feminismus auseinander und präsentieren direkte Kampfansagen an männliche Dominanz und Klassismus.
„You think you’re oh so clever
You think that we are blind
You wanna be our savior
You think that you are kind
You do not make us feel safe
You’re mostly twice our size
Wanna be our friend in blue
But we don’t see a friend in you
(aus „Exceptions)

Und um dem Machismus feiernd entgegenzutreten, gibt es nicht die wie auf Punkkonzerten oft übliche Bierdusche, nein, heute Abend gibt es eine liebevolle Dusche aus Seifenblasen. Peppi meint im weiteren Verlauf, dass sie heute Abend etwas nervös wäre. Dies merkt man ihr allerdings zu keiner Sekunde an, wie sie in der Performance mit vollem Stimm- und Körpereinsatz aufgeht.

Zwischendurch gibt es dann auch noch einen kurzen Wechsel an den Instrumenten, der zeigt, dass beide Musikerinnen multiinstrumental zu glänzen wissen. Zum Schluss übernimmt dann noch Marco Mühlhaus der Wiener Punk-Band F.E.I.D.L die Gitarre, sodass sich Peppi Ahrens ganz ihrer verausgabenden Performance widmen kann. Nach einer Stunde inklusive zweier Zugaben ist dann Schluss, kurz und knackig wars und mehr braucht es auch nicht für einen tollen Konzertabend.

