DAS PARADIES, STEFANIE SCHRANK, 19.11.2025, Merlin, Stuttgart

2022 war für mich ein wirklich tolles Konzertjahr. Corona verlor so ganz langsam an Kraft und Schrecken und im selben Schnecken-Tempo gewöhnte ich mich wieder an Konzerte in voll besetzten Locations. Am Jahresende stand – wie auch dieses Jahr wieder – die Frage an, welche Konzerte es in meine persönliche Bestenliste für den Gig-Blog schaffen und der Auftritt von Florian Sievers alias „Das Paradies“ samt sehr toller Band im Merlin im September jenes Jahres schaffte es souverän und ohne zu zögern in diese Auswahl. Seitdem gehört vor allem das zu jener Tour gehörende Album „Transit“ zu den immer wiederkehrenden Platten, die ich mit Genuss und Freude höre.

Leider kam damals kein Bericht zustande, was beim erneuten Gastspiel im Stuttgarter Westen unbedingt nachgeholt werden sollte. Stefanie Schrank, auch bekannt als Mitglied der Band „Locas In Love“, eröffnet den Abend mit einem Reigen an Songs, die vor allem durch die Texte bestechen („Ich bin die Mutter von Luke Skywalker / ich bin die Katze von Jesus Christus“), musikalisch mich aber nicht ganz überzeugen, da die Backing-Tracks mir persönlich etwas zu voll mit Soundstrukturen geladen sind.

Im Gegensatz zu 2022, als „Das Paradies“ in klassischer Band-Besetzung auftrat, wird Florian Siefers von Robert Kretzschmar am Schlagzeug, Percussion und Vibrafon begleitet. Wobei „Begleitung“ seine tolle Performance definitiv nicht ausreichend würdigt. Da sitzt jeder Sound und jeder Ton und geben den oft fließenden Songs einen wahnsinnig gut abgestimmten Rahmen sowie die ein oder andere extra Note.

Siefers Song entwickeln trotz ihrer oft ruhigen Art einen Sog, in den ich auch dieses Mal wieder hineingezogen werde. Der Mix aus leichten, aber nicht beliebigen Melodien und Texten, die scheinbar mühelos sprachliche Bilder entwerfen, denen ich regelmäßig verfalle, z.B. die ersten Strophen des Überhits „Rosa Luft“:
„Du lachst im Schlaf
Du weckst mich auf
Deine Augen sind
Zu und du bist gut drauf
Von Phänomenen
In den Sphären, in denen du bist
Erzählst du in dieser Sprache, die
Wirklich nur du sprichst
Ich rate, was du meinst
Was du im Schlaf erkennst
Ich male Versionen deiner Visionen
Remix Transzendance
Du träumst nicht das, was wird
Du träumst nicht das, was war
Du träumst für uns
Von der Gegenwart.“

Die Songs des neuen Albums „Überall, wo Menschen sind“ sind zum Teil ebenfalls ganz luftig leicht („An einem Kirschbaum in einem Sommer“), aber auch von leisen und melancholischen Momenten geprägt („Bei den Regendrops“). Teilweise werden Songs der vorigen Alben in neuen Gewändern präsentiert, wobei der Sound sehr präsent ist (vor allem die sehr toll abgemischten Drums und die Gitarre), aber doch ein wenig zurückgezogener als vor drei Jahren. Das passt alles sehr gut zusammen und trifft auf ein höchst aufmerksames Publikum, das alles einzusaugen scheint, was Siefers und Kretzschmar ins Merlin zaubern. Und so endet dieser wunderbare Abend mit zwei strahlenden Musiker-Gesichtern und einer letzten Aussage Siefers’, den ich bei „Das Paradies“ bisher immer unterstreichen kann: „Das war besonders.“
