LAFEE, MELLER, 11.11.2025, LKA, Stuttgart

Das Konzert heute Abend wurde von der Liederhalle ins LKA verlegt – ob das auf Ticketverkäufen basiert oder einfach, weil das LKA den besseren Rahmen für ein Rockkonzert bietet, ist nicht auszumachen – die Bude ist auf jeden Fall gefüllt und die Stimmung ausgelassen, wie auf einer Abi-Party mit 2000er-Playlist.
Den Auftakt heute Abend darf die Newcomerin Meller aus Hamburg bestreiten, die heute Abend vermehrt auf ruhige Töne und persönliche Texte setzt. Es stellt sich als nicht ganz einfach heraus, damit das nach Party lechzende LKA auf Betriebstemperatur zu bringen. Doch Meller bzw. Lea zieht ihr Ding konsequent durch und nimmt das LKA mit Songs wie „Winter“ oder „Die Farbe Grau“ mit auf ihre ganz eigene, melancholische und wütende Reise durch persönliche Erfahrungen und Leiden. Meller nutzt jeden ihrer Songs, um den Menschen vor der Bühne positive Vibes zu vermitteln, Mut zu machen, aber auch um unangenehme Themen anzusprechen. Meller ist eine Geschichtenerzählerin und ihre Texte/Geschichten sind gut. Verpackt in teilweise minimalistische Klangwelten oder auch knallendes Elektrogewitter schafft sie es, eine Verbindung zum Publikum aufzubauen, die nicht auf Party ausgelegt ist, sondern Gefühle zu vermitteln. Ein total souveräner Auftritt, der in anderem Rahmen sicherlich noch mehr Energie und Stimmungen entfacht hätte.

Während der Umbaupause für LaFee wird endgültig die 2000er Party gestartet. Es fehlt an nichts, was uns nicht zurückversetzt in die Zeiten von Nu Metal und – natürlich leider auch Nickelback – mit deren „How You Remind Me“ das komplette LKA in lauten Gesang mit einsteigt. Wir bekommen nochmal die kompletten Chart-Hits präsentiert – „Papa Roach“, „Linkin Park“, „Evanesence“, „Bon Jovi“ und natürlich – was darf als letzter Song vor LaFees Auftritt nicht fehlen? (Ein begeisterter Fan, der Macaulay Culkin unglaublich ähnlich sieht, verrät mir ganz aufgeregt, dass das der letzte Song ist, bevor es losgeht.)
„Tokio Hotel – Durch den Monsun“. Mehr geht nicht. Licht aus.

Trommelfell strapazierendes Gekreische begleitet die erlöschende Beleuchtung und LaFee’s Silhouette erscheint, in schwarzem Top mit weiß/schwarzem Rock, am Bühnenrand. Sie steigt direkt mit dem ersten Song ihres neuen Albums „Schatten und Licht“ – LaFee – ein und klärt uns musikalisch über den rasanten Aufstieg zum Teenie-Idol und dem über Nacht erwachsen werden müssen, auf. Hört euch den Song an und ihr kennt die ganze Geschichte der Christina Klein bzw. wie LaFee das Licht der Welt erblickte.
LaFee – das ist meine persönliche Empfindung – bringt einen ähnlichen Vibe wie Nina Chuba mit auf die Bühne. Da steht eine von uns – die in unserer Sprache ihre wie unsere Probleme, Hoffnungen und Sorgen musikalisch präsentiert. Auch vor Tabu-Themen wie im Song „Mitternacht“, schreckt LaFee nicht zurück und drückt den Finger in die Wunde anstatt eine heile Show-Welt zu erschaffen. Authentizität. Nichts ist in schmeichelnde Plattitüden gehüllt. LaFee haut einem die Realität der Jugend, des Erwachsenwerdens und des damit umgehen Müssens ins Gesicht. Das LKA bebt bei Hits, wie „Was ist das“ genauso euphorisch, wie bei ihren neuen Songs, von denen einige ihren Weg in die heutige Setlist gefunden haben.

Schaut man sich das Publikum heute Abend an, besteht es zum Großteil aus jungen Mädchen und Frauen, die gemeinsam mit LaFee erwachsen wurden/werden. Kann die eine Hälfte genau die Inhalte der älteren Songs teilen, kann die andere komplett nachvollziehen, wenn die junge Mutter ihrem kleinen Sohn den Song „Gespenster“ widmet. Eine wunderschöne Ballade darüber, dass irgendwann die Zeit des Loslassens kommt.
In der Mitte ihres Sets verschwindet Lafee für längere Zeit von der Bühne, um nun, ganz zum Titel ihrer Tour passend, in Weiß gekleidet zurück auf die Bühne zu kommen. Es wird Zeit für die Klassiker. „Heul Doch!“ erhält ein ziemlich noch cooleres Metal-Gewand und wird vom Publikum ekstatisch mitgeschrien. Während des Konzertes fällt mir immer wieder ein junges Mädchen auf, das direkt vor der Bühne im Rollstuhl sitzen darf – die jedes Wort von LaFee aufsaugt und mitsingen kann. Das fällt auch LaFee immer wieder auf und es finden mehrere Interaktionen zwischen den beiden während ihres Auftrittes statt. Da hat jemand den Abend seines Lebens.

Für den letzten und größten Hit darf ein junger Sänger aus dem Publikum auf die Bühne kommen – ein Versprechen wird hier scheinbar eingelöst. Doch LaFee macht ihm vorab nochmal schnell klar, auf ihre sympathische und freche Art, dass wenn sie sagt, er muss wieder runter von der Bühne und er nicht geht – eine Kopfnuss bekommt. Ich habe schon unsympathischere Gewaltandrohungen mitbekommen, wenn ein Fan auf die Bühne gekommen ist. Der junge Mann stellt sich schnell vor, vermittelt seine Insta-Daten (mittlerweile ein adäquater Ersatz für den Personalausweis) und stimmt dann absolut text- und stimmsicher in „Virus“ mit ein. Voller Energie und mit stimmgewaltiger Unterstützung des Publikums wird das Duett ein würdiger Abschluss dieses kurzweiligen Ausfluges in die 2000er. Gegen Ende bittet LaFee den Fan freundlich von der Bühne und bringt die Sache selbst und cool, wie das ganze Konzert über, zu Ende. Dieser Abend verdeutlicht, dass LaFee nicht wie viele andere Künstler der 00er Jahre in diesen hängen geblieben ist und diese immer wieder aufleben lässt / sich danach zurücksehnt. LaFee ist im Hier und Jetzt, mit all den Sorgen und Freuden und blickt nur gelegentlich mit ihren Fans zurück und spricht, wie wir alle, darüber, wie es damals war und heute ist.
Ein cooler Konzertabend und sicherlich ein Highlight für viele jungen Menschen, die LaFee’s Reise noch vor sich haben.
