DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf

DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

Vor zwei Jahren hatte ich den Auftritt von Ditz in der Manufaktur leider verpasst. Schön also, dass sie heute Abend wieder in Schorndorf Halt machen. Im Gepäck haben sie ihr aktuelles, zweites Album „Never Exhale“, das bereits im Januar erschien. Ein Album, dessen dystopisch dröhnender Noise-Sound ein kongenialer Soundtrack zur Befindlichkeit unserer Gegenwart ist und das den Hörer mit seiner existenzialistischen Dringlichkeit (heraus)fordert.

DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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Als Support ist die mir bisher unbekannte, aus Augsburg stammende Band Das Format am Start. Schon bei den ersten Takten wird klar: es wird brachial werden. Meine erste Assoziation ist das Bandprojekt Project Shellac, des 2024 verstorbenen Musikers und Produzenten Steve Albini, sind die drei Augsburger doch genauso schnörkellos rough, mit einem minimalistisch skelettierten Soundgerüst. Und doch ist es auch unglaublich monumental, wie Bruno Tenscherts noisige Gitarrenriffs, der rhythmisch fein vibrierende Bass von Maximilian Stephan und das laute, krachige und gleichzeitig doch so facettenreiche und extrem kraftvolle Drumming Maximilian Wörles. Dröhnend und düster ist das, aber, trotz aller punkigen Aggression, auch von einem hypnotischen Sog, wie im Track „Panorama Restaurant“, der fast schon tanzbar ist, ein Song zum Tanz in die Dystopie. Ein perfektes Spiel aus Tension and Release, sorgsamem Aufbau, explosiven Entladungen und Screamo Ausbrüchen von Tenschert. Stark und fordernd sind aber auch die Lyrics.

DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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„Wir sind für immer auf dem Heimweg
Wir wollen ganz schnell durchs Treppenhaus
Dein Vater sagt: Deine Mutter sagt,
deinem Charakter fehlt das Geländer“

(aus dem Song „Deine Mutter“)

Eine wirkliche Entdeckung ist diese Band mit ihrem brodelnden und explosiven Post-Punk und einer dichten, zeitweise verstörenden Atmosphäre. Schon alleine für Das Format hat sich die Fahrt nach Schorndorf gelohnt.

DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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Um 21.30 Uhr betreten dann Ditz die Bühne. Die Keyboardklänge des ersten Songs „Don Enzo Magic Carpet Salesman“ erinnern mich mit ihrer unheimlichen und bedrückenden Atmosphäre an den Soundtrack von „The Shining“. Callum Francis setzt mit einem lakonischen Sprechgesang ein, der emotional zwischen Trauer und Wut zu verorten ist, und die Band beginnt mit einem Crescendo aus dissonanten Soundscapes, die in einer wahren Eruption münden. Ein Brett, das das Publikum um die Ohren gehauen bekommt. Bin ich froh, dass ich heute Abend ausnahmsweise mal Gehörschutz mitgenommen habe. Düster und verstörend geht es mit dem, ebenfalls vom neuen Album stammenden Song „Taxi Man“, weiter. Fordernd ist das, was man hier heute Abend in der Manufaktur erleben darf.

DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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Klassische Songabfolgen und Strukturen lösen sich auf, dies ist mehr eine Performance als ein normales Konzert. Starke Emotionen werden heraufbeschworen, das Publikum wird einem labyrinthischen Klanggebilde ausgesetzt, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Einerseits entstehen Weite evozierende Klangräume, deren Enden nicht abzusehen sind, andererseits entwickelt sich zusehends ein Gefühl der Klaustrophobie; die Musik von Ditz verkörpert in ihrer unfassbaren Klanghaftigkeit eine Welt des unausweichlichen Kollapses. In diesem dystopischen Setting verkörpert Callum Francis, gewandet im schwarzen Kleid, weißen Strumpfhosen und schwarzen Pumps, die dunkle Diva, die sich lasziv am Mikrofonständer abstützt, mit einer „Fuck The World“-Attitude und einer Mischung aus Aggression und Gleichgültigkeit die Songtexte skandiert. Callum ist ein Zeremonienmeister des Abgesangs. Er fordert das begeisterte Publikum auf, einen Moshpit zu bilden, um darin ein Bad in der aufgeheizten Menge zu nehmen.

DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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Grandios, was für ein brutalistisches Soundgebäude Ditz hier errichtet. In seiner Direktheit und Schnörkellosigkeit ist dies klanggewordener Sichtbeton. Musik, die die Transformation des Utopischen in die Dystopie beschreibt. Und diese schwer fassbare Klangarchitektur zeigt auch die außerordentlichen Qualitäten der gesamten Band, die atonal sägenden Akkorde des Bassisten Caleb Remnant und der Gitarristen Anton Mocock und Jack Looker und dem alles zusammenhaltenden Schlagzeugspiel Sam Evans, das von einer ungeheuren Wucht geprägt ist.

DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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Francis treibt das Publikum noch mal zum Circle-Pit an und die Band steigert sich bis zur kakophonen Erschöpfung. Ein Zerschmettern der Kunst.

Dies alles mag aufdringlich beängstigend klingen, hat in seiner Gesamtwirkung aber eine geradezu kathartische Wirkung. Ein Konzert, das begeistert hat und einen überwältigt zurücklässt. Und um nochmal eine Architekturmetapher heranzuziehen, auch wenn sie zugegebenermaßen mehr abgenutzt ist, aber heute Abend wirklich mehr als zutreffend ist: Was für ein Abriss!

DITZ, DAS FORMAT, 13.11.2025, Manufaktur, Schorndorf | Foto: Holger Vogt
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DITZ

Das Format

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