URIAH HEEP, APRIL WINE, HEAVY PETTIN, 29.10.2025, Liederhalle Hegel-Saal, Stuttgart

URIAH HEEP, APRIL WINE, HEAVY PETTIN, 29.10.2025, Liederhalle Hegel-Saal, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
Foto: Claus Kullak

Der Hegel-Saal der Stuttgarter Liederhalle verzaubert zwar nicht mit der eleganten 50er Jahre-Patina des benachbarten, nach Beethoven benannten Pendants, ist aber seit 1991 ein durchaus beeindruckender Veranstaltungsort im Stil eines klassischen Theaters oder Opernhauses mit gleich zwei weit nach oben reichenden Emporen. Am heutigen Abend ist auch die untere Ebene komplett bestuhlt und so gut wie alle der rund 1.500 Plätze sind besetzt.

Die alten Recken des Hardrocks ziehen also noch, locken überwiegend reifere Fans an, die Herren dominieren wie erwartet das Publikum und drängeln sich am Bierausschank. Dass mit Heavy Pettin aus Schottland noch eine weitere Supportband schon vor der offiziellen Startzeit auftritt, haben viele Besucher*innen gar nicht mitbekommen, weshalb die jüngst reaktivierten Veteranen der New Wave Of British Heavy Metal noch vor recht lichten Reihen starten müssen.

URIAH HEEP, APRIL WINE, HEAVY PETTIN, 29.10.2025, Liederhalle Hegel-Saal, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
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Gegründet 1981, hat sich der Sound der Band bis heute kein bisschen verändert. Die Songs sind einfach strukturiert und haben ordentlich Wumms, irgendwo zwischen Hardrock und frühem Heavy Metal. So richtig erfolgreich waren die Jungs aus Glasgow allerdings nie und auch heute klingen sie recht, äh, konservativ, obwohl sie ihr nagelneues Album „Rock Generation“ am Start haben. Metal-Historiker*innen freuen sich über die gelungene Überraschung, ansonsten haben Heavy Pettin mit ihren sechs Songs vor halbleerem Saal allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

URIAH HEEP, APRIL WINE, HEAVY PETTIN, 29.10.2025, Liederhalle Hegel-Saal, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
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Weiter geht es mit April Wine aus Kanada, die schon seit mehr als 50 Jahren dabei sind – allerdings ist mit Gitarrist Brian Greenway nur noch ein Bandmitglied aus den 70ern dabei. Die Rolle des 2023 verstorbenen Bandchefs Miles Goodwyn übernimmt Marc Parent, der mich jedoch nicht allzu sehr beeindruckt. Denn der 50-minütige Auftritt gerät doch arg routiniert. Obwohl in den vorderen Reihen einige beinharte Fans begeistert mitmachen, will der Funke nicht so richtig überspringen. Dabei haben April Wine einen ganzen Sack voll zeitloser, melodischer und im besten Sinn radiotauglicher Hardrock-Klopper im Programm, von denen zu meiner Freude auch etliche gespielt werden („Hot On the Wheels Of Love“, „Roller“). Die Inszenierung ist allerdings lau, die Band wirkt nicht gerade übermotiviert.

URIAH HEEP, APRIL WINE, HEAVY PETTIN, 29.10.2025, Liederhalle Hegel-Saal, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
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Die meisten Zuschauer*innen sind ganz offensichtlich wegen Uriah Heep hier. Die waren zwar nie der allerheißeste Scheiß im Hardrock, überzeugen seit mittlerweile 55 Jahren aber immer mit solider Wertarbeit – und eben einer guten Handvoll Radio-Hits aus fernen Tagen, die die Leute in Zeiten von SWR-Top-Tausend-Hitparaden offensichtlich zum Konzertbesuch anregen. An gleicher Stelle quälten mich Uriah Heep vor drei Jahren noch mit einem einstündigen Unplugged-Konzert zum Aufwärmen – heute geht es von Anfang an kernig zur Sache. 

Leicht verwitterte Typen mit gandalfartigen Haartrachten in einem klassischen Hardrock-Setup ohne Schnörkel – so macht das gleich viel mehr Spaß. Uriah Heep spielen seit vielen Jahren in stabiler Besetzung und das merkt man. Fixpunkt in der Bandgeschichte ist der knuffige Gitarrist Mick Box, der mit seinen mittlerweile 78 Lebensjahren eine erstaunlich souveräne und tiefenentspannte Performance abliefert. Technisch überzeugend, ein bisschen schrullig und mit britischem Understatement gibt er das Gegenstück zu Rampensau Bernie Shaw, der als Endsechziger durchaus selbstironisch den posenstarken Frontmann gibt und auch richtig gut und beeindruckend kraftvoll singt.

URIAH HEEP, APRIL WINE, HEAVY PETTIN, 29.10.2025, Liederhalle Hegel-Saal, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
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Der Sound ist tatsächlich wuchtig, satt und ganz schön laut – was uns zu der eingangs erwähnten Situation mit der Bestuhlung bringt. Denn mit den ersten Tönen von Uriah Heep stehen doch ziemlich viele Gäste – animiert von Shaw – auf und bleiben während des gesamten Konzerts auch in den Sitzreihen stehen. Kein Wunder, denn der fette Hardrock ist nun wirklich nicht zum Rumsitzen gemacht. Als im letzten Konzertdrittel dann alle Hits aus den frühen 70ern verballert werden, hält es im Auditorium fast keinen mehr auf den Sitzen. Die Stimmung ist wirklich euphorisch, die Chemie zwischen Band und Publikum stimmt. Mit Brechern wie „The Wizard“, Gypsy“ und „Easy Livin“ kann halt auch nichts schiefgehen. Es wird beherzt mitgesungen – nicht zuletzt beim rührseligen Finale „Lady In Black“.

URIAH HEEP, APRIL WINE, HEAVY PETTIN, 29.10.2025, Liederhalle Hegel-Saal, Stuttgart | Foto: Claus Kullak
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Mein Vorschlag fürs nächste Mal: Lasst doch bitte die Stühle vor der Bühne weg, braucht kein Mensch. Sitzplätze gibt es auf den Emporen doch genug – Fans und Band hätten so garantiert noch mehr Spaß am altmodischen, nein völlig zeitlosen Hardrock.

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