DROPKICK MURPHYS, 16.10.2025, Porsche Arena, Stuttgart

DROPKICK MURPHYS, 16.10.2025, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
Foto: Ralph Pache

Etwas verspätet komme ich in die Porsche-Arena, sodass ich hier keinen persönlichen Eindruck zum ersten Support Haywire abgeben kann. Frank Turner, der als Special Guest, danach dran ist, kommentierte den Auftritt mit „Das ist eine Hardcore-Band. Ich habe schon immer gerne Hardcore gehört!“ Ich hoffe, damit der Berichterstatterpflicht noch Genüge getan zu haben.

HAYWIRE, 16.10.2025, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Überhaupt: Frank Turner mit seiner Band The Sleeping Souls. Stand schon seit vielen Jahre auf meiner Bucket-Liste und ich wurde nicht enttäuscht. Der Brite und seine Mitstreiter erweisen sich als große Entertainer. Turner versucht so viel wie möglich Deutsch zu sprechen und sein Bassist Tarrant Anderson beteiligt sich daran. Turner: „Wir waren gestern in Mailand. Die waren viel lauter als ihr.“ Anderson: „Was ist los? Seid ihr Österreicher?“ Augenzwinkernd klärt er auf, dass seine Frau aus dem Alpenland stammt und er daher auch gut auf Deutsch kommunizieren kann.

FRANK TURNER, 16.10.2025, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Musikalisch gibt es feinen, melodischen Punkrock. Die Jungs sind in bester Laune und Frank Turner witzelt: „Ich weiß, ihr seid nur wegen mir hier. Aber ich habe ein paar Freunde dabei, eine Newcomerband. Die werden nach uns noch ein paar Songs spielen.“ Die Zeit vergeht im Fluge während des Auftritts und dann ist auch schon Zeit für die Umbaupause, während der die Zuschauer sich Getränke holen und am Merchandise-Stand vorbeischauen.

DROPKICK MURPHYS, 16.10.2025, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Das Licht geht aus und aus den Boxen dröhnt der Punk-Klassiker „If The Kids Are United“ von Sham 69. Dieser zeigt die Idee einer vereinigten Jugend auf, die im heutigen Zeitgeist noch utopischer wirkt als bei der Veröffentlichung Ende der 1970er Jahre.

Mit einem kurzen Instrumentalintro inklusive Dudelsack legen die Dropkick Murphys los und gehen direkt mit der ersten Mitgröhl-Hymne „The Boys Are Back“ aus dem Jahr 2013 in die Vollen. Sofort ist Energie im Publikum, Sänger Ken Casey sucht von Beginn an auf einer Empore direkt am Absperrgitter den Kontakt zu den Fans. In hohem Takt hämmern weitere Songs in der Mischung von keltischen Elementen mit schnellem Punkrock durch, bis der Frontmann schließlich Stuttgart begrüßt: „Es ist toll, wieder in Deutschland zu sein.“ Das Publikum ist begeistert und stimmt bald den Schlachtruf „Let’s Go Murphys!“ an.

DROPKICK MURPHYS, 16.10.2025, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Casey, der eigentlich bei der Gründung 1996 am Bass agierte, wurde im Laufe der Zeit zum zweiten Sänger neben dem eigentlichen Frontmann Al Barr. Dieser legt seit nunmehr drei Jahren eine Pause ein, um seine kranke Mutter zu pflegen. Dementsprechend hat Casey die Rolle voll übernommen. Im Frühjahr dieses Jahres ging ein Video viral, in dem er einen Zuschauer im „Make America Great Again“-Shirt aufforderte nachzuweisen, dass dieses auch wirklich in den USA hergestellt wurde. Dieses entpuppte sich als Produkt aus Nicaragua, dafür gab es dann ein in den Vereinigten Staaten hergestelltes Murphy-Shirt. Für sein diplomatisches Vorgehen auf Augenhöhe wurde Casey dementsprechend im Netz gefeiert.

Und natürlich wird der Auftritt in Stuttgart genutzt, sich vom US-Präsidenten zu distanzieren: „Fuck Donald Trump!“ ruft Casey ins Publikum, das die Parole zugleich zurück brüllt. Im vergangenen Jahr widmeten die Dropkick Murphys dem Staatsoberhaupt häufig den Song „First Class Loser“, heute setzen sie aber einen anderen Akzent. „Mit einem Song von unserem Freund Bruce Springsteen, American Land. Der handelt über die Italiener, die Iren, die Deutschen. Über alle, die in dieses Land kamen in der Hoffnung auf ein besseres Leben!“

DROPKICK MURPHYS, 16.10.2025, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Neben dem Entertainment macht die Band aus Massachusetts an dem Abend deutlich, wo sie steht: Auf der Leinwand taucht an einer Stelle das Logo der Organisation „Kein Bock auf Nazis“ auf, die auch mit einem Stand im Foyer vertreten ist. „Die Arbeiterklasse ist eigentlich immer antifaschistisch“, meint Casey.

Einen richtig ernsthaften Programmpunkt setzt „Green Fields Of France“, ein Cover des schottischen Liedermachers Eric Bogle, der darin das Grab eines 1916 im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldat besingt. In Deutschland machte Hannes Wader in seiner übersetzten Version als Anti-Kriegshymne „Es ist an der Zeit“ bekannt. Leider ist das Lied angesichts der geopolitischen Lage heute wieder aktueller denn je und wirkt schon fast als letzte Mahnung, innezuhalten.

DROPKICK MURPHYS, 16.10.2025, Porsche Arena, Stuttgart | Foto: Ralph Pache
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Musikalisch stechen aus dem Punksound die traditionellen Instrumente wie der irische Dudelsack, der mit einem Blasebalg bedient wird; die Tin Whistle als Flötenvariante sowie das Akkordeon und das Banjo hervor. Es ist vielleicht das einzige Manko der Band, dass diese den Instrumenten nicht mehr Platz eingeräumt wird, sondern dass sie bald hinter Gitarre und Drums wieder verschwinden. Das ist aber wirklich Geschmackssache.

Natürlich darf am Ende des Konzerts der Klassiker schlechthin „I‘m Shipping Up To Boston“ nicht fehlen. Den absoluten Schlusspunkt setzt der schnelle Punkkracher „The Big Man“ vom aktuellen Album, zu dem sich neben dem großen Circle Pit rechts vor der Bühne noch mehrere kleine bilden.

Nach etwas mehr als 90 Minuten werden die Fans schweißgebadet entlassen. Die einen haben eine wilde Party gefeiert, andere vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß mitgenommen. Im besten Fall sogar eine Mischung aus beidem.

Dropkick Murphys

Frank Turner

Haywire

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