WITCH CLUB SATAN, WINSELMUTTER, 30.09.2025, P8, Karlsruhe

WITCH CLUB SATAN, WINSELMUTTER, 30.09.2025, P8, Karlsruhe | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Vor ein paar Monaten bin ich durch Zufall mal wieder auf Instagram über das Profil von Nergal, Sänger und kreativer Kopf von Behemoth, gestolpert und habe mir seine Stories angesehen. In diesen hat er vehement darauf verwiesen, sich die beeindruckenden drei Frauen der erst 2022 gegründeten Band Witch Club Satan anzusehen. Es reichte bereits ein Song, „You – Wildflower“ und mein Interesse war geweckt. Penibel habe ich folglich überprüft, wann das Trio auf Tour kommt und dann war da endlich die Bekanntgabe.

WITCH CLUB SATAN, WINSELMUTTER, 30.09.2025, P8, Karlsruhe | Foto: Madita Nair
Foto: Madita Nair

Vor Witch Club Satan waren mir bis auf „Darkened Nocturn Slaughtercult“ keine Black Metal Bands mit weiblichem „Gesang“ bekannt, wobei mir dieser im Falle der genannten Band extrem gut gefällt, da es meiner Meinung nach eine ganz andere Dramatik und Atmosphäre in die Songs miteinbringt. Heute Abend kommen wir gleich in den Genuss zweier mit weiblichem Gesang besetzter Bands. Auch Winselmutter aus Osnabrück/Oldenburg, ebenfalls erst wenige Jahre existierend, haben am Mikrofon eine weibliche Gestalt, die uns in der kommenden halben Stunde mit ihren emotionalen und wütenden Schreien mit in ihren Abgrund zieht.

Das P8 ist bereits gut gefüllt und man erkennt direkt, dass sich hier nicht der typische Black Metaller von den Bands angesprochen fühlt. Es ist eher ein völlig durchmischtes Publikum mit unerwartet hohem weiblichen Anteil, Menschen, die man völlig vorurteilsfrei ihrer Kleidung nach eher auf Vernissagen antrifft und einem sympathischen Mischmasch jeglicher Metal Sub-Genres – nur der Kapuzen- und Lederjacken-Tragende Black Metaller fehlt am heutigen Abend.

Nur in blaues Licht und dichten Nebel gehüllt, betreten die vier, angeführt von der Winselmutter selbst, die Bühne. Alle vier Bandmitglieder scheinen aus anderen Stilen des BM zu bestehen. Umhang mit Cowboyboots, Patronengurt mit Skinny-Jeans und Hot-Pants mit Ketten-Kaputze. Was musikalisch folgt, ist tight rumpelnder, drückend roher Black Metal, dem an manchen Stellen musikalisch aber doch deutlich der Wiedererkennungswert und das Unique fehlt. Sängerin „Eternal Chaos Witch Ov Blackened Ritual Nights“ merzt diese Defizite allerdings mit ihrer einnehmenden und bedrohlich wirkenden Bühnenpräsenz weitestgehend wieder aus und keucht beeindruckend durch Songs wie „Graveyard Curse“ und „Totentanz“ ihres Debütalbums „Schattentod In Der Leibeswelt“. Ein durch und durch gelungener Einstieg in den Abend und eine Band, die man auf jeden Fall weiter im Auge behalten sollte und man auch mit Sicherheit auf den einschlägigen Black Metal Festivals wieder sehen wird.

WITCH CLUB SATAN, WINSELMUTTER, 30.09.2025, P8, Karlsruhe | Foto: Madita Nair
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Im Black Metal ist das Visuelle meist ebenso gewichtet wie das Musikalische (außer man beschließt auf all das zu scheißen und einfach die Hölle auf der Bühne zu entfachen – Concrete Winds). Corpse-Paint und Blut ist die Grundlage vieler Bands und darauf wird aufgebaut. Mit viel Feuer, umgedrehten Kreuzen, Kerzen und Nebel. Weitere und aufwendigere Komponente wie Altare, Statuen, Knochen und Skulpturen sind dabei in den letzten Jahren mehr und mehr hinzugekommen, wie zum Beispiel bei Batushka oder Watain und gipfeln am Ende in Bühnen, die mehr einer Theatervorführung gleichen als einem Konzert, wie im Falle der tschechischen Cult Of Fire.

Dies ist heute zumindest, was die Bühne angeht, nicht der Fall. Dauert der Umbau für Witch Club Satan nur wenige Minuten – es gibt keine Back- oder Side-Drops, Stage-Props oder sonst etwas – zieht sich das hypnotisch wirkende Intro quälend in die Länge, währenddessen sich die Bühne mehr und mehr in dichten Nebel hüllt. Plötzlich füllt sich der Raum mit Düften verbrennender Kräuter, gemischt mit ordentlich Weihrauch und die Köpfe um mich herum drehen sich verwirrt in alle Richtungen, um den Ursprung des Geruches auszumachen. Zufällig erspähe ich dabei wenige Meter weiter, wie sich Bassistin Victoria durch die Zuschauer hindurch der Bühne nähert und dabei in Rauchschwaden gehüllt ist. Als das Trio (beziehungsweise Quintett – Bassistin Victoria ist mit Zwillingen schwanger) auf der Bühne erscheint, in okkulten weißen Trachten, gibt es einen kurzen Moment der Stille, bevor mit „Birth“ das Chaos auf uns hereinbricht. Man merkt den Damen direkt an, dass sie auf der Bühne heimisch sind. Man hat sich nicht in einem stinkenden Proberaum dazu entschlossen, die Black-Metal-Szene aufzumischen, sondern an der Theater-Schule, an der sie sich in Norwegen kennengelernt haben.

WITCH CLUB SATAN, WINSELMUTTER, 30.09.2025, P8, Karlsruhe | Foto: Madita Nair
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Um auf die zu Anfang gestellten Fragen zurückzukommen – Ist das guter Black Metal?

Wie auch im Falle des zweiten Songs „Wild Whores“ ist es solider, aber unspektakulärer Black Metal, der aber höchst professionell dargeboten wird. Mit viel Theatralik und Pathos gehen die Damen ans Werk und ein erster Höhepunkt für mich ist eher der ruhige Moment, als sie „Mother Sea“ spielen und zu dritt vorne an der Bühne stehen und ohne Instrumente gemeinsam singen. Es reißt einen mit und die Band weiß genau, welche Mimik und Gestik sie in welchen Momenten an den Tag legen müssen, um die volle Wirkung zu entfalten.

Zur zweiten Frage – ist das alles authentisch?
Ganz klar nein. Man sollte sich dessen bewusst sein, dass die Bandmitglieder in einer Rolle agieren, die perfekt auf die Optik, den Klang und die gewollte Atmosphäre abgestimmt sind. Während auch im zweiten Drittel des Auftrittes die feministische Ausrichtung und linke Grundhaltung der Band in Form von Nacktheit und politischen Aussagen zum Israel-Gaza Konflikt authentisch zum Ausdruck gebracht werden, ist der gewählte musikalische Stil nur Mittel zum Zweck. Wir sehen hier keine Black-Metal-Band. Wir sehen hier eine Form von Darstellungskunst, die von Black Metal umhüllt wird. Ist man sich dessen bewusst, wird man dennoch extrem gut unterhalten von rotzigen Songs wie „You Wildflower“ und auch „Fresh Blood, Fresh Pussy“.

Es wird nicht lange dauern und Witch Club Satan werden in größeren Hallen spielen – wurden bereits jetzt schon etliche Shows der Tour in größere Locations verlegt. Herr Nergal hat bereits die Tour-Einladung ausgesprochen und auch andere Headliner sind interessiert an so einem ausgereiften Vorprogramm. Man muss es annehmen und anschließend kann man es genießen. Es ist ein Gesamtkonzept, bei der die Musik nur einer von vielen Aspekten ist.

Witch Club Satan

Winselmutter

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