THE CAT EMPIRE, LOWDOWN BRASS BAND, 29.09.2025, Wagenhallen, Stuttgart

An einem Montagabend mit knapp 1.900 Zuschauer:innen die Wagenhallen fast auszuverkaufen, das ist schon eine beachtliche Leistung. Die Australier The Cat Empire sind in der Stadt und zu ihrer treuen Unterstützer-Gemeinde gesellt sich sicher auch der ein oder andere Neu-Fan, der die neunköpfige Combo letztes Jahr bei den Jazzopen kennengelernt hat. Die Band wurde 1999 in Melbourne gegründet und produziert einen wilden Stil-Mix aus Funk, Latin, Ska, Jazz und Rock. Nach einer Auflösung 2022 formierte sich The Cat Empire um den Gründer Felix Riebl neu und setzt seither ihre Tradition als eine der beliebtesten australischen Live-Bands fort. Für mich ist das dritte Cat-Empire-Konzert in 20 Jahren – jeweils exakt 10 Jahre liegen zwischen den Gigs – und ich ahne, was auf mich zukommen wird.

Zum Beispiel ein richtig guter Support-Act. Das hat Tradition bei Cat Empire. Der Lowdown Brass Band aus Chicago gelingt jedenfalls ein perfektes Warm-up. Die Formation aus Illinois verbindet klassisch-urbane Brass-Band-Energie mit HipHop, Funk, Jazz und einer starken Prise Reggae. Seit den 2000er-Jahren ist die siebenköpfige Gruppe ein fester Bestandteil der US-amerikanischen Brass-Szene. Die ersten Takte klingen reichlich schief, die Drums bollern viel zu laut, der Gesang ist nicht zu hören und die Bläser scheinen fast unverstärkt zu sein. Doch der Mischer bekommt den Sound schnell in den Griff und die Wagenhallen werden sich im Laufe des Abends als überraschende wohlklingende Location erweisen.

Die Brass Band produziert einen äußerst bewegungsfördernden Mix aus Funk und HipHop, mit Spuren von Reggae. Kein einziges Saiteninstrument weit und breit, das Bassfundament kommt vom Sousafon. Meinen Benchmark für Blasmusik LaBrassBanda erreicht die Lowdown Brass Band nicht ganz, ist aber immer noch auf sehr hohem Niveau unterwegs, mit feiner Mehrstimmigkeit und raffinierter Rhythmik. Was wir nicht wissen: Die siebenköpfige Kombo wird später am Höhepunkt des Abends teilhaben.

Nach 45 Minuten Gebläse und einer erfreulich knappen Umbaupause kommen um 21 Uhr der beeindruckend gut gealterte Felix Riebl und The Cat Empire auf die Bühne. Ohne große Show-Gesten starten sie mit „Blood on the Stage“ in ihr knapp zweistündiges Programm. Und – beeindruckend wie immer – sie sind sofort auf Betriebstemperatur. Schon an zweiter Stelle ihren Hit „How to Explain“ rauszuhauen, ist ein cleverer Move. Die Partystimmung erreicht schon früh am Abend hohe Werte und wird sich fast kontinuierlich steigern.

Erfrischend auch, dass die Songs nahezu ohne Unterbrechung aneinandergereiht werden und in neuen, teils überraschenden Arrangements daherkommen. Insgesamt hat sich der Sound noch mehr in die Latino-Ecke entwickelt. Das mag auch mit der Neubesetzung zu tun haben. Hier wird vermehrt Spanisch gesungen. Herausfordernd ist die Grätsche zwischen der individuellen Klasse der einzelnen Musiker, die sie in virtuosen, deutlich angejazzten Soli demonstrieren und dem teilweise fast banalen Mitgröl- und Schunkelphasen. Da schwappt eine ordentliche Portion Wasen in den Konzertsaal. Der Stimmung tut es gut, dem Niveau nicht.

Highlight des Gigs ist der Hit „Hello“, bei dem die komplette Brass Band mit auf die Bühne kommt und die so entstandene „Big Band“ den Song mit einer unfassbaren Vehemenz in die Halle schickt. Spätestens jetzt kennt das Publikum kein Halten mehr und scheint komplett vergessen zu haben, dass dies ein Montagabend ist und die Woche noch einiges an Energie fordern wird.

Um die Zugabe lassen sich die Australier – auch das ist gute Tradition – nicht lange bitten und geben dem Publkium mit „Bulls“, einem üppigen Medley ihrer anderen Hits und dem abschließenden Publikumsliebling „The Chariot“ den Rest. Alles in allem ein höchst erfreulicher Abend. The Cat Empire haben trotz der gravierenden Umsetzung nichts an Qualität verloren, haben sich endgültig ihre Position als perfekte – wenn auch nicht immer komplett geschmackssichere – Partyband gesichert. Und auch die Wagenhallen präsentieren sich als sehr geeigneter Konzertort, an dem man sich weit mehr Gigs wünschen würde.

Setlist
Blood on the Stage
How to Explain
Oscar Wilde
Prophets in the Sky
Candela
Brighter Than Gold
Que Sera Ahora
Lost Song / Elias
Two Shoes
Going to Live
Hello (mit Lowdown Brass Band)
Sly
Owl
Steal the Light
Rock ’n‘ Roll
Still Young
Bulls
Medley
Chariot
